In Frankfurt waren besonders viele Wahlplakate rund um die Kommunalwahlen zu sehen - gewählt wurde insgesamt in 421 Städten und Gemeinden - die Ergebnisse brachten zahlreiche Überraschungen
In Frankfurt waren besonders viele Wahlplakate rund um die Kommunalwahlen zu sehen - gewählt wurde insgesamt in 421 Städten und Gemeinden - die Ergebnisse brachten zahlreiche Überraschungen
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Gewinner, Verluste, Überraschungen

Kommunalwahl Hessen 2026: Ergebnisse aus Frankfurt, Wiesbaden, Kassel, Fulda und 421 Kommunen

Die Kommunalwahl 2026 in Hessen bringt deutliche Verschiebungen in Rathäusern, Kreistagen und Stadtverordnetenversammlungen. Mehr als vier Millionen Wahlberechtigte waren am 15. März aufgerufen, in 421 Städten und Gemeinden sowie den 21 Landkreisen neue kommunale Vertretungen zu wählen. Parallel fanden in zahlreichen Orten Bürgermeisterwahlen statt.

Das landesweite Trendergebnis zeigt bereits eine klare Richtung: Die CDU liegt mit 30 Prozent vorn, gefolgt von der SPD mit 20 Prozent und der AfD mit 16 Prozent - die Grüne Partei verliert auf 14 Prozent.  Die Wahlbeteiligung stieg auf 54,4 Prozent – vier Prozentpunkte mehr als bei der Kommunalwahl 2021.

Noch sind nicht alle Stimmen ausgezählt. Wegen des hessischen Wahlrechts mit Kumulieren und Panaschieren dauert die Auszählung deutlich länger als bei anderen Wahlen. Endgültige Ergebnisse werden vielerorts erst in den kommenden Wochen feststehen.

CDU stärkste Kraft – AfD gewinnt deutlich

Im landesweiten Vergleich bleibt die CDU klar stärkste politische Kraft in Hessens Kommunen. Trotz einzelner Verluste legt sie insgesamt sogar leicht zu und kommt auf ein Plus von 1,2 Prozentpunkten.

Die SPD behauptet sich vor allem in Nordhessen und Teilen Südhessens. Besonders starke Ergebnisse erreicht sie etwa in Spangenberg im Schwalm-Eder-Kreis, wo sie fast 50 Prozent der Stimmen erzielt.

Die AfD gehört zu den größten Gewinnern der Kommunalwahl. In vielen Kreisen und Städten verbessert sie sich deutlich und wird teilweise zweit- oder drittstärkste Kraft. In einigen Kommunen überholt sie sogar alle anderen Parteien – etwa in Büdingen und Erlensee im Main-Kinzig-Kreis.

Die Grünen verlieren in mehreren Städten und Regionen deutlich Stimmen. Besonders sichtbar wird das in urbanen Zentren wie Frankfurt, Kassel, Marburg oder Darmstadt, wo sie hinter andere Parteien zurückfallen.

Frankfurt, Wiesbaden, Kassel: Machtverschiebungen in großen Städten

In den großen Städten Hessens zeigen sich besonders interessante Verschiebungen.

In Frankfurt am Main liegt nach ersten Auszählungen die CDU vor den Grünen, die bei der Kommunalwahl 2021 noch stärkste Kraft geworden waren.

Auch in Wiesbaden liegt die CDU vorne. Spitzenkandidatin Daniela Georgi zeigte sich am Wahlabend zufrieden: Ziel sei gewesen, erneut stärkste Fraktion zu werden – und dieses Ziel habe die Partei erreicht.

In Kassel und Darmstadt gehören die Grünen zwar weiterhin zu den stärkeren Parteien, verlieren aber spürbar an Zustimmung.

In Marburg rutschen die Grünen nach ihrem Wahlsieg 2021 sogar hinter die CDU zurück. Dort erreichen die Christdemokraten 24,1 Prozent, während die Grünen deutlich verlieren und nur noch auf 18,5 Prozent kommen.

