Landtagswahl Rheinland-Pfalz 2026: Alle Infos, Termine und Prognosen
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Landespolitik

Landtagswahl in Rheinland-Pfalz: Entscheiden die Kommunalfinanzen den Wahlkampf?

Am 22. März 2026 entscheiden rund 3 Millionen Wahlberechtigte über die Zukunft von Rheinland-Pfalz – und damit auch über die Finanzlage der Kommunen. CDU und SPD liefern sich ein historisch knappes Rennen. Was das Wahlergebnis für Städte und Gemeinden bedeutet und welche Koalitionen möglich sind.

Rund 2,95 Millionen Wahlberechtigte sind am 22. März 2026 aufgerufen, einen neuen Landtag in Mainz zu wählen. Laut aktuellen Umfragen liegt die CDU mit Spitzenkandidat Gordon Schnieder knapp vor der regierenden SPD von Ministerpräsident Alexander Schweitzer – der Abstand für die Landtagswahl Rheinland-Pfalz beträgt gerade einmal einen Prozentpunkt.

Gordon Schnieder, 49, ist Jurist und seit 2016 CDU-Fraktionsvorsitzender im Mainzer Landtag. Der gebürtige Trierer gilt als bodenständiger Kommunalpolitiker und hat den Schuldenabbau bei Bund und Land zu seinem zentralen Wahlkampfthema gemacht.

Alexander Schweitzer, 51, übernahm das Amt des Ministerpräsidenten im Juli 2024 von Malu Dreyer und führt seitdem die Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP. Als Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz hat er die kommunale Schuldenfrage zuletzt auch auf Bundesebene prominent vertreten.

Ergebnis der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz

Die Wahl findet am Sonntag, 22. März statt. Erste Hochrechnungen werden ab 18 Uhr erwartet, wenn die Wahllokale schließen. So sahen die Ergebnisse bei der letzten Landtagswahl 2021 aus:

Partei Ergebnis 2021 (%)
SPD 35,7
CDU 27,7
Grüne 9,3
FDP 5,5
AfD 8,3
Sonstige 13,5


Bei der Landtagswahl 2021 erzielte die SPD unter Ministerpräsidentin Malu Dreyer mit 35,7 Prozent ihr damals bestes Ergebnis seit Jahren und bildete anschließend die Ampelkoalition mit Grünen und FDP. Die CDU kam auf 27,7 Prozent – ihr schlechtestes Ergebnis in Rheinland-Pfalz überhaupt.

Letzte Umfragen vor der Landtagswahl

Die jüngste Erhebung von Infratest dimap vom 12. März sieht die CDU bei 29 Prozent, die SPD bei 28 Prozent. Das ZDF-Politbarometer vom 13. März kommt auf ähnliche Werte: CDU 28, SPD 26 Prozent. Ein Ergebnis in dieser Größenordnung wäre für beide Parteien ein historisches Tief.

AfD verdoppelt ihr Ergebnis – FDP vor dem Aus

Die SPD droht rund 8 Prozentpunkte zu verlieren, die CDU liegt trotz leichter Zugewinne weit unter früheren Ergebnissen. Drittstärkste Kraft könnte laut allen aktuellen Umfragen die AfD mit Spitzenkandidat Jan Bollinger werden: 19 Prozent – mehr als doppelt so viel wie bei der Landtagswahl 2021 (8,3 Prozent). Bollinger, 38, ist Betriebswirt und seit 2021 Mitglied des Mainzer Landtags. Er profiliert sich vor allem mit Forderungen nach Kürzungen bei Sozialleistungen für Migrantinnen und Migranten und einer Ablehnung weiterer Windkraftprojekte.

Die Grünen mit Klimaschutzministerin Katrin Eder könnten auf 8 bis 9 Prozent kommen und würden damit ihr Ergebnis aus 2021 halten. Spannend wird es an der Fünf-Prozent-Hürde: Die FDP mit Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt liegt in allen Umfragen klar darunter und würde damit aus dem Landtag ausscheiden. Die Linke mit Spitzenkandidatin Rebecca Ruppert steht bei exakt 5 Prozent und könnte erstmals in den Mainzer Landtag einziehen. Die Freien Wähler mit Europaabgeordnetem Joachim Streit liegen bei 4,5 Prozent – knapp unterhalb der Hürde.

