Digitallotsen erleichtern den Weg zum E-Government
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Digitallotsen: Ein Steuermann für jedes Rathaus

Mi, 20.02.2019

Mindestens 1100 Lotsen soll es schon bald in Baden-Württemberg geben. Digitallotsen. Und das flächendeckend in jeder Kommune. Wie das klappen und was das bringen soll, erklären die Macher hinter dem Projekt, Ilona Benz und Franz-Reinhard Habbel im KOMMUNAL-Gastbeitrag.

Text: Ilona Benz und Franz-Reinhard Habbel

 

Digitalisierung ist eine wichtige Aufgabe auch der Gemeinden, Städte und Landkreise. Um die damit verbundenen Chancen zur Gestaltung der Zukunft zu nutzen, bedarf es qualifizierter Mitarbeiter. Ihre Kenntnisse und Fähigkeiten, digitale Prozesse aufzusetzen, neue Services für Bürger und Wirtschaft zu entwickeln, Menschen mit neuen Instrumenten der Kommunikation zu Beteiligten zu machen, sind entscheidend. In Baden-Württemberg haben Gemeindetag, Städtetag und Landkreistag unter dem Dach der Digitalisierungsstrategie des Landes digital@bw dies frühzeitig erkannt und das Qualifizierungsprogramm „Kommunale Digitallotsen“ ins Leben gerufen.

Klassische Verwaltungsmitarbeitende brauchen Digitallotsen

Die Erkenntnis, dass sich neben der Privatwirtschaft auch die öffentliche Hand digital transformieren muss steht außer Zweifel.  Auf  Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene ist man sich einig: Behörden müssen ihren Bürgern im 21. Jahrhundert digitale Verwaltungsleistungen 24/7 anbieten können, Kommunen sollen mithilfe digitaler Werkzeuge zur Reduzierung der Verkehrsbelastung und Verbesserung der Luftqualität beitragen, Schulen müssen mit digitalen Lehr- und Lernmitteln ausgestattet werden, Sensorik soll zu einer effizienteren Nutzung und Unterhaltung kommunaler Infrastruktur beitragen oder freie Parkplätze melden, die Kitaplatzvergabe soll per digitaler Platzzuweisung endlich elternfreundlicher werden und überhaupt muss jeder Kommune schnellstmöglich das Attribut „Smartness“ tragen. Über das was so alles getan werden muss, wird viel und oft gesprochen. Dass hinter jeder Umsetzung eines der genannten Projekte aber einzelne Menschen stehen, wird zumeist außer Acht gelassen. Die Vertreter der „Wir müssen – wir brauchen – wir wollen“–Bewegung ignorieren ebenfalls konsequent die Tatsache, dass der klassische Verwaltungsmitarbeitende kein digitalaffiner 20-jähriger Startuper mit Erfahrungen in der Kreativ- und Technikbranche und Zertifikat in „agilem Projektmanagement mit Scrum“ ist.

Die Kommunalverbände und das Land Baden-Württemberg haben schnell erkannt, dass es zur erfolgreichen Digitalisierung in den Kommunen nicht ausreicht, ausschließlich Finanzmittel und externe Expertise bereitzustellen. Um eine nachhaltige Entwicklung anzustoßen, braucht es vor allem in der Verwaltung selbst die erforderlichen Digitalisierungskompetenzen. Es braucht motivierte Mitarbeiter, die Digitalisierung als Chance und Gestaltungsaufgabe begreifen. Deshalb hat die Landesregierung im Rahmen der Digitalisierungsstrategie digital@bw eine Digitalakademie@bw ins Leben gerufen. Unter dem Dach dieser Digitalakademie@bw sollen Mitarbeitende in der Landes- und der Kommunalverwaltung qualifiziert, für das digitale Zeitalter fit gemacht und ein Wissenstransfer angestoßen werden. Neben den Kommunalen Landesverbänden sind die Führungsakademie Baden-Württemberg, die kommunale IT-Dienstleisterin ITEOS sowie das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO und das Institut für Arbeitswissenschaft und Technologiemanagement IAT der Universität Stuttgart an der Digitalakademie@bw beteiligt. 

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In Kooperation mit der Verwaltungsschule des Gemeindetags und den Verwaltungs- und Wirtschaftsakademien wird das Qualifizierungsprogramm „Kommunaler Digitallotse“ seit November 2018 in Form einer dreitägigen Seminarreihe an verschiedenen Standorten in ganz Baden-Württemberg angeboten. Inhalte der als Grundlehrgang konzipierten Seminarreihe sind insbesondere Change-Management-Methoden, Potentiale von Open Data, Umsetzung von E-Government, Einsatz von E-Partizipation, Status quo der Digitalisierung in Baden-Württemberg, Unterstützungsangebote für Kommunen sowie agile Projektmanagementmethoden. Es geht dabei nicht nur um die Vermittlung des zur erfolgreichen Umsetzung digitaler Projekte in der Kommune erforderlichen Wissens und die Ausstattung mit einem Methoden-Werkzeugkoffer. Von entscheidender Bedeutung ist darüber hinaus, den Verwaltungsmitarbeitenden die Chancen der Digitalisierung für ihre Kommune aufzuzeigen und Begeisterung für den digitalen Wandel zu wecken. Die Kommunalen Digitallotsen sollen einerseits kompetente Ansprechpartner für privatwirtschaftliche Projektpartner und Startups sein. Andererseits sollen die Lotsen als Multiplikatoren Impulse innerhalb der Verwaltung setzen, ihre Kollegen auf dem Weg der Digitalisierung mitnehmen und den Boden für Veränderung bereiten. In jeder der 1.101 Kommunen in Baden-Württemberg soll mindestens ein Lotse qualifiziert werden. Die Nachfrage nach dem Programm ist sehr hoch und derzeit ungebrochen.

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