Digitalpakt Schule
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Empfehlungen für die Umsetzung

Digitalpakt Schule – Von Unsicherheit bis Zuversicht

Im Grunde sind sich alle einig: Der Digitalpakt Schule ist eine gute Sache. Endlich wird wieder in die Schulen investiert. Zudem sind Bund, Länder und Kommunen dazu aufgefordert, im Bereich Schule zusammenzuarbeiten. Dennoch scheint die Digitalisierung der Schulen kaum Fortschritte zu machen. Woran liegt das und was lässt sich dagegen tun? KOMMUNAL hat den Hauptvorstand der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Ansgar Klinger und Dr. Ilka Hoffmann befragt und einen Schulleiter aus Bayern interviewt.

Die Gelder aus dem Digitalpakt Schule werden nur langsam abgerufen, weil Schulträger befürchten, dass sie auf den Kosten sitzen bleiben. Das verrät ein Schulleiter aus Bayern, der lieber anonym bleiben möchte, gegenüber KOMMUNAL. So sollen in mehreren Kommunen aufgrund fehlerhafter Formalitäten nur ein Bruchteil der Anschaffung gefördert worden sein. Über solche Vorkommnisse hinaus, davon ist er überzeugt, begünstigt die bestehende „Misstrauenskette“ aus Bund und Ländern Befürchtungen, dass einem das auch passieren könnte. Der Schulleiter wünscht sich daher mehr Vertrauen in die Schulleitungen und Träger: „Ich weiß schon, was ich als Maximalförderung von Land und Bund bekommen würde. Die Zahlen wurden mir ja genannt. Wenn man davon ausgeht, dass ich sinnvolle Dinge für meine Schule kaufen will, dann sollte man die Kontrolle doch besser dem Schulaufwandsträger überlassen. Wenn mein Schulaufwandsträger das quasi mit mir ausgemacht hat, erschließt sich mir der Grund nicht, warum das vom Bund nochmal geprüft werden muss.“

Es gibt zu wenig Möglichkeiten, Neues auszuprobieren

Hinzu kommt, dass es im Bereich der Digitalisierung von Schulen noch zu wenig Erfahrungswerte gebe. „Erfahrung brauchen sie aber, um zum Beispiel entscheiden zu können, in welches Produkt sie investieren wollen“, so der Schulleiter. „Allerdings sind die Antragsformalitäten für mich eher bürokratische Monster, die schon eher davon abhalten, Dinge auszuprobieren“, fährt er fort. In seinem Fall ist es besonders kompliziert: Obwohl seine Schule bereits gute Erfahrungen mit den Tablets eines bestimmten Herstellers gemacht hat, ist unklar, wie genau er Gelder für den Nachkauf dieser Marke beantragen kann. Schließlich müsste er die gewünschten Tablets nach dem Vergaberecht produktneutral ausschreiben. Wie soll er das machen? Auch hier besteht die Sorge, dass die Anschaffung aufgrund fehlerhafter Formalitäten am Ende nicht vollständig gefördert wird.

Falls Beraterfirmen auf den Plan treten, bedeutet das zusätzliche Kosten

 „Man kann nicht erwarten, dass Schulleiter auch noch IT-Experten sind“, ärgert sich der Schulleiter. Weder er noch sein Systemadministrator an der Schule wollen sich den Schuh anziehen, die volle Verantwortung für den Aufbau der digitalen Infrastruktur an der eigenen Schule zu übernehmen. Obwohl die Kommune ihn unterstütze, wo sie nur könne, kommen die IT-Stellen an ihre Grenzen. Der Schulleiter befürchtet, dass daher bald Beraterfirmen auf den Plan treten werden, womit eine Erhöhung der Planungskosten einhergehen würde.

Die GEW versteht die Unsicherheit, ist aber auch zuversichtlich

Die GEW zeigt sich trotz der herrschenden Unsicherheit zuversichtlich. Gemessen an den Schwierigkeiten, die es für gewöhnlich im Bildungsföderalismus gebe, ist seit der unterzeichneten Rahmenvereinbarung bis zur Veröffentlichung der letzten Förderrichtlinie ein vergleichsweise kurzer Zeitraum vergangen. Die Annahme des Digitalpakts, davon geht die GEW aus, wird bald stattfinden. Der schleichende Abruf dürfe keinesfalls als Desinteresse fehlinterpretiert werden. Ganz im Gegenteil sei längerfristig sogar eine Verstetigung und Ausweitung des Digitalpakts notwendig.

Für die Umsetzung vom Digitalpakt Schule braucht Geduld

Den Problemen zum Trotz brauche es aber erstmal Erfahrungen sowohl in Bezug auf die Förderformalitäten als auch bei der Entwicklung von Konzepten an den Schulen. Während andere Vergabeverfahren bereits auf Erfahrungswerte aufbauen, ist dies im Bereich Digitalpakt Schule schlichtweg noch nicht der Fall.  Die GEW empfiehlt, dass die Schulträger mehr Zuversicht statt Hektik bei den Schulleitungen verbreiten. „Die Antragsstellung sollte so gestaltet werden, dass nicht das Windhundprinzip gilt, sondern dass alle Schulen erfasst werden und dass auch nicht die Schnelligkeit der Antrageinreichung, sondern die Begründetheit und die Genauigkeit der Konzepte relevant sind für die Umsetzung.“

Es empfiehlt sich einen Runden Tisch zu machen

Die GEW empfiehlt einen Runden Tisch zu organisieren, um den Erfahrungsaustausch zwischen Schulen und Trägern beim Digitalpakt Schule zu fördern: „Es ist gut die Schulen über positive Erfahrungen in den Austausch zu bringen. Es gibt Schulen, die das wollen.“ Dem Mangel an Anlaufstellen und dem Gefühl des Alleingelassenseins, könnte so entgegengewirkt werden. „Uns ist aber wichtig, dass das unter dem Primat der Pädagogik passiert.“ Damit ist gemeint, dass die Technik der Pädagogik dienen muss und nicht umgekehrt. So wird verhindert, dass der Einsatz von Technik zu einer weiteren Belastung des Lehrpersonals führt. Kommunen, die einen Runden Tisch organisieren, helfen ihren Schulen dabei, aus Fehlern zu lernen, gemeinsam zu planen – und so letztendlich dem Digitalpakt zum Erfolg zu verhelfen.

Die Kommunen sollen Verantwortung einfordern

Die GEW rät Kommunen, ihre Forderungen bei Bund und Ländern stärker zu vertreten. Als Beispiel benennt sie die dringend benötigten IT-Stellen, um die neuen Systeme zu administrieren und zu pflegen. „Da sind Bund und Länder auch in die Pflicht zu nehmen, um das an den Schulen umzusetzen, was für den Digitalpakt erforderlich ist.“