Kommunale Finanzkrise als zentrales Wahlkampfthema

Für kommunale Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger ist die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz von unmittelbarer Bedeutung. Einige der am stärksten verschuldeten Kommunen Deutschlands liegen in Rheinland-Pfalz. Ministerpräsident Schweitzer hat die Kommunalfinanzen zu einem seiner Leitthemen gemacht – auch in seiner Rolle als Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz.

Der Städtetag beziffert das Defizit der zwölf kreisfreien Städte in Rheinland-Pfalz für 2025 auf rund 400 Millionen Euro. Für 2026 wird ein Minus von 634 Millionen Euro erwartet. Markus Zwick, Oberbürgermeister der besonders verschuldeten Stadt Pirmasens, bewertet die Leistung der amtierenden Ampelkoalition in dieser Frage mit der Note „knapp ausreichend".

Welche Koalitionen sind nach der Wahl möglich?

Seit 35 Jahren regiert die SPD das strukturell konservative Rheinland-Pfalz – das könnte sich ändern. Die wahrscheinlichste Variante: eine große Koalition aus CDU und SPD, entweder unter SPD- oder CDU-Führung. Schweitzer hat bereits ausgeschlossen, als Minister in eine CDU-geführte Regierung einzutreten.

Die bisherige Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP hat nach dem Ampel-Aus im Bund und dem drohenden FDP-Ausscheiden keine realistische Fortsetzungsperspektive. Eine Koalition aus SPD, Grünen und Linken wäre rechnerisch knapp und wird von der SPD nicht angestrebt. Eine Regierungsbeteiligung der AfD schließen CDU und SPD aus.

Jeder vierte Wähler noch unentschieden

Besonders bemerkenswert: 15 Prozent der Wahlberechtigten haben sich laut Infratest dimap noch für keine Partei entschieden, weitere 12 Prozent könnten ihre Meinung bis Sonntag noch ändern. Nur 73 Prozent haben ihre Entscheidung bereits fest getroffen. Das macht Prognosen unsicher.

Zwölf Parteien treten zur Wahl an. Neben den bereits genannten kandidieren unter anderem Tierschutzpartei, Volt, ÖDP, BSW und die Partei der Humanisten (PdH). Vier Parteien, darunter die Werteunion, wurden vom Landeswahlausschuss nicht zugelassen.

Wahl-O-Mat hilft bei der Orientierung

Die Landeszentrale für politische Bildung stellt für die Landtagswahl einen Wahl-O-Mat bereit. Das kostenlose Online-Tool vergleicht die eigenen politischen Positionen mit denen aller zwölf zugelassenen Parteien. Grundlage sind 38 Thesen zu Themen wie Wirtschaft, Umwelt und Soziales – beantwortet mit „Stimme zu", „Stimme nicht zu" oder „Neutral". Besonders wichtige Themen lassen sich doppelt gewichten.

Das Tool richtet sich an alle Wahlberechtigten und ist besonders bei Erstwählern beliebt. Eine YouGov-Studie aus dem Jahr 2024 zeigt: Rund 30 Prozent der Nutzerinnen und Nutzer passen ihre Wahlpräferenz nach der Nutzung an – vor allem junge Wählerinnen und Wähler. Die LPB betont ausdrücklich, dass der Wahl-O-Mat keine Wahlempfehlung ausspricht, sondern ein reines Informationsangebot ist. Das Tool gibt es bereits seit 2002 und wird aus Steuergeldern finanziert.

Öffnungszeiten, Briefwahl, Ergebnisse

Am Wahltag, Sonntag, 22. März 2026, sind die Wahllokale in Rheinland-Pfalz von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Wählerinnen und Wähler können Briefwahlunterlagen noch bis spätestens Mittwoch, 18. März, abschicken – oder die Unterlagen direkt am Wahltag bis 18 Uhr persönlich im zuständigen Wahlbüro abgeben.