Enges Rennen in Gießen und vielen anderen Städten

Besonders spannend ist die Lage in Gießen. Dort liegen gleich mehrere Parteien dicht beieinander. Die CDU führt mit rund 21,6 Prozent, gefolgt von SPD (18,6 Prozent) und Grünen (17,8 Prozent). Dahinter folgen Linke (15,3 Prozent)und AfD (7,6 Prozent).

Auch in anderen Städten zeichnet sich ein sehr fragmentiertes Bild ab – etwa in Maintal, Groß-Gerau, Korbach, Bad Hersfeld, Friedrichsdorf oder Nidderau, wo mehrere Parteien oder lokale Wählergruppen ähnliche Ergebnisse erzielen.

Gerade auf kommunaler Ebene profitieren lokale Listen und Bürgerinitiativen häufig davon, dass Themen wie Wohnungsbau, Verkehrsplanung oder Kita-Plätze stärker im Mittelpunkt stehen als bundespolitische Debatten.

Fulda: CDU bleibt vorn – AfD stark

In Fulda bleibt die CDU trotz deutlicher Verluste stärkste Kraft. Mit 35,1 Prozent liegt sie weiterhin klar vorne. Die AfD legt massiv zu und erreicht 23,2 Prozent, während Grüne und SPD deutlich hinter CDU und AfD zurückfallen.

Auch im Landkreis Fulda zeigt sich ein ähnliches Bild: Die CDU führt deutlich, die AfD liegt auf Platz zwei.

Überraschungen und Kuriositäten in vielen Kommunen

Neben den großen Trends sorgten zahlreiche lokale Ereignisse für Aufmerksamkeit.

In Bad Nauheim lag die Wahlbeteiligung deutlich über dem Landesdurchschnitt. Auch in Eppstein, Grünberg und Nidderau gingen ungewöhnlich viele Bürger zur Wahl.

In mehreren Städten kam es dagegen zu organisatorischen Problemen bei der Auszählung. In Limburg, Bensheim und Dietzenbach mussten Wahlhelfer teilweise bis tief in die Nacht Stimmen zählen – die Stimmzettel waren wegen der vielen Kandidaten besonders lang.

In Friedrichsdorf gelang einer lokalen Wählergruppe ein überraschender Erfolg, wodurch die künftige Stadtverordnetenversammlung deutlich zersplittert sein dürfte.

Bürgermeisterwahlen: Amtsinhaber halten sich – Stichwahlen stehen bevor

Auch bei den Bürgermeisterwahlen zeigt sich ein gemischtes Bild.

In mehreren Städten und Gemeinden konnten sich Amtsinhaber im Amt behaupten. Beispiele dafür sind Baunatal, Melsungen, Eschwege, Büdingen, Bad Soden-Salmünster, Lorsch und Oestrich-Winkel.

In anderen Kommunen kommt es zu Wechseln an der Rathausspitze, etwa in Wächtersbach, Friedberg, Bad Wildungen oder Hungen.

Besonders spannend ist die Oberbürgermeisterwahl in Hanau. Dort verpasste Maximilian Bieri im ersten Wahlgang knapp die absolute Mehrheit und muss nun in einer Stichwahl gegen Isabelle Hemsley antreten.

Auch in Rüsselsheim, Gelnhausen und Hofheim am Taunus wird erst eine Stichwahl über die künftige Rathausspitze entscheiden.

Neue und bestätigte Bürgermeister in vielen Städten

Neben den großen Städten wurden auch in zahlreichen kleineren Kommunen neue Rathauschefs gewählt oder Amtsinhaber bestätigt. In Baunatal bleibt Bürgermeister Manfred Schaub im Amt. In Melsungen bestätigten die Wähler Markus Boucsein als Rathauschef. Auch in Eschwege wurde Bürgermeister Alexander Heppe erneut gewählt. In Büdingen bleibt Benjamin Harris Bürgermeister der Stadt.

