Wind- und Solarenergie Einschränkungen durch Wirtschaftsministerin Reiche
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Erneuerbare Energien

Landkreise vor neuen Hürden bei Wind und Solar

Rund 90 Landkreise könnten nach den Plänen von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche künftig als kapazitätslimitiert gelten. Dort würde der Ausbau von Wind- und Solaranlagen riskanter, weil Betreiber mögliche Ausfälle selbst tragen müssten. Eine Analyse zeigt, wie weitreichend die Folgen sein könnten – und warum die Branche Alarm schlägt, während die Politik auf Entlastung der Stromnetze setzt.

Die geplanten Änderungen der Energiewende durch Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche könnten für viele Regionen in Deutschland spürbare Folgen haben. Im Mittelpunkt steht dabei eine Zahl, die derzeit für Diskussion sorgt: Rund 90 Landkreise könnten künftig als sogenannte kapazitätslimitierte Gebiete gelten. In diesen Regionen würde der Ausbau von Wind- und Solaranlagen deutlich an Attraktivität verlieren.

Pläne des Wirtschaftsministeriums mit Folgen für Windkraft und Solar

Die Zahl geht auf eine Analyse eines Beratungsunternehmens im Auftrag eines Stromversorgers zurück. Dafür wurden verfügbare Netzdaten aus 224 Landkreisen ausgewertet, also etwa zwei Drittel Deutschlands. Gleichzeitig ist die Datengrundlage nicht vollständig, weil für viele der rund 850 Netzgebiete keine einheitlichen oder vollständigen Informationen vorliegen. Die 90 betroffenen Landkreise sind deshalb keine feste Größe, sondern eine Schätzung, die zeigt, in welcher Größenordnung sich die Auswirkungen bewegen könnten.

Betroffen wären vor allem Regionen, die heute eine zentrale Rolle bei der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien spielen. Dazu zählen norddeutsche Gebiete mit viel Windkraft ebenso wie Teile Süddeutschlands mit hoher Solarleistung. Gerade dort kommt es bereits heute häufiger zu Engpässen, weil mehr Strom produziert wird, als die Netze aufnehmen oder weiterleiten können. 

Ausbau soll sich an Netzinfrastruktur orientieren

Künftig sollen Betreiber neuer Anlagen in solchen Regionen das wirtschaftliche Risiko selbst tragen, wenn ihre Anlagen wegen überlasteter Netze nicht einspeisen können, so der Vorschlag. Bisher werden sie in solchen Fällen entschädigt, die Kosten dafür werden auf alle Stromkunden umgelegt und liegen bei rund drei Milliarden Euro pro Jahr. Die Bundesregierung will erreichen, dass sich der Ausbau stärker an der vorhandenen Netzinfrastruktur orientiert und nicht allein an besonders guten Standorten für Wind oder Sonne.

Neue Risiken für Windkraft-Unternehmen

In der Praxis trifft das vor allem Regionen, die bislang als Rückgrat der Energiewende gelten. Aus Sicht vieler Projektentwickler und Unternehmen aus der Windkraftbranche entsteht dadurch ein neues Risiko. Wenn Einnahmen nicht mehr verlässlich kalkulierbar sind, kann das Investitionsentscheidungen beeinflussen. Projekte könnten verschoben oder gar nicht erst umgesetzt werden, obwohl die Standorte aus Sicht der Stromerzeugung besonders geeignet wären.

Ausbau soll besser gesteuert werden

Auf der anderen Seite steht das Ziel, die steigenden Kosten für Eingriffe ins Stromnetz zu begrenzen und den Ausbau besser zu steuern. Der bisherige Mechanismus führt dazu, dass auch dort weitergebaut wird, wo die Netze bereits stark ausgelastet sind. Die geplanten Änderungen sollen laut Bundeswirtschaftsministeriums dazu beitragen, diese Entwicklung zu bremsen und den Ausbau stärker in Regionen zu lenken, in denen die Netze mehr Kapazität haben. Die Debatte macht einen grundlegenden Zielkonflikt sichtbar. Einerseits geht es darum, den Ausbau erneuerbarer Energien effizienter und systemverträglicher zu gestalten. Andererseits besteht die Sorge, dass ausgerechnet in wichtigen Ausbaugebieten Investitionen ausgebremst werden. 

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