Erste Hochrechnungen werden unmittelbar nach Schließung der Wahllokale um 18 Uhr erwartet, vorläufige Endergebnisse in der Regel bis Mitternacht. Das amtliche Endergebnis stellt der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz in den Folgetagen fest.

Änderungen am Wahlrecht?

Das Wahlalter in Rheinland-Pfalz bleibt bei 18 Jahren – Versuche der Ampelkoalition, es auf 16 Jahre zu senken, scheiterten an der erforderlichen Zweidrittelmehrheit. Im benachbarten Baden-Württemberg durften Erstwähler ab 16 bereits am 8. März abstimmen.

Jede Wählerin und jeder Wähler hat zwei Stimmen: die Wahlkreisstimme (Direktkandidat) und die Landesstimme (Partei). 101 Sitze werden im Landtag vergeben, 52 davon über Direktmandate.

Kommunen brauchen verlässliche Landespolitik

Welche Koalition am Sonntagabend auch immer die Zahlen schreibt: Für die Kommunen in Rheinland-Pfalz steht das Ergebnis dieser Landtagswahl unter einem klaren Vorzeichen. Die Defizite der Kommunen wachsen, die Handlungsspielräume der Kämmereien werden enger. Eine neue Landesregierung wird sich schnell zur Frage positionieren müssen, wie sie die strukturelle Unterfinanzierung der Kommunen – über den Kommunalen Finanzausgleich und mögliche Entschuldungsprogramme – angehen will.

Kommunale Spitzenverbände sowie Bürgermeisterinnen und Bürgermeister sollten die Koalitionsverhandlungen aufmerksam verfolgen und frühzeitig Positionen einbringen. KOMMUNAL berichtet nach dem Wahltag über das Ergebnis und die Konsequenzen für Städte und Gemeinden.

FAQ: Häufige Fragen zur Landtagswahl Rheinland-Pfalz 2026

Wann ist die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz 2026?

Die Landtagswahl findet am Sonntag, 22. März 2026 statt. Die Wahllokale sind von 8 bis 18 Uhr geöffnet.

Wann kommen die ersten Ergebnisse?

Erste Hochrechnungen werden ab 18 Uhr erwartet, wenn die Wahllokale schließen. ARD und ZDF übertragen live. Ein vorläufiges Endergebnis liegt in der Regel noch am Wahlabend vor.

Wer liegt laut aktuellen Umfragen vorne? 

CDU und SPD liegen mit 28–29 bzw. 26–28 Prozent gleichauf (Stand: 13. März 2026). Der Abstand beträgt lediglich einen bis zwei Prozentpunkte – innerhalb der statistischen Fehlermargen.

Welche Koalitionen sind nach der Wahl möglich? 

Als wahrscheinlichste Variante gilt eine große Koalition aus CDU und SPD. Die bisherige Ampelkoalition hat aufgrund des drohenden FDP-Ausscheidens keine realistische Fortsetzungsperspektive. Eine Regierungsbeteiligung der AfD schließen CDU und SPD aus.

Was bedeutet die Landtagswahl für Kommunen in Rheinland-Pfalz?

Rheinland-Pfalz hat einige der am stärksten verschuldeten Kommunen Deutschlands. Das Defizit der zwölf kreisfreien Städte wird für 2026 auf 634 Millionen Euro geschätzt. Die neue Landesregierung wird sich zeitnah positionieren müssen, wie sie den Kommunalen Finanzausgleich und mögliche Entschuldungsprogramme gestalten will.

Bis wann müssen Briefwahlunterlagen abgegeben werden?

Briefwahlunterlagen sollten spätestens am Mittwoch, 18. März 2026 eingeworfen werden. Alternativ können sie am Wahltag bis 18 Uhr direkt im Wahlbüro abgegeben werden.

Was war das Ergebnis der Landtagswahl 2021 in Rheinland-Pfalz?

2021 gewann die SPD mit 35,7 Prozent und bildete eine Ampelkoalition mit Grünen (9,3 %) und FDP (5,5 %). Die CDU kam auf 27,7 Prozent, die AfD auf 8,3 Prozent.