E-Scooter liegen überall herum.
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Die E-Scooter vieler Verleiher liegen überall achtlos herum.

E-Scooter: Paris kämpft gegen Probleme

Am Freitag stimmt der Bundesrat final über E-Scooter ab. Zur gleichen Zeit werden die Regelungen in anderen Ländern strenger. Viele Unfälle und herumliegende Leihroller sind besonders in Großstädten zum Problem geworden.

E-Scooter könnten eine Lücke in der städtischen Mobilität füllen. Wo der Weg zu den öffentlichen Verkehrsmitteln zu weit ist, kann der E-Scooter etwa Abhilfe schaffen. Deshalb ist auch der langatmige Entscheidungsprozess über die Zulassung der E-Scooter auf viel Kritik gestoßen. Zu groß ist das Potential des neuen Verkehrsmittels, um seine Einführung so zu verzögern, hieß es von den Kritikern. In Ländern, in denen die Elektroroller deutlich schneller im Straßenverkehr zugelassen wurden, wie etwa in den USA, Frankreich und Spanien hat es dafür in den letzten Jahren viele Probleme gegeben und die Regelungen mussten in den letzten Monaten deutlich enger gefasst werden.

Geschwindigkeitsdrossel für E-Scooter

So etwa in Frankreich. Seit etwa einem Jahr sind die E-Scooter von zehn verschiedenen Verleihen in der französischen Hauptstadt zu finden. Etwa 15.000 Exemplare stehen in der Stadt zur Nutzung bereit. Damit ist Paris derzeit einer der größten Märkte für E-Scooter weltweit. Doch auch die Probleme ließen hier nicht lange auf sich warten. Schon im ersten Jahr war es zu hunderten Unfällen gekommen. Neben dem Sicherheitsrisiko stören die Scooter zudem den Alltag in der Stadt. Gehwege, Einfahrten und enge Gassen sind durch achtlos abgestellte Leihroller verstellt, kaputte Scooter liegen in Parks in der Wiese oder schwimmen in der Seine und immer wieder kommt es zu Unfällen zwischen E-Scooter-Fahrern und Passanten, teils auch zu Unfällen mit Pkw. Schon Anfang des Monats wurden die E-Scooter deshalb in ganz Frankreich von den Bürgersteigen verbannt. Wer heute noch auf einem französischen Gehweg mit einem Scooter fährt, riskiert eine Geldbuße in Höhe von 135 Euro. Ab Herbst soll zusätzlich die Höchstgeschwindigkeit der E-Roller auf 25 Stundenkilometer reduziert werden.

"Charta für gutes Fahren"

Und jetzt hat auch die Stadt Paris nachgelegt: Ein Verhaltenskodex für Verleihfirmen soll dem Wildparken und den kaputten E-Scootern im Straßenbild ein Ende bereiten. Die Verleihfirmen mussten sich dazu verpflichten das Wildparken ihrer Kunden zu unterbinden, ihre kaputten Scooter schnellstmöglich zu recyclen und stärker auf grünen Strom zu setzen. Die Stadt stellt im Gegenzug 2.500 Stellplätze zur Verfügung. Werden E-Scooter-Fahrer beim Wildparken erwischt, werden 35 Euro Strafe fällig. Wird ein Leihroller wild geparkt aufgefunden, muss die jeweilige Verleihfirma die Strafe zahlen. Sollte die "Charta für gutes Fahren" nicht den Erfolg haben, den sich die Stadt verspricht, müssten die E-Scooter zumindest vorübergehend verboten werden, droht Verkehrsministerin Élisabeth Borne.

Hunderte Unfälle in Madrid, Wien und Tel Aviv

Auch in vielen anderen Ländern ist es bereits zu Problemen gekommen. In Madrid waren die E-Scooter etwa nach einem tödlichen Unfall vorübergehend verboten. Insgesamt fahren etwa 9.000 Elektroroller von Leihfirmen über die Madrider Straßen. Mittlerweile sind sie auf Fußwegen tabu und dürfen in Parks nicht schneller als fünf Stundenkilometer schnell fahren. Erlaubt sind sie auf Fahrradwegen, Busspuren und auf Pkw-Spuren in Dreißigerzonen. In Wien gibt es derzeit etwa 6.000 E-Scooter von Verleihern. Das Fahren ist kaum reglementiert. Auch auf Gehwegen ist es erlaubt. Alleine im ersten Quartal 2019 kam es allerdings schon zu 200 Unfällen. Daher werden zum 1. Juli strengere Regeln eingeführt. Die E-Scooter sind dann auf Gehwegen verboten und unterliegen einem Tempolimit von 25 Stundenkilometern. In Italien sollen die Kommunen in Zukunft selbst entscheiden dürfen auf welchen Straßen E-Scooter zugelassen sind und auf welchen nicht. Zudem gilt in Fußgängerzonen ein Tempolimit von sechs Stundenkilometern, auf allen anderen Straßen liegt die Höchstgeschwindigkeit bei 20 Stundenkilometern. Nachts und bei Regen ist es verboten mit einem Elektroroller zu fahren. Zu besonders vielen schweren Unfällen mit E-Scootern und E-Fahrrädern kam es in Israel. 2018 waren 19 Todesopfer zu beklagen, in diesem Jahr bisher fünf. Anfang dieses Jahres wurde das E-Scooter-Fahren für Kinder unter 16 Jahren deshalb verboten. Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahren müssen erst einen Fahrsicherheitskurs machen, bevor sie mit einem E-Scooter im Straßenverkehr fahren dürfen. Und auch hier wurde eine Höchstgeschwindigkeit von 25 Stundenkilometern festgesetzt.

Entscheidung im Bundesrat

In Deutschland kommen die E-Scooter nun deutlich später auf die Straße, dafür ist mit weniger Sicherheitsrisiken zu rechnen. Der ursprüngliche Plan des Bundesverkehrsministeriums E-Scooter mit maximal zwölf Stundenkilometern auf dem Gehweg zuzulassen, wurde auf Kritik aus den Ländern hin gekippt. Auf Fahrradwege, oder, wo kein Fahrradweg vorhanden, auf der Straße, wird das Tempolimit bei maximal 20 Stundenkilometern liegen. Eine Helmpflicht wird es nicht geben, wohl aber eine Versicherungspflicht.

Dem Geschäft mit Elektrorollern wird von Experten ein großes Potential für Verkäufer und Verleiher ausgerechnet. Die Nachfrage ist enorm hoch. Derzeit ist das Geschäft allerdings noch nicht lukrativ. Speziell, weil die Roller schnell kaputtgehen.

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