Lebendige Innenstadt
Leerstand aktiv begegnen
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Erster Schritt: Einen Überblick verschaffen
Um gezielt gegen den Leerstand vorgehen zu können, ist es wichtig, die leerstehenden Gebäude detailliert und systematisch zu erfassen und Prioritäten zu setzen. Dabei können zum Beispiel eine Datenbank oder auch eine digitale Plattform helfen, welche die leerstehenden Gebäude auch für Interessenten von außen auflistet.
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Unterstützung auf Länder- und Bundesebene nutzen
Leerstand betrifft viele Kommunen und entsprechend gibt es auf Länder- und auch Bundesebene konkrete Hilfen und Fördermittel, um als Kommune tätig zu werden. Hier lohnt es sich, über die Gemeindegrenzen hinauszuschauen und Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Lohnenswerte Ansätze finden sich zum Beispiel in der vom Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) veröffentlichten „Handlungsstrategie Leerstandsaktivierung“
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Verpflichtung zur Leerstands-Meldung einführen
Damit Leerstände im Privatbesitz überhaupt für die Gemeinde erkennbar werden, kann die Kommune Eigentümer von leerstehenden Häusern via eine Satzung dazu verpflichten, längeren Leerstand nicht nur zu melden, sondern auch zu begründen. Damit werden die Eigentümer aktiv in die Verantwortung genommen. In der Stadt Landau hat dies zu deutlichen Erfolgen geführt: von ehemals 715 der Stadt gemeldeten Leerständen sind dort mittlerweile 202 Objekte wieder bewohnt.
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Kreative Entwicklung von Um- und Zwischennutzungen
Neben der Sanierung und klassischen Neuvermietung können ehemalige Leerstände auch auf ungewöhnliche Weise neu genutzt werden, zum Beispiel als Pop-Up-Stores, Kulturräume oder Gewerbe für die Kreativbranche. Zudem kann eine Kooperation mit örtlichen Vereinen Sinn machen. Durch all diese Ansätze wird nicht nur das Stadtbild verschönert, sondern auch die Lebensqualität in der Stadt verbessert. Zudem trägt eine derartige Neu- und Umnutzung dazu bei, dass unnötiger Flächenverbrauch im Umland vermieden wird.
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Aktive Beteiligung von Bürgern und Eigentümern fördern
Die erfolgreiche Bekämpfung von Leerstand gelingt letztlich nur gemeinsam mit den Eigentümern und den Bürgern. Deshalb lohnt es sich, das Thema in verschiedener Weise öffentlich zu machen, sei es durch Bürgerversammlungen, Umfragen, Ideenwettbewerbe oder Workshops.

Offensichtlicher und versteckter Leerstand in Bad Belzig
Auch im 11.000-Einwohner-starken Ort Bad Belzig ist bereits bestehender bzw. drohender Leerstand in der Innenstadt ein Thema. Um hier als Kommune gegenzusteuern, wurde die sogenannte „Altstadtkümmerei“ als Variante eines City-Managements ins Leben gerufen, die von Birgit Würdemann und Theresa-Maria Höhne geleitet wird. Neben der generellen Belebung der Innenstadt zählt zu ihren Aufgaben auch die Bekämpfung des Leerstands. „An sich gibt es in Bad Belzig ein relativ breites Angebot an Waren und Dienstleistungen in der Innenstadt, aber ein paar Läden mittendrin stehen leer oder werden in absehbarer Zeit leer stehen aufgrund des höheren Alters der jetzigen Betreiber“, sagt Würdemann. Die Folge: „Man nimmt den Leerstand im Ort bereits wahr, aber noch nicht so auffällig“, sagt Höhne, allerdings gäbe es neben dem ersichtlichen Leerstand auch noch sogenannten „versteckten Leerstand“, der zwar nicht danach aussehe, bei dem sich hinter gestalteten Schaufenstern aber dauerhaft geschlossene Läden verbergen würden. Der Wunsch nach einer Neunutzung ist hier dennoch eindeutig spürbar: „Die Bürger wünschen sich die alten Zeiten zurück - eine belebte und lebendige Innenstadt“, sagt Höhne.
Verschiedene Aktionen der Altstadtkümmerei
Um sich einen Überblick über die Lage zu verschaffen, haben Würdemann und Höhne zu Beginn den Bestand gesichtet und genau erfasst, was es alles für Einzelhandel gibt und wie groß der Leerstand und der Sanierungsbedarf sind. In Folge haben die beiden verschiedene Aktionen gestartet, um in Bad Belzig etwas in Bewegung zu bringen. So wurden auf verschiedenen Wegen die Eigentümer kontaktiert und konnten unter anderem für eine ehemalige Bäckerei neue Gewerbetreibenden gefunden werden. In vielen Fällen aber war und ist der Prozess der Wiederbelebung mühevoll, wie Würdemann sagt: „Das Problem ist, dass viele Eigentümer in Bad Belzig selbst die Gewerbetreibenden waren in den jetzt leerstehenden Räumen und dadurch kein großer Druck da ist, diese neu zu vermieten“.
Um hier dennoch etwas zu erreichen, haben Würdemann und Höhne gezielte Weiterqualifizierungsangebote für die Gewerbetreibenden geschaffen, darunter Veranstaltungen etwa zum Thema Nachfolge, zur E-Rechnung oder zur Sichtbarkeit im Internet. Eine besonders beachtete Aktion war auch ein Kunstprojekt im Sommer, bei dem in bestehenden ebenso wie in leerstehenden Schaufenstern Kunstwerke ausgestellt wurden. Bis die Veränderungen tatsächlich sichtbar werden, braucht es laut Höhne einen langen Atem. Das Wichtigste aber ist ihrer Erfahrung nach der Austausch mit den Bürgern ebenso wie mit der Verwaltung und der Politik. „Wir sind sehr eng mit der Kommune in Kontakt und informieren uns gegenseitig auf kurzen Wegen immer über den aktuellen Stand. Netzwerkarbeit ist bei der Leerstandsbekämpfung das A und O.“


