Frauen
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Arbeitswelt

Die Zukunft gehört den Frauen!

Weltweit werden nur 15 von 193 Ländern von einer Frau regiert. Mit mehr Frauen in öffentlichen Spitzenfunktionen wäre das Leben mit Corona ein anderes: lebenswerter, familienfreundlicher und solidarischer. Der F-Effekt wird auch die Kommunen verändern, meint Zukunftsforscher Daniel Dettling.

Das Corona-Virus trifft in den meisten Ländern vor allem Männer. Zwei von drei Corona-Toten sind männlichen Geschlechts. Nicht nur Alter und Vorerkrankungen erhöhen das Risiko, an dem Virus zu erkranken oder zu sterben. Es ist auch das Geschlecht, sagen Immunologen. Hormone und das X-Chromosom machen den Unterschied.

Dass nicht noch mehr Männer an Corona sterben, liegt aber nicht an den Hormonen, sondern an den Frauen.  Am besten kommen bislang jene Länder durch die Coronakrise, die von Frauen regiert werden. Dänemark (Mette Frederiksen), Island (Katrin Jakobsdottir), Finnland (Sanna Marin), Neuseeland (Jacinda Ardern), Norwegen (Erna Solberg), Taiwan (Tsai Ing-wen) und Deutschland (Angela Merkel) haben im internationalen Vergleich die niedrigsten Infektionsraten und weniger Todesfälle.

Im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen reagierten die Frauen schneller

Es waren die Regierungschefinnen, die schneller und konsequenter auf den Ausbruch der Pandemie reagierten. Als erstes Oberhaupt verkündete die 40-jährige neuseeländische Premierministerin den Sieg über das Virus. Wochenlang mussten die Neuseeländer eine der weltweit härtesten Ausgangssperren überstehen. Das Durchhaltevermögen hat sich gelohnt: Nur 22 Menschen starben bislang in dem fünf Millionen-Land. Auch in Stil und Sprache heben sich die Frauen ab.

Wo sich der französische Präsident Emmanuel Macron als Feldherr im „Krieg“ gegen Corona inszenierte, sich Donald Trump als Amerikas höchster Arzt aufführt und der russische Präsident Wladimir Putin abgetaucht ist, kommunizieren die regierenden Frauen naturwissenschaftlich nüchtern, hören auf den Rat der Wissenschaftler und mahnen zur Vorsicht. In den USA und in Russland sind die Umfragewerte der Präsidenten in der Pandemie drastisch gesunken.  

Nur 20 Prozent der kommunalen Spitzenämter sind mit Frauen besetzt

Frauen sind auf Bundes- und Landesebene in Deutschland systemrelevant, auf kommunaler Ebene jedoch weitgehend irrelevant. Kommunale Spitzenämter, von der Bürgermeisterin bis hin zur Top-Managerin in öffentlichen Unternehmen, sind unterrepräsentiert. Eine Studie der Zeppelin-Universität kommt auf einen Frauenanteil von weniger als 20 Prozent. Ausnahme sind die kommunalen Unternehmen, die in der Corona-Pandemie von Bedeutung sind. In Krankenhäusern und den Gesundheitsämtern ist der Frauenanteil dort in den Topetagen mit am höchsten.

Städte wie Offenbach und Rostock mit einem Frauenanteil von 56 beziehungsweise 37 Prozent gehören zu den Ausnahmen. Einer Untersuchung des Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung zufolge ist nur jedes zehnte politische Spitzenamt in den Rathäusern kreisfreier Städte und in den Landratsämtern mit einer Frau besetzt. Nach 100 Jahren Frauenwahlrecht werden hierzulande weniger als zehn Prozent der Kommunen von einer Frau geführt. Nahezu eingebrochen ist der Anteil bei den Oberbürgermeisterinnen von gut 18 Prozent im Jahr 2007 auf acht Prozent zuletzt. Ohne größere Fortschritte bei der Gleichstellung der Geschlechter auf kommunaler Ebene wird der Anteil von Frauen auf Landes- und Bundesebene kaum größer. Politische Karrieren beginnen in der Regel in den Kommunen.

In anderen Ländern ist der Frauenanteil größer

Andere Länder sind längst weiter. So gehören Island und Dänemark auch auf kommunaler Ebene zu den Spitzenreitern bei der Gleichstellung der Geschlechter. Der Frauenanteil in Dänemark liegt auf kommunaler Ebene bei einem Drittel, in Finnland sind es landesweit sogar mehr als 60 Prozent. Auch deshalb öffneten sie bereits nach wenigen Wochen Lockdown ihre Kitas und Schulen. In der Arbeitswelt gehören insbesondere die nordischen Länder zu den Trendsettern in Fragen der Parität.

Nicht Effizienz wird zum wichtigsten Wert in der Post Corona-Arbeitswelt, sondern Resilienz. Gemeint ist die Fähigkeit, in wechselnden und ändernden Situationen flexibel und robust reagieren zu können. Gefragt sind Kulturtechniken wie emotionale Intelligenz, Kommunikations-Intelligenz und Netzwerk-Intelligenz. Vor Corona hat das World Economic Forum ausgerechnet, dass sich der Gender-Gap erst in 99 Jahren schließen wird, wenn alles so bleibt, wie es ist. Corona wird diesen Zeitraum radikal verkürzen. Corona wird in der Geschlechterfrage zum Game Changer, auch in den Kommunen. Spätestens in 30 Jahren gibt es genauso viele Frauen wie Männer in öffentlichen Spitzenämtern. Wetten?

Daniel Dettling ist Zukunftsforscher und leitet das von ihm gegründete Institut für Zukunftspolitik.

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