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@Kommunal

Die Bürger App für alle Fälle

von Christian Erhardt-Maciejewski
Chefredakteur | KOMMUNAL
13. November 2014
Meckern per Mausklick – neue Smartphone Apps sollen das möglich machen. 
Ein Anbieter versucht mit einem 3- Tage-Versprechen“ die Herzen der Bürger zu erobern.

In der Bahnunterführung steht meterhoch das Unkraut, dass selbst Fußgänger schon auf die Straße wechseln müssen, um nicht durch das Gestrüpp zu laufen. Die Schule hat begonnen und dort laufen auch viele Kinder entlang.“ Diese Zeilen hat Andrea Horatscheck Ende August an ihre zuständige Verwaltung in Hohen Neuendorf geschickt. Nicht per Brief oder Mail, sondern über eine Smartphone-App mit dem Namen „Maerker Brandenburg“. Das kleine Handy-Programm gibt es kostenlos auf den Downloadportalen der Smartphone- Anbieter. Wer es öffnet, klickt auf seine Stadt oder Gemeinde und kann Probleme, Missstände oder Anregungen direkt an seine zuständige Verwaltung schicken – auf Wunsch mit Bild und vor allem völlig anonym. Der Eintrag erscheint dann öffentlich auf dem Portal und die Gemeinde muss sich dann verpflichten, auf jeden Eintrag innerhalb von drei Tagen zu reagieren. Im App Dschungel gibt es viele Anbieter Eine Idee, die auch anderswo in Deutschland schon praktiziert wird. So gibt es etwa den „Sachsen-Anhalt-Melder“, den unter anderem die Stadt Genthin nutzt, oder auch zahlreiche Online-Formulare von Kommunen, wie etwa in Neuss. In seiner Arbeitsweise ähnlich und bundesweit verfügbar ist auch die Seite buergermeldungen.com. Hier beteiligen sich bisher jedoch eher wenige Gemeinden. Sowohl an Unternehmen, als auch an Gemeinden richtet sich das Angebot von Tellembox.de. Hier kommuniziert der Nutzer nicht direkt mit seiner zuständigen Gemeinde, sondern die Information wird von dem Anbieter an die jeweilige Kommune weitergeleitet. Besonders im Vergleich mit den zahlreichen anderen Anbietern sei jedoch das „3-Tage-Verspre- chen“ von Märker Brandenburg, erläutert Ortwin Böckmann. Er ist beim zentralen IT-Dienstleister ZIT-BB in Potsdam für die Seiten verantwortlich. „Alle Gemeinden die sich beteiligen, müssen sich schriftlich verpflichten, die Mängel innerhalb von drei Tagen abzustellen", so Böckmann. Eine weitere Besonderheit: Jeder kann mitlesen, welchen Status eine „Beschwerde“ aktuell hat. Das ist bei vielen anderen Plattformen ebenfalls nicht der Fall. Die Zahl der „Wiederholungstäter“ ist groß Mehr als 27.000 Hinweise haben die Kommunen bisher über die Seite bekommen. Andrea Horatschek ist bereits Wiederholungstäterin. „Anfang des Jahres suchte ich im Internet nach einer Weihnachtsbaumabholung. Alle Bäume der Nachbarn waren abgeholt worden, nur meiner nicht. So stieß ich per Zufall auf Maerker Brandenburg“, erinnert sie sich. Nach der Meldung auf dem Portal sei der Baum innerhalb von zwei Tagen entsorgt worden. „Und nach meinem Hinweis über Unkraut am Fußgängerweg rollte das Grünflächenamt sogar innerhalb von 24 Stunden an“, so Horatschek. Die Reaktionen sind gemischt  In den Gemeinden in Brandenburg ist die Reaktion auf die App gespalten. Zufrieden zeigt sich der Bürgermeister von Glienicke/Nordbahn, Hans-Günter Oberlack: „Jetzt sehe ich quasi live, ob die Probleme von meiner Verwaltung behoben wurden.“

Der Bürgermeister von Glienicke/Nordbahn in Oberhavel, Hans-Günter Oberlack @KOMMUNAL

Seine Gemeinde gehörte 2012 zu den Ersten, die das „3-Tage-Versprechen“ unterschrieben haben. Er gibt aber auch zu, dass die Verwaltung noch unzureichend auf die digitalen Möglichkeiten eingerichtet ist: „Hier läuft vieles noch analog.“ Der Bürgermeister wünscht sich deshalb einen engeren Dialog mit den Machern der App, um die technischen Möglichkeiten besser abzustimmen. Zurückhaltender dagegen äußert sich zum Beispiel die Verwaltung der Stadt Hohen Neuendorf. Stadtsprecherin Ariane Fäscher: „Ein dreiviertel Jahr nach dem Start hat sich diese Art der Kommunikation in der Stadt noch nicht durchgesetzt.“ Nur etwa jeder sechste Hinweis über Missstände in der Stadt komme bisher über das System. „Die Leute bevorzugen weiterhin Telefon und E-Mail“, so Fäscher. Vor allem am Wochenende ein Renner  So gibt auch App-Nutzerin Andrea Horatschek aus Hohen Neuendorf unumwunden zu: „Mit meinem Hinweis wäre ich nie direkt zum Amt gegangen. Es hätte mir einfach zu lange gedauert, bis ich dort die zuständigen Mitarbeiter gefunden hätte. Dazu kommen dann noch die schlechten Öffnungszeiten der Verwaltung.“ Eine Beobachtung, die auch andere Kommunen machen: „Es ist eindeutig so, dass die meisten Hinweise über die App bei uns am Wochenende eingehen“, weiß etwa Anja Schulz, die zuständige Verwaltungsmitarbeiterin der Stadt Rathenow, zu berichten. Und mancher Bürger möchte auch bewusst den direkten Kontakt vermeiden. Die App dagegen ist anonym. Und immer mehr Bürger sehen dies als Vorteil dieser Variante, können so wenigstens ein bisschen mitregieren und die Verwaltung zum Handeln bringen. Grüne Ampeln sind offenbar ein Ansporn Von den aktuell im App-System aufgelisteten 13.000 Meldungen stehen bei weit mehr als der Hälfte die Ampeln auf Grün. Das Ampelsignal zeigt öffentlich den Status der Bearbeitung an. Sobald die Verwaltung eine Meldung bearbeitet, springt die Ampel von Rot auf Gelb, ist der Fall dann erledigt, zeigt sie schließlich grünes Licht. Die bisherigen Erfahrungen zeigen dabei auch, dass diese App mit dem Ampelsystem für viele Kommunen offenbar Ansporn ist, ihre Servicefreundlichkeit unter Beweis zu stellen. Zu zeigen, dass ihre Verwaltung auf Zack ist. „Viele bemühen sich, so schnell wie möglich zu reagieren“, weiß Ortwin Böckmann vom zentralen IT-Dienstleister ZIT-BB aus der Praxis zu berichten. Was dann manchmal auch nette Stilblüten treibe: „Gerade hatte ein Bürger einen toten Marder auf der Straße gemeldet. Das Problem wurde angegangen, erledigt, die Ampel-App sprang auf Grün – und keine drei Stunden später reagierte die Verwaltung mit dem Hinweis, der Marder sei beerdigt worden“, schmunzelt Böckmann.

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