Alexander Ahrens ist Oberbürgermeister von Bautzen

Bautzen: Warum Rassismus ein Problem ist

Die Stadt von Oberbürgermeister Alexander Ahrens ist in vielerlei Hinsicht bundesweit Spitze. Die Geburtenrate ist hoch wie nie, die Arbeitslosenquote für ostdeutsche Verhältnisse niedrig und trotzdem erreichte auch die rechtsnationale AfD hier Spitzenwerte, wie kaum in einem anderen Ort. KOMMUNAL auf Ursachenforschung in Bautzen.

  Wenn Oberbürgermeister Alexander Ahrens von den statistischen Daten seiner Stadt spricht, schlackern manchem Amtskollegen die Ohren. Eine Arbeitslosenquote von 6,9 Prozent, eine Geburtenrate von 2,2 – besser geht es kaum noch. Doch zur Bundestagswahl Ende September ist ein anderer Wert hinzugekommen, der die Stadt Bautzen schlagartig bekannt machte: Mit 32,2 Prozent der Zweitstimmen wurde die rechtsnationale AfD stärkste Kraft in der ostsächsischen Kreisstadt.     „Ich war nicht so wahnsinnig überrascht“, sagt Ahrens, der seit 2015 in Bautzen Oberbürgermeister ist. Ursprünglich hatte er sich nur in einer Bürgerinitiative engagiert. Dann wurde er gefragt, ob er für SPD und Linke antreten wolle. Und seit diesem Jahr ist er auch Mitglied in der SPD – Ahrens trat ein, um ein Zeichen für die Parteiendemokratie zu setzen. „Mich stört wahnsinnig, wie sehr hier im Land auf der Parteiendemokratie herumgehackt wird.“ Denn wenn er Deutschland mit anderen Ländern der Europäischen Union vergleiche, müsse er feststellen: „So viel kann hier in den letzten Jahrzehnten eigentlich nicht falsch gelaufen sein.“ Das gelte besonders auch für Bautzen. „Wir sind ein Wirtschaftsmotor der Region, eine schuldenfreie Stadt mit Rücklagen.“ In der Stadt herrsche nahezu Vollbeschäftigung: Es gebe 700 Arbeitsplätze pro 1000 Einwohner, das sei ein deutscher Spitzenwert. Dass trotzdem fast ein Drittel der Bautzener Wahlberechtigten mit ihrer Zweitstimme die AfD wählten, war für Ahrens absehbar. Bei den Bundestagswahlen habe er „25 plus X Prozent“ für die AfD in Sachsen erwartet, und noch mehr für Bautzen. „Trotzdem sehe ich das relativ entspannt, weil ich mir sicher bin, dass die Menschen, die die AfD gewählt haben, keine schlechten Menschen sind.“  

 Die Menschen in Bautzen haben Angst...

Aus seiner Sicht hätten die Menschen vor allem Verlustängste. Man habe sich nach 1990 unter einem hohen Aufwand einem Systemwechsel unterzogen. „Oft war ein hoher Preis zu zahlen – man hat Ungerechtigkeiten erlebt, Familien wurden zerrissen, weil Kinder abwanderten.“ Die Menschen hätten sich damit abgefunden, aber es seien Schrammen und Spuren zurückgeblieben. Und das so mühevoll Erreichte wolle man nun nicht einfach aufgeben. Die ganze Reportage in unserer aktuellen Ausgabe im Magazin - hier gehts zum kostenfreien Probeabo! „Auch wenn es in der Realitiät zu sehen war, dass die Flüchtlingsbewegung für niemanden Einschränkungen gebracht hat, ist die Sorge davor doch relativ groß.“ Zwar sei es aus humanitären Gründen richtig gewesen, 2015 die Grenzen zu öffnen. „Aber man hätte es anders organisieren müssen“, sagt Ahrens. „Ich kann als Staat nicht einfach eines meiner wichtigsten Rechtsgüter aufgeben und einfach auf Kontrollen verzichten – insbesondere dann nicht, wenn jeder Mensch, der hier lebt, sich jeden Tag an 150 bis 300 Vorschriften halten muss.“ Damals sei die Willkommenskultur in Bautzen zu einer Minderheitenposition geworden. Die Bereitschaft, Leuten aus Kriegsgebieten zu helfen, habe massiv gelitten. „Wenn man einen faktischen Fehler und die Ängste der Leute kombiniert, entsteht eine Mischung, die in der Tat problematisch ist, und die es für viele Menschen plausibel macht, aus Protest eine Partei zu wählen, deren Funktionäre man als Nazis bezeichnen kann.“    Aber wie will der Bürgermeister künftig mit der Situation umgehen? Lesen Sie im nächstem Heft wie es weitergeht...

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