Ärztemangel stoppen mithilfe von MVZ
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Ärztemangel - Abwendung einer Versorgungskrise

Do, 16.05.2019

Die klassische Arztpraxis vor Ort stirbt aus. Kommunale Medizinische Versorgungszentren sind die Zukunft, meint unser Gastautor Adrian Dostal.

Im Rahmen des seinerzeit bereits erkennbaren Hausärztemangels hat der Bundesgesetzgeber bereits 2015 grundsätzlich und abschließend entschieden, dass kommunale Medizinische Versorgungszentren und somit auch den Gemeinden gehörende Medizinische Versorgungszentren, nicht nur möglich, sondern auch gewünscht sind. Tatsächlich zeichnet sich der „Landarztmangel“ schon seit über zehn Jahren ab.

Unstrittig ist in der Fachwelt, dass die Einzelpraxis als Versorgungsform ein Auslaufmodell ist. Doch wie löst man den Ärztemangel?

Große Hoffnungen können in sogenannten Mehrbehandlerpraxen mit delegativen Strukturen, die deutlich mehr medizinisch-ärztliche Kapazität freisetzen, gesetzt werden. Kommunale medizinische Versorgungszentren sind eine Ausprägung dieser Mehrbehandlerpraxen. Abstrakt bekannt sind häufig auch die Anforderungen der Ärzte-Generation Y. Der Wunsch nach einer „Work Life Balance“ und damit einhergehenden angestellten ärztlichen Tätigkeit, ist eine der zentralen Forderungen.  

 

Ärztemangel
Adrian W.T. Dostal ist Geschäftsführer der Beratungsagentur dostal & Partner in Vilsbiburg  

 

Bis 2030 scheiden voraussichtlich etwa die Hälfte der Hausärzte aus dem Berufsleben aus. Tatsache ist: In diesen Jahren baut sich ein ungedeckter Bedarf an Hausärzten von etwa 50 Prozent auf, möglicherweise auch mehr. In Zahlen ausgedrückt, sind dies rund 10.000 fehlende Allgemeinmediziner bis zum Jahr 2030. Geht der Trend „Hin zur Stadt und nicht auf das Land“ unverändert weiter, heißt das fürs Land: Es fehlen 70 bis 80 Prozent. Das bedeutet, dass bundesweit mindestens jeder zweite Arztsitz nicht 1:1 gedeckt werden kann. Die Ressource „Hausarzt“ muss also anders als bisher, sprich effizienter, genutzt werden. Auch kann nur bei einem Drittel der betroffenen Kommunen eine - und zwar modern strukturierte – Praxis aufrechterhalten oder besser formuliert, neu auf den Weg gebracht werden.  

 

Und was müssen wir konkret tun gegen den Ärztemangel?

 

Um den Ärztemangel in den Griff zu bekommen, gibt es Initiativen wie „Runde Tische“ oder die zahlreichen ergebnislosen Einzelgespräche, die zu keinem erkennbaren Lösungskonzept geführt haben. Gleichfalls sind Gespräche mit den Kliniken im Landkreis und Umgebung erfolglos geblieben. 

Auch mit anderen Instrumenten wie Modellprojekten, Gesundheitskonferenzen, einer allgemeinen intensiveren Vernetzung der Gesundheitsakteure und dem Einrichten von Gesprächskreisen zur Problemlösung wird versucht, die Probleme vor Ort gesprächsweise zu lösen. Bemerkenswert ist hierbei meistens, dass die Kommunen selbst bei solchen Ansätzen kaum bis überhaupt nicht vertreten sind.  

„Bemerkenswert ist, dass die Kommunen bei der Vernetzung der Akteure bisher kaum bis überhaupt nicht vertreten sind.“

Adrian Dostal, Berater

Auch gehören hier die mittlerweile nahezu aussichtslosen Versuche von Abgeber-Ärzten dazu, veraltete Einzelpraxen auf dem Lande an den Mann zu bringen. Da wird bis zum Schluss „gehofft“ und die Kommune vertröstet.

Derweil wirkt das Einzelkämpferdasein von niedergelassenen Hausärzten auf nachrückende Ärzte häufig abschreckend. Bei einem Wochenarbeitspensum von teils über 60 Stunden nicht verwunderlich. Auch wollen die jüngeren Mediziner eher im Ärzte-Team arbeiten und dabei angestellt sein. 

 

Ärztemangel: Irgendwann ist es zu spät zum Handeln

 

Die aufgeführten Trends sind zentrale Bausteine für den mehrfachen sich dahinter verbergenden Paradigmenwechsel: Das „Alte“ Ideal einer Einzelpraxis und Freiberuflichkeit ist aus vielfachen Gründen passé.  

Damit sind eben neue Regularien, Akteure und Entscheidungsprozesse nicht nur sinnvoll, sondern auch notwendig: Die Kommunen gehören wesentlich dazu. Aus der nunmehr zulässigen Fernbehandlung kann sogar eine neue effizientere Versorgungsebene, neben der ambulanten und der stationären Medizin werden. 

Neben Pilotprojekten zur Gründung von neuen Ärztegenossenschaften, die Jungärzte anstellen sollen, bis hin zu Unternehmerärzten die ihre Praxen mit zusätzlichen Ärzteanstellungen ausbauen und dabei auch Arztsitze für Filialen in der Fläche aufkaufen, ist manches erfolgreich auf den Weg gebracht. – Doch was ist mit den übrigen Gemeinden die „leer“ ausgehen? Denn maximal ein Drittel der hausärztlichen „Kapazitätsausfälle“ kann so aufgefangen werden. 

 

Sind die Arztsitze einmal weg oder fast weg, ist es längst zu spät. Die in den Kommunen Verantwortung Tragenden müssen selbst einen Zeitpunkt festsetzen und soweit es geht – einen ärztlichen Akteur, der mitmachen will, belastbar identifiziert haben. Die relevanten Kommunen haben nahezu alle weniger als 12.000 bis 15.000 Einwohner. Der jeweils zu betrachtende Versorgungs- beziehungsweise Einzugsbereich wird auch größer. Da Kommunen untereinander im Wettbwerb stehen, ist der Einstieg mittels einer Markterkundung/-analyse und der Aufbau eines Projektmanagements auf Zeit notwendig.  Dabei muss natürlich ein „pfiffiges“ Lösungskonzept die eigenen Stadt- oder Gemeinderäte ins Boot holen.

 

Ärztemangel stoppen mithilfe von MVZ, also medizinischen Versorgungszentren
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