Mehrere Bürgermeister fehlen
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Wie die Kommunen darauf reagieren

Bürgermeister? Nö, nicht vorhanden!

In mehreren Gemeinden fehlen Bürgermeister. Wie kommt es dazu und wie reagieren die betroffenen Kommunen darauf? Ein Kurzüberblick!

Neun Monate nach der letzten Kommunalwahl fehlen Bürgermeister in Rheinland-Pfalz – und das in 25 Ortsgemeinden!

Dass nicht genügend Bürgermeisterposten besetzt sind, ist soweit kein neues Problem. Auch bei früheren Wahlen blieben immer wieder Bürgermeisterposten unbesetzt. Doch: Laut Landesamt waren in den letzten Jahren viel weniger Gemeinden betroffen, nämlich weniger als zehn und nicht über 20.

Wieso fehlen Bürgermeister?

Auf der einen Seite ist das Bürgermeisteramt höchst attraktiv Denn die kommunalpolitische Ebene ist so nah an den Menschen und ihren Anliegen wie keine andere Ebene. Hier erleben Bürgermeister eine sofortige Wirkung ihres Tuns, wodurch das Amt für viele sehr erfüllend ist.

Doch auf der anderen Seite bringt das Amt auch Dinge mit, die unattraktiv sind. Denn Bürgermeister stehen immer in der Öffentlichkeit, müssen viele Termine wahrnehmen und werden oftmals auch für ihre Entscheidungen oder ihr Verhalten kritisiert. Feststeht: Bürgermeister haben keine leichte Arbeit.

Das Amt ist sehr zeitintensiv und in kleineren Gemeinden wird es vor allem als Ehrenamt ausgeführt. Doch die umfangreichen Aufgaben lassen sich oftmals nicht mit dem Wunsch nach einer guten Work-Life Balance vereinbaren. Hinzukommt, dass die ganze Bürokratie, die mit der Arbeit einhergeht, viele potenzielle Bürgermeisterkandidaten abschreckt.

Auch die mangelnden Gestaltungsmöglichkeiten machen das Amt nicht gerade attraktiv: "Es bleibt zu oft neben der Erfüllung der Pflichtaufgaben nicht mehr viel Geld für Dinge übrig, die Spaß machen", erklärt Agneta Psczolla vom rheinland-pfälzischen Städte und Gemeindebund.

Doch warum scheiden Bürgermeister eigentlich aus ihrem Amt? Der meistgenannte Grund dafür ist, das steigende Alter. Zudem wollen fünf Prozent der ausscheidenden Bürgermeister nicht erneut für das Amt kandidieren, weil sie Anfeindungen und Bedrohungen ausgesetzt sind, wie eine aktuelle Umfrage des Magazins KOMMUNAL zeigt. Und auch die Art, wie Diskussionen im Alltag geführt werden, ist für neun Prozent der Bürgermeister Grund genug, nicht erneut zu kandidieren.

Die Umfrage zeigt, dass bereits neun Prozent der rund 11.000 Bürgermeister schon Gewalt am eigenen Leib erfahren mussten. Selbst in kleinen Gemeinden liegt der Anteil bei acht Prozent.

Doch: Was passiert mit einer Gemeinde, wenn ein Bürgermeister fehlt?

In so einem Fall kommt die Kommunalaufsicht ins Spiel. Sie bestellt einen Beauftragten, der sich um die Geschäfte kümmert. Oftmals handelt es sich dabei um einen Verbandsbürgermeister.

In Dichtelbach im Rhein-Hunsrück-Kreis wollte der Bürgermeister Martin Huhn sein Amt niederlegen, doch es trat kein anderer Kandidat bei der Wahl an. Also musste eine Lösung her: Huhn machte zwar geschäftsführend weiter, er hat die Aufgaben allerdings auf drei Beigeordnete verteilt. Mit dieser Entscheidung ist Dichtelbach nicht allein. Immer mehr Kommunen versuchen in so einem Fall, die Arbeit auf mehrere Schultern zu verteilen.

In anderen Kommunen, wie etwa Emmerzhausen, hat sich beispielsweise ein Rentner ins Amt wählen lassen. Solche Kandidaten besitzen zwar oft keine kommunalpolitische Vorerfahrung, aber sie springen dennoch aus Überzeugung ein.