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©Fotolia

Auf die Kernkompetenzen konzentrieren

von Christian Erhardt-Maciejewski
Chefredakteur | KOMMUNAL
8. April 2015
Welche Steuerungsmöglichkeiten haben Kommunen, auch wenn sie finanziell keine großen Sprünge machen können? Was kann Verwaltung aus der Wirtschaft lernen? KOMMUNAL auf der Suche nach Lösungsansätzen.

„Wir müssen vom Verwalten zum Gestalten kommen“. Das Zitat des Familienunternehmers Henning Borek sorgte bei einem Kongress der Bertelsmann-Stiftung vor wenigen Wochen in Berlin für viel Applaus auf Seiten zahlreicher Bürgermeister. Borek fasste mit dem Satz zusammen, was sich viele Verwaltungschefs in der Theorie wünschen. Doch wie soll das in der Praxis funktionieren? Borek machte den Bürgermeistern dazu einen konkreten Vorschlag: „Machen Sie Werbung dafür, warum sie Dinge so machen, wie sie sie machen“, fordert er. Eine Möglichkeit sei etwa eine jährliche Broschüre in der erklärt wird, was im kommenden Jahr geplant ist und wo gespart werden soll. „Informieren Sie so transparent und so einfach wie möglich, eine kleine Broschüre mit vier bis sechs Seiten in einfacher Sprache genügt völlig“, so Borek. Damit ist umrissen, wie Bürgerinformation als Vorstufe von Bürgerbeteiligung aussehen kann. Ein Konzept kann jedoch nur erfolgreich umgesetzt werden, wenn auch die Verwaltung und deren Mitarbeiter hinter den Plänen stehen. „Meine Mitarbeiter müssen zur Strategie meiner Stadt passen“, bringt es Marcel Philipp, der Oberbürgermeister von Aachen auf den Punkt. Dazu sei es nötig, ein System nicht von oben anzusetzen sondern die Mitarbeiter eng einzubinden und gemeinsame Ziele zu formulieren. „Die Verkürzung der Wartezeiten im Bürgeramt ist so ein konkretes Ziel. Ihre Mitarbeiter werden Ihnen Vorschläge machen, wie das erreicht werden kann. Setzen Sie die Vorschläge gemeinsam um und die Mitarbeiter werden das gemeinsame Ziel verfolgen“, so Philipp. Auf Kennzahlen zu setzen empfiehlt auch der Landrat von Osnabrück, Michael Lübbersmann. Sein Landkreis baut seit Jahren Altschulden ab. „Das funktioniert nur mit einer strategischen Ausrichtung. Weisen Sie Ihre Pflichtaufgaben und die freiwilligen Aufgaben jeweils einzeln aus und bewerten sie jede freiwillige Aufgabe“, so Lübbersmann. So entstehe ein Wertungskatalog, der das Wichtige vom Unwichtigen trennt und den Mitarbeitern klare Orientierung gebe. Ein solcher Wertungskatalog eröffne auch die Möglichkeit des Outsourcing, fügt der Oberbürgermeister von Leipzig, Burkhard Jung an. „Wenn Sie klare Ziele haben, können Sie einfacher entscheiden, welche Aufgaben zwangsläufig von den eigenen Mitarbeitern erledigt werden müssen, und was Fremdfirmen einfacher und effizienter lösen können“, so Jung. Der Unternehmer Henning Borek geht da noch einen Schritt weiter. „Die Verwaltungen in Deutschland müssen sich mehr Gedanken machen, was ihre wirklichen Kompetenzen sind“, so der Chef von rund 400 Mitarbeitern. Eine Gemeinde könne nicht alles tun, viele Aufgaben könne man auch einfach bleiben lassen oder eben an Fremdfirmen geben. „Das braucht aber Mut zu sagen, wofür man eben nicht verantwortlich ist“, so Borek.

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