Kommunen tun gut daran, Weihnachtsmärkte auch in diesem Jahr - mit neuen Hygienekonzepten - stattfinden zu lassen
Kommunen tun gut daran, Weihnachtsmärkte auch in diesem Jahr - mit neuen Hygienekonzepten - stattfinden zu lassen

Glühwein mit Abstand

Trotz Corona: So können Weihnachtsmärkte vor Ort funktionieren

Es ist eines der am kontroversesten diskutierten Themen in diesen Tagen in Deutschlands Kommunen - wie umgehen mit den Weihnachtsmärkten? Erste Kommunen haben ihre Märkte bereits abgesagt, andere warten noch ab. Doch Umfragen zufolge können die meisten Weihnachtsmärkte wohl stattfinden - wenn auch unter anderen Bedingungen. Und die Mehrheit der Bürger wünscht sich ohnehin einen Besuch auch in diesem Jahr auf einem Weihnachtsmarkt. Wir geben Tipps für Kommunen!

Weihnachtsmärkte können trotz Corona funktionieren. Das zeigen zahlreiche Hygienekonzepte von Städten und Gemeinden. Denn entgegen vieler Medienberichte haben Deutschlands Bürgermeister die große Mehrheit der Weihnachtsmärkte bisher nicht abgesagt. Das zeigt eine Umfrage des Evangelischen Pressedienstes. Demnach bereiten sich die meisten Kommunen auf Weihnachtsmärkte unter strengen Auflagen vor. Befragt wurden hier vor allem Großstädte - andere Abfragen zeigen jedoch, dass auch und gerade in kleineren Kommunen die Weihnachtsmärkte problemlos stattfinden können. Der wesentliche Unterschied zu sonstigen Großveranstaltungen: Weihnachtsmärkte sind eher vergleichbar mit der Fußgängerzone in der Innenstadt. Schwierig wird es nur auf Plätzen, die sehr eng sind, wo Mindestabstände schwer einzuhalten sind oder wo es eine zentrale Bühne gibt. Hier müssen Kommunen umplanen. 

Weihnachtsmärkte und die Fläche vor Ort

Das wohl wichtigste Kriterium, damit ein Hygienekonzept einer Kommune funktionieren kann ist, dass die Marktfläche groß genug sein muss, damit die Stände entzerrt aufgebaut werden können. Im Notfall muss die Zahl der Stände reduziert werden,  besser ist es, wenn die Marktfläche ausgeweitet werden kann. Einige Kommunen nutzen etwa ihre kompletten Innenstädte, gehen also weg vom "zentralen Marktplatz" und schaffen so Weite und vor allem die Möglichkeit, dass auch die Besucher untereinander besser Abstand halten können.



Ein Knackpunkt dabei ist die Kontrolle des Zugangs. Denn die Kommunen müssen sicherstellen, dass nicht zu viele Besucher gleichzeitig da sind. Obendrein müssen sie die Rückverfolgung im Falle einer Infektion gewährleisten. Eine Möglichkeit, die etwa die Stadt Regensburg nutzen will, sind personalisierte Online-Tickets. Das funktioniert aber nur dann, wenn das Gelände "eingezäunt" werden kann. "Einbahnstraßen statt bunter Trubel" heißt daher das Konzept in mehreren Städten und Gemeinden. 

Feuerzangenbowle to go 

Kommunen, die praktisch in ihrer komplette Innenstadt "vereinzelt" Buden aufbauen, haben es relativ einfach. Sie haben meist. viel Fläche und können so sichergehen, dass es nicht zum "Gedränge" kommt. Dort, wo Besucherströme aktiv geleitet werden müssen, ist eine Überlegung, dass sich die Menschen nicht zu lange an einer Stelle aufhalten. Der Glühwein in der Sammeltasse, die nach dem Trinken zurückgegeben werden muss, ist da keine gute Idee. Denn für das Trinken stehen die Menschen in der Kälte gerne dicht zusammen, lassen sich Zeit und verlassen die Stelle nicht, weil die Tasse später gegen Pfand zurückgegeben werden muss. Auch wenn es nicht die umweltfreundlichste Variante ist: Glühwein oder Feuerzangenbowle zum Mitnehmen im Einmalbecher sind hier definitiv sinnvoller. Die Sammeltasse kann dann ja zusätzlich einzeln verkauft werden, ebenfalls zum Mitnehmen. 

Die Veranstalter warnen Kommunen jedoch davor, gar keinen Alkohol zu verkaufen. Keiner geht auf den Weihnachtsmarkt, um dort eine Wollmütze zu kaufen. Die Feuerzangenbowle ist und bleibt der Grund für den Besuch. Wenn sich dann auch noch eine Wollmütze verkauft, ist es ja gut. Allerdings: Kaum jemand trinkt auf dem Weihnachtsmarkt so viel, dass er "betrunken" ist und somit unvorsichtig wird, gerade in kleinen Orten funktioniert die die "soziale Kontrolle" meist sehr gut. Die Gefahr dürfte also überschaubar sein. 

