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  1. Praxis
  2. Ärztemangel
  3. Bayern führt die Landarztquote ein
Fünf Prozent der Medizinstudienplätze sollen an Bewerber vergeben werden, die sich dazu verpflichten nach dem Studium nicht in einem Ballungsraum zu arbeiten

Bayern führt die Landarztquote ein

5. April 2017
Seit Jahren wird sie diskutiert: die Landarztquote. Zum Medizinstudium sollen bevorzugt Bewerber zugelassen werden, die sich dazu verpflichten nach dem Studium mehrere Jahre auf dem Land zu arbeiten. Nun will Bayern die Quote als erstes Bundesland einführen und offensiv gegen den vorherrschenden Ärztemangel vorgehen.

Die Menschen, die auf dem Land leben, kennen das Dilemma. Wer akut zum Arzt muss, weiß erst mal nicht wohin. Die nächste Praxis ist entweder weit entfernt oder überfüllt. Der Ärztemangel in Deutschlands ländlichen Regionen ist seit Jahren ein Problem. Obwohl die Zahlen der Ärzte in den letzten Jahren gestiegen ist, ist gleichzeitig die Lebenserwartung und damit der Bedarf an medizinischer Versorgung gestiegen.

Laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung soll es in einigen Jahren zu einer dramatischen ärztlichen Unterversorgung in den ländlichen Räumen kommen. 50.000 niedergelassene Ärzte sollen in den Ruhestand gehen. Die Hausärzte, die auf dem Land arbeiten, finden selten einen Nachfolger. Denn die Nachwuchsmediziner zieht es eher in die Metropolen als aufs Land.

Junge Ärzte legen mehr Wert auf eine gute Work-Life Balance: Sie wollen nicht mehr so viele Überstunden machen wie ihre Chefs

Bayern prescht vor

Bundesweit versucht die Politik mit finanziellen Anreizen wie Stipendien-Programmen mehr Ärzte aufs Land zu locken. In Bayern geht man nun einen Schritt weiter.

Bis zu fünf Prozent der Medizinstudienplätze sollen über die Landarztquote in Zukunft an Bewerber vergeben werden, die sich dazu verpflichten, nach dem Studium in den Regionen zu arbeiten, die abseits von Ballungszentren liegen. Also medizinisch unterversorgt sind oder es in Zukunft sein werden. Die sogenannte Landarztquote soll Bewerbern, die bereit sind auf dem Land zu arbeiten, den Zugang zum Medizinstudium vereinfachen, auch ohne Einser-Abi.

Die Landarztquote wurde seit Jahren diskutiert. Doch nun haben sich Bund und Länder geeinigt: Sie soll kommen. Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) erklärte, Bayern sei bei den Vorbereitungen dafür weiter als andere Bundesländer und werde die Landarztquote als erstes Bundesland einführen.

Heftige Kritik an der Landarztquote

Während die Pläne vom Hausärzteverband gelobt werden, kritisiert die Bundesvertretung der Medizinstudierenden den Vorstoß. Der Verband sieht die Landarztquote als „unverhältnismäßige Einschränkung der beruflichen Wahlmöglichkeiten.“ Ärzte, die sich schon im Vorhinein dazu verpflichten, den Studienschwerpunkt auf Allgemeinmedizin zu legen, können ihn nicht noch einmal während des Studiums ändern und so in ihrer Lebensplanung eingeschränkt werden. Kritiker fordern stattdessen einen anderen Ansatz: die Arbeitsbedingungen auf dem Land so zu verbessern, dass sich die Ärzte nicht nach wenigen Jahren wieder vom Land zurückziehen.

Wird die Verpflichtung gebrochen, soll eine Geldstrafe von bis zu 150.000 Euro drohen. Das kann, so die Kritiker, die Kinder von wohlhabenden Eltern nicht davon abhalten, sich nach dem Studium aus ihrer Verpflichtung „herauskaufen“ zu können. Außerdem sollen diejenigen, die keinen Studienplatz erhalten haben, mit der Landarztquote neue Einfallstore finden, um sich auf einen Studienplatz einzuklagen.

Auch hier hat Bayern die Nase vorn

Neben der Einführung von der Landarztquote soll das Medizinstudium in Zukunft auch stärker auf Allgemeinmedizin fokussiert werden. Damit soll das Interesse beim Nachwuchs für diesen Bereich gestärkt werden. Denn Hausärzte, so der Tenor, sind unverzichtbar für die medizinische Versorgung.

Auf die von der Ärzteschaft verlangte Steigerung von 1000 zusätzlichen Medizinstudienplätzen konnten sich die Gesundheits- und Wissenschaftsminister aus Kostengründen nicht einigen. Was Bayern nicht davon abhält, selbst ein Viertel der 1000 Plätze zu stemmen: An der Universität Augsburg sollen ab dem Wintersemester 2019/20 bis zu 250 weitere Studienplätze angeboten werden.

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  • Ländlicher Raum Ärztemangel

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