In Bad Soden-Salmünster führt weiterhin Dominik Brasch das Rathaus, während in Lorsch Bürgermeister Christian Schönung im Amt bestätigt wurde. In Oestrich-Winkel bleibt Björn Sommer Stadtoberhaupt.

In anderen Städten kommt es zu personellen Wechseln. In Wächtersbach übernimmt künftig Andreas Weiher das Bürgermeisteramt. In Friedberg (Hessen) wird künftig Dirk Antkowiak an der Spitze der Stadtverwaltung stehen. Auch in Bad Wildungen entschieden sich die Wähler für einen Wechsel – dort wird künftig Ralf Gutheil das Rathaus führen.

Weitere Entscheidungen gab es in Hungen, wo Rainer Wengorsch das Bürgermeisteramt übernimmt, sowie in Nidderau, wo Andreas Bär weiterhin Bürgermeister bleibt. In Eppstein führt künftig Alexander Simon die Stadtverwaltung.

Auch in kleineren Kommunen wurden Amtsinhaber bestätigt: In Grünberg bleibt Marcel Schlosser Bürgermeister, in Korbach steht weiterhin Klaus Friedrich an der Spitze der Verwaltung. In Maintal führt Monika Böttcher weiterhin das Rathaus. In Groß-Gerau bleibt Erhard Walther Bürgermeister.

Weitere bestätigte oder neu gewählte Rathauschefs gibt es unter anderem in Bad Hersfeld, wo Anke Hofmann weiterhin Bürgermeisterin bleibt, sowie in Friedrichsdorf, wo Lars Keitel die Stadtverwaltung leitet.

Damit zeigt sich auch bei den Bürgermeisterwahlen ein typisches Muster der hessischen Kommunalpolitik: Viele Amtsinhaber bleiben im Amt, während in einigen Städten neue Gesichter in die Rathäuser einziehen. In mehreren Orten entscheiden allerdings noch Stichwahlen Ende März über die endgültige Besetzung der Bürgermeisterposten.

Einschränkungen in vielen Bürgerämtern

Die aufwendige Auszählung hat sogar Auswirkungen auf den Alltag vieler Bürger. In Städten von Kassel über Darmstadt bis Frankfurt bleiben Bürgerämter teilweise geschlossen oder arbeiten nur eingeschränkt, weil Verwaltungsmitarbeiter bei der Auszählung der Stimmen helfen müssen.

Teilweise gelten diese Einschränkungen noch bis Mitte der Woche nach der Wahl.

Kommunalwahl 2026: Stimmungstest für Hessen

Die Kommunalwahl gilt auch als wichtiger politischer Stimmungstest für Hessen. Sie zeigt, wie stark bundespolitische Trends auf kommunaler Ebene wirken – und wo lokale Themen dominieren.

Schon jetzt zeichnet sich ein klares Bild ab:

  • Die CDU bleibt landesweit stärkste Kraft.

  • Die AfD gewinnt deutlich an Zustimmung.

  • SPD bleibt regional stabil, besonders in Nordhessen.

  • Grüne verlieren in vielen Städten Stimmen.

  • Lokale Wählergruppen gewinnen an Bedeutung.

Damit bestätigt die Kommunalwahl erneut eine Erfahrung, die viele Bürgermeister und Kommunalpolitiker kennen: Vor Ort entscheiden vor allem konkrete Themen – Baugebiete, Schulen, Verkehr oder Verwaltung.

Genau dort wird auch künftig entschieden, wie Politik im Alltag der Bürger wirkt – in Städten wie Frankfurt, Wiesbaden, Kassel, Darmstadt, Marburg, Fulda, Hanau, Gießen und hunderten weiteren Kommunen in Hessen.