Ein weiterer Tipp der Planer: Orte, die eine feste Begrenzung haben, können als "Einbahnstraßen" organisiert werden - sprich: Der Besuch des Weihnachtsmarktes mit vorgegebener Laufrichtung. 

Strittig ist die Frage der Maskenpflicht - eigentlich ist diese im Freien nicht nötig, die Stadt Mainz mit ihren teils engen Straßen und vielen Besuchern auf dem Weihnachtsmarkt denkt trotzdem darüber nach. Viele Städte überlegen, das als optionalen Punkt je nach Entwicklung der Infektionszahlen in den kommenden Wochen und Monaten aufzunehmen. Die Entscheidung kann dann mit Beginn des Weihnachtsmarktes (meist nach dem Totensonntag) noch kurzfristig gefällt werden, sollten die Zahlen in einer Region hoch liegen.  Geht es nach dem Städte- und Gemeindebund, ist eine Maskenpflicht kein Tabu. "Mobile Temperaturkontrollen und Desinfektionsspender müssen ebenso wie die Maske zum Erscheinungsbild des Weihnachtsmarktes gehören", meint DStGB Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg. 

Weihnachtsmärkte nicht über "einen Kamm scheren" 

Ein Hauptproblem ist, dass viele Kommunen mit Sorge auf die großen Weihnachtsmärkte blicken und daher Angst haben, eine falsche Entscheidung zu treffen. So ist der Weihnachtsmarkt rund um den Kölner Dom schon abgesagt worden. Nur lässt sich die Situation in einer Großstadt wie Köln überhaupt nicht mit der in Mecklenburg-Vorpommern oder im Saarland vergleichen. Im Nordosten etwa liegt die Zahl der Infektionen auf 100.000 Einwohner gerade mal bei 2,6, in Thüringen und Brandenburg bei 4,8, während Berlin bei knapp 30 Fällen auf 100.000 Einwohner liegt.  Aber schon hier ist die Situation in den Landkreisen rund um Berlin eine völlig andere, als etwa in ländlichen Regionen. Daher plädiert auch der Städte- und Gemeindebund für ein "differenziertes Vorgehen statt genereller Absagen", wie es Gerd Landsberg ausdrückt. Landkreistagspräsident Sager meint: "Wenn wir Menschen im dünn besiedelten Mecklenburg-Vorpommern verbieten, in der Öffentlichkeit ein Bier zu trinken, weil in München alle Signale auf Rot stehen, würde das die Akzeptanz schwächen". 

Diese Einschätzung setzt sich auch in der Politik durch. Bayerns Ministerpräsident Söder etwa plädiert für "kluge Konzepte", damit die Weihnachtsmärkte stattfinden können. Die Senatsgesundheitsverwaltung in Berlin erklärt, Weihnachtsmärkte gehörten zu den Veranstaltungen im Freien, bei denen nach geltender Infektionsschutzverordnung bis zu 5000 Personen zugelassen sind". 

Wenig erstaunlich, aber doch auffallend deutlich äussert sich der Schaustellerverband. Er lehnt generelle Verbote ab, auch Alkoholverbote. Hintergrund ist die dramatische Situation vieler Schausteller. Einige haben seit Anfang des Jahres gar keine Einnahmen mehr und halten sich mit Überbrückungskrediten über Wasser. Mit Blick auf die Bedeutung der Weihnachtsmärkte heißt es vom Verband: "Was früher mal ein Zubrot war, ist inzwischen wirtschaftlich extrem wichtig". Denn 90 Prozent der Unternehmer, die sonst im Sommer auf Volksfesten im Einsatz sind, verbringen die Vorweihnachtswochen auf den Weihnachtsmärkten. Auch Hotels- und Gaststätten in vielen Orten machen einen Großteil ihres Umsatzes mit dem Weihnachtsgeschäft. 

Übrigens: Die Bürgerinnen und Bürger scheinen in Deutschland keine große Sorge zu haben, einen Weihnachtsmarkt zu besuchen. Eine Umfrage des MDR etwa in Mitteldeutschland ergab, dass rund 60 Prozent auf jeden Fall einen Weihnachtsmarkt besuchen möchten. Nur ein Drittel der Bürger hat demnach Bedenken und überlegt, evtl. auf einen Besuch zu verzichten. 

Politik und Verbände verweisen zudem immer wieder darauf, dass Märkte für viele Städte und Gemeinden nicht nur ein Wirtschaftsfaktor sondern vor allem auch ein Kulturgut sind. Insofern tun Kommunen gut daran, die Weihnachtssaison zu planen, wie immer. Nur halt doch völlig anders. 

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