Schatz beim Rasenmähen entdeckt
Das möchte der Bannewitzer Bürgermeister mit einem Goldfund tun
Der Anruf kam an einem Vormittag. „Es war ein ganz normaler Arbeitstag“, erinnert sich Heiko Wersig, der Bürgermeister der am Dresdener Stadtrand gelegenen Gemeinde Bannewitz. Bis sich ein Mitarbeiter des Klärwerks meldete. Er hatte an einem Regenwasserrückhaltebecken Mäharbeiten mit der Motorsense durchgeführt. Und plötzlich glänzte da etwas im Gras: Acht kleine Goldbarren von je einer Unze, also etwa 30 Gramm, reinem Gold lagen da. „Da war hier im Rathaus natürlich erst einmal Aufregung, denn wirklich glauben konnte das keiner“, sagt Wersig. „Ich habe unser Ordnungsamt losgeschickt, um nachzusehen.“ Das taten die Mitarbeiter und fanden sogar noch zwei weitere Goldbarren: „Am Ende hatten wir zehn Stück“, sagt Wersig.
Polizei ermittelt Eigentümer der Goldbarren
Wie die Goldbarren in den Dresdener Vorort kamen? „Das ermittelt jetzt die Polizei“, sagt Wersig. Möglicherweise habe jemand das Gold verloren. Oder es sei die versteckte Beute eines Diebstahls gewesen. Im Moment jedenfalls lagert der Goldschatz in der Asservatenkammer der sächsischen Polizei in Dresden, gut geschützt verwahrt. „Wir gehen hier streng nach dem Fundrecht vor“, sagt Wersig. Die Polizei habe jetzt ein halbes Jahr Zeit, um einen Eigentümer zu finden. Sollte das nicht gelingen, gehen die Goldbarren in das Eigentum der Gemeinde über. „Natürlich werden wir uns bei dem Mitarbeiter, der die Goldbarren gefunden hat, erkenntlich zeigen – aber es war auf einem Grundstück der Gemeinde und während der Arbeitszeit“, sagt Wersig. Deswegen gehe er davon aus, dass das Gold am Ende in der Bannewitzer Kasse landen werde. „Und dann wollen wir es für die mehr als 50 Vereine hier im Ort einsetzen.“
Vereine als gesellschaftliches Gold der Gemeinde
Die Vereine sind das „gesellschaftliche Gold“ von Bannewitz: In der 11.000-Einwohner-Gemeinde sind sie die wichtigste Grundlage für das Miteinander der Menschen, zeigt sich der Bürgermeister überzeugt. „Wenn wir diese Vereine nicht hätten, wären unsere Sozialausgaben um ein Vielfaches höher“, sagt Wersig. Denn die Vereine sorgten dafür, dass Kinder und Jugendliche eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung hätten, „und nicht irgendwo herumlungern oder irgendwelche schlimmeren Dinge machen“, wie er es formuliert. Besonders am Herzen liegt ihm die Feuerwehr. Der Bürgermeister ist selbst ehrenamtlicher Brandinspektor. Nach einer Verwaltungslehre war er im Landkreis mehrere Jahre für die Beantragung von Fördermitteln für die Feuerwehren zuständig, bevor er Hauptamtsleiter und danach Bürgermeister von Bannewitz wurde.
Bürgermeister Wersig als aktiver Feuerwehrmann
Wersig ist in der Feuerwehr aktiv: Ehrenamtlich war er mehrere Jahre lang Wehrleiter in Bannewitz. Und auch heute noch liegt der Pieper auf dem Schreibtisch. „Wir haben ja die Situation, dass viele unserer Einwohner tagsüber in Dresden arbeiten“, sagt Wersig. Wenn es dann tagsüber einen Alarm gebe, seien nur wenige Feuerwehrleute vor Ort. Deswegen muss immer wieder auch der Bürgermeister ran: „Bei einer Ölspur oder einem umgestürzten Baum rücke ich nicht aus, aber wenn es etwas Größeres ist, lasse ich das Rathaus Rathaus sein, und bin wieder Feuerwehrmann“, sagt der Bürgermeister.
Er hat die Qualifikation des Maschinisten. Das bedeutet: Er darf das Feuerwehrauto fahren. „Wenn die Schlüsselposition des Maschinisten nicht besetzt ist, sprich, der Fahrer fehlt, dann kann das Auto voll sein mit Feuerwehrleuten, aber es wird nicht ausrücken.“ Deshalb ist er froh darüber, dass es in seiner Gemeinde eine rege Nachwuchsarbeit bei der Feuerwehr gibt. Seit über 30 Jahren hat Bennewitz eine eigene Jugendfeuerwehr. Und die örtliche Schule bietet Feuerwehrunterricht als Wahlpflichtfach an: „Die Jugendlichen erwerben dort den Truppmann 1, und können dann – natürlich unter Beachtung des Jugendschutzes – zu Einsätzen mitfahren“, sagt Wersig. „So haben wir nicht nur eine engagierte junge Feuerwehrfrau gewonnen, sondern auch ihren Vater – und der arbeitet im Hauptberuf bei der Dresdener Berufsfeuerwehr.“

Wirtschaftliche Entwicklung in Bannewitz
Im Alltag setzt der Bannewitzer Bürgermeister auf Unternehmensansiedlungen. Stolz zeigt er eine im Bau befindliche Halle, die als Sortierzentrum des Paketdienstleisters DHL den ganzen Süden von Dresden mitversorgen soll. Auf einem ehemaligen Supermarktparkplatz entsteht ein Wohnmobilstellplatz mit einer Stromversorgung und einem Sanitärgebäude für Dresden-Besucher. „Die Gäste können von diesem Parkplatz aus über die ganze Dresdner Innenstadt blicken“, sagt Wersig und zeigt auf die große Stadt, deren Skyline hinter einigen Bäumen zu erkennen ist. „Uns geht es darum, die Einnahmen zu steigern“, sagt Wersig. Denn bislang lebt die Gemeinde vor allem von der Einkommenssteuer zahlreicher Bürger, die eine gut dotierte Stelle in der Landeshauptstadt innehaben und zum Wohnen an den Stadtrand gezogen sind. Größter Arbeitgeber in Bannewitz ist ein Kompressorenbau-Unternehmen, das über 220 Arbeitsplätze verfügt und nun expandieren will. Insgesamt profitiere Bannewitz aber davon, dass die Landeshauptstadt Dresden kaum noch über Freiflächen für neue Wohnbebauung oder Gewerbegebiete verfügt. „Bei uns dagegen ist noch Platz“, sagt Wersig. Und der soll in den nächsten Jahren möglichst gut und einnahmeträchtig genutzt werden. Denn auf weitere zufällige Goldfunde will sich der Bannewitzer Bürgermeister lieber nicht verlassen. Und mal schauen, ob der Goldschatz tatsächlich in den Besitz der Gemeinde kommt.