Blick nach Bayern: Kommunalwahl sorgt ebenfalls für Bewegung

Erst vor einer Woche blickte die Kommunalpolitik deutschlandweit nach Bayern. Dort fanden ebenfalls Kommunalwahlen statt – mit teilweise deutlichen Verschiebungen in Rathäusern, Kreistagen und Gemeinderäten. Traditionell bleibt die CSU vielerorts stärkste Kraft, verliert aber in einigen Städten an Zustimmung. Die Freien Wähler konnten in mehreren Regionen zulegen und festigten ihre Rolle als wichtige kommunale Kraft. Auch die Grünen und die SPD behaupteten sich in größeren Städten wie München, Nürnberg, Augsburg oder Regensburg, während in ländlichen Regionen häufig lokale Wählergruppen und parteiunabhängige Kandidaten erfolgreich waren. In zahlreichen Kommunen fiel die Entscheidung über die Rathausspitze nicht bereits im ersten Wahlgang: In mehreren Städten und Landkreisen kommt es nun zu Stichwahlen um Bürgermeister- und Landratsposten, bei denen häufig nur wenige Stimmen über den künftigen Amtsinhaber entscheiden. Auffällig ist auch in Bayern ein Trend, der sich zunehmend bundesweit zeigt: Kommunale Persönlichkeiten und lokale Themen – etwa Wohnungsbau, Verkehr, Infrastruktur oder Kinderbetreuung – prägen die Wahlentscheidungen stärker als große bundespolitische Debatten. Viele Ergebnisse stehen auch dort erst nach aufwendiger Auszählung endgültig fest.

Superwahljahr 2026: Viele weitere Entscheidungen stehen noch an

Die Kommunalwahl in Hessen ist zugleich Teil eines politischen Superwahljahres 2026, in dem zahlreiche weitere Wahlen stattfinden. Bereits eine Woche zuvor hatten die Landtagswahlen in Baden-Württemberg für Bewegung im politischen Kräftefeld gesorgt. Zusammen mit den Kommunalwahlen in Bayern gilt die Abstimmung in Hessen deshalb als zweiter großer Stimmungstest des Jahres.

Und der Wahlkalender bleibt dicht. In Rheinland-Pfalz steht bereits die nächste wichtige Entscheidung an: Am 22. März wählen die Bürger dort einen neuen Landtag. Umfragen sehen die bisher regierende Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP  am Ende.  Besonders die SPD verliert an Zustimmung, während die FDP in Umfragen kaum noch messbar ist und aus dem nächsten Landtag und somit der vorletzten Landesregierung fliegen dürfte. 

Im September folgen gleich mehrere weitere politische Großereignisse. Am 6. September wird ein weiterer Landtag neu gewählt – in Sachsen-Anhalt. Dort steht die bisherige Deutschland-Koalition aus CDU, SPD und FDP vor dem Aus. Umfragen sehen die AfD mit rund 40 Prozent deutlich vorne, während CDU, SPD und FDP teils massive Verluste befürchten müssen. Die FDP ist dort nach Umfragen sicher draußen, der SPD droht ebenfalls ein Scheitern an der Fünf-Prozent-Hürde. 

Nur eine Woche später, am 13. September, finden in Niedersachsen landesweite Kommunalwahlen statt. Gewählt werden dort die Stadt- und Gemeinderäte, Kreistage sowie die Regionsversammlung der Region Hannover. Gleichzeitig entscheiden viele Kommunen auch direkt über Oberbürgermeister, Bürgermeister und Landräte, deren Amtszeiten auslaufen.

Ende September folgen schließlich weitere wichtige Entscheidungen: Berlin wählt ein neues Abgeordnetenhaus, parallel finden Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern statt. Damit wird 2026 zu einem Jahr mit ungewöhnlich vielen Wahlterminen – und zu einem politischen Stimmungsbarometer weit über die einzelnen Kommunen hinaus.