Ranking 2026
Gewinnerregionen: Wie Erfolg zustande kommt
Der Landkreis München ist weiterhin wirtschaftlich am erfolgreichsten in Deutschland, auch andere bayerische Regionen dominieren erneut das aktuelle Erfolgsranking des Instituts für Wirtschaft (IW). Das ist keine Überraschung. Seit 2016 lässt das IW ein Regionalranking für die 400 Landkreise und kreisfreien Städte in Deutschland erstellen. Gemessen wird aber nicht nur, wie wirtschaftlich erfolgreich die Regionen sind.
Cottbus entwickelt sich bundesweit wirtschaftlich am stärksten
Das sogenannte Dynamik-Ranking zeigt, welche Regionen sich besonders dynamisch entwickeln. Dabei landeten das brandenburgische Cottbus und die Stadt Neumünster in Schleswig-Holstein bundesweit auf Platz 1. Im zehnjährigen Ländervergleich beim wirtschaftlichen Erfolg gewinnt Brandenburg am meisten, gefolgt vom Saarland, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein. Die Umbrüche in der Industrie machen vielen Regionen zu schaffen: Baden-Württemberg hingegen ist die größte Verliererin vor Thüringen.
Wie wird eine Region wirtschaftlich erfolgreich?
Statt eines bundesweit übertragbaren „Masterplans“ zeigt sich vielmehr ein gemeinsames Muster. "Erfolgreiche Regionen entwickeln eine klare Logik für ihren Wandel und bauen konsequent auf ihren vorhandenen Stärken auf", stellen die Experten heraus. Erfolgreiche Regionalentwicklung folge somit keinem Patentrezept.
- Cottbus belegt, wie staatlich unterstützter Strukturwandel und Innovationspolitik neue Perspektiven schaffen können. Mit der einzigen technischen Universität in Brandenburg übernimmt die Stadt in der Lausitz eine zentrale Ankerfunktion. Die Medizinische Universität Lausitz hat sich dort gegründet. Zugute kam der Stadt aber auch, dass die Deutsche Bahn massiv in das Instandhaltungswerk investiert. Wichtig aber auch: Die Braunkohle-Region setzt im Strukturwandel auf erneuerbare Energien, Wasserstoff und Elektrifizierung.
- Neumünster punktete im Vergleich zu vor zwei Jahren vor allem bei der Verbesserung der Lebensqualität.. Die Zahl der registrierten Straftaten ist deutlich gesunken.
- Würzburg gewinnt durch das Zusammenspiel aus Wissenschaft, Gründungsdynamik und Stadtentwicklung. Die Kombination aus innovativer Forschungslandschaft, lebendigem Gründerökosystem und attraktivem Wohnraum stärkt die wirtschaftliche Dynamik der Stadt und macht Würzburg besonders attraktiv für hochqualifizierte Fachkräfte.
- Offenbach am Main nutzt gezielt die Nähe zur Metropolregion Frankfurt und die damit verbundenen Effekte. Es profitiert vom Arbeitsmarkt, der internationalen Verkehrsanbindung und der wirtschaftlichen Dynamik von Frankfurt. Gleichzeitig sind dort Grundstücke und Mieten günstiger.
- Leverkusen stabilisiert sich durch aktive Standortpolitik und industrielle Modernisierung. Die Stadt hat in den vergangenen Jahren eher auf eine ruhige, aber gezielte Weiterentwicklung gesetzt statt auf große Umbrüche. Mit der Senkung des Gewerbesteuerhebesatzes 2020 wollte die Kommune das Signal senden: Unternehmen sollen gute und verlässliche Rahmenbedingungen vorfinden. Das scheint sich auszuzahlen. Statt eines radikalen Wandels setzt Leverkusen damit auf seine industriellen Stärken – und entwickelt sie Schritt für Schritt weiter.
- Der Landkreis Tirschenreuth in der Oberpfalz steht beispielhaft für die erfolgreiche