Ärztemangel auf dem land stoppen!
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Den Ärztemangel auf dem Land stoppen!

Mi, 16.01.2019

Unsere Gastautorin erklärt, wieso sich so wenig angehende Mediziner für eine eigene Praxis entscheiden – und wie Kommunen effektiv dagegen wirken können

Die Entwicklung der hausärztlichen Versorgung im ländlichen Bereich ist mit großer Sorge zu betrachten. Zwar treffen Städte, Gemeinden und Kommunen im Rahmen der Daseinsvorsorge sowie aus hoher Eigenmotivation zusätzliche Maßnahmen zur Gewinnung und nachhaltigen Ansiedlung von Hausärzten, doch die Präventivmaßnahmen müssen neu überdacht werden. Denn selbst Fördermittel oder die Landarztquote wirken nur bedingt.

Auch wenn ein Teil der Studienplätze an Bewerber vergeben wird, die sich verpflichten, als Allgemeinmediziner aufs Land zu gehen, wird zunächst die Zahl der Studierenden steigen. Doch werden die Mediziner auf Dauer motiviert bleiben? Wir brauchen gut funktionierende Strukturen in der Versorgung – JETZT.  Die Studienbeginner von heute können sich erst ca. 2030 als fertige Allgemeinmediziner niederlassen – und wie sind dann die Bedarfe in den heute als brisant geltenden Regionen? So müssen angehende Mediziner davon zu überzeugt werden, dass sich eine Niederlassung gerade heute lohnt und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie auch dank gemeinschaftlicher Arbeitsformen realisierbar ist.  Aber auch davon, dass die Umsetzung innovativer Versorgungsstrukturen durchaus eine zukunftsweisende Weiterentwicklung der medizinischen Versorgung im Rahmen der Daseinsvorsorge ist.

 

Ärztemangel: Lassen Sie uns aufräumen mit den Vorurteilen!

 

Dennoch muss an dieser Stelle mit einem Vorurteil aufgeräumt werden: mehr Mediziner vor Ort bedeuten nicht automatisch viel Gesundheit. Der Ärztemangel kann in Zukunft teilweise durch intelligente Angebote sowie die Telemedizin abgemildert werden. Dennoch sollte die Wiedergewinnung der Mediziner, die aus England aufgrund des Brexits zurück nach Deutschland wollen und bedingt auch medizinische Kollegen aus dem sonstigen Ausland eine große Rolle spielen. Gleichzeitig können natürlich weitere Anreize für eine Niederlassung geschaffen werden, zum Beispiel durch verschiedene Gestaltungsformen und die Bildung von Gemeinschaftspraxen.

 

Ärztemangel: Das kann die Kommunalpolitik tun!

 

Doch auch die Kommunalpolitik kann einiges tun. Es braucht einen Dialog zwischen Bürgermeistern, Praxisinhabern, potenziellen Nachfolgern und Rückkehrern über Themen wie Öffentlichkeitsarbeit, Werbemaßnahmen, Schaffung von räumlichen und technischen Möglichkeiten. Denn mit diesen Maßnahmen lassen sich auch in Zukunft Mediziner für das Arzt sein gewinnen und begeistern. Allerdings empfindet die Masse der Mediziner keine Leidenschaft für das Unternehmertum - insofern gilt es hier umzudenken, den Arzt behandeln zu lassen, alles andere intern und extern weitestgehend zu delegieren und substituieren, um Arzt und Team massiv zu entlasten. Wegen des enormen Bürokratieaufwandes und Ängsten vor Regressen und sonstigen Sanktionen bei parallel einhergehender Überforderung und Kosten- und Effizienzdruck zeigt sich die Nachfrage stetig geringer. Maßnahmen wie beispielsweise Fördermittel oder Umsatzgarantien führen allerdings nur zu mäßigem Erfolg. Wenn allerdings betriebswirtschaftliche Aufgaben ausgelagert werden, ist das Ergebnis für die Mediziner persönlicher und wirtschaftlicher Erfolg. Die Behandlungsqualität erfährt einen Quantensprung in Quantität und Qualität, das lange Warten auf Termine reduziert sich auch für die gesetzlich Versicherten massiv. Zeitgemäße Konzepte ermöglichen Teilhabe am gemeinsamen Leben in der Kommune, was auch den vielen einsamen Menschen entgegenkommt. Wieder eine Aufgabe zu haben, gebraucht zu werden, wirkt Wunder und entlastet die Mediziner und Teams, da oft keine Behandlung mehr angesagt ist. Die Strukturierung des Unternehmens Arztpraxis ist aus heutiger Sicht unabdingbar - um mit Erfolg zu bestehen und auch um persönlich und wirtschaftlich erfolgreich zu sein und hervorragende Versorgung anzubieten als Mediziner selbst und seitens engagierter Bürgermeister und Landräte, die aktiv pro Versorgung agieren und beispielsweise Gemeinschaftspraxen gründen. Das Praxismanagement kann von professionellen, am Markt etablierten Dienstleistern übernommen werden. So kann der Arbeitsalltag von Ärzten enorm vereinfacht werden. Denn dadurch entsteht deutlich mehr Zeit – Zeit für die Behandlung der Patienten. Deshalb wird dieser Ansatz auch von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung begrüßt. Somit steigt die Motivation zum Arzt aein und für Bürgermeister und Landräte verändert sich die Situation ebenfalls positiv. Denn die Versorgung vor Ort wird besser. Die Auslagerung von betriebswirtschaftlichen Aufgaben ist aus meiner Sicht deshalb ein wirksamer Beitrag gegen den Ärztemangel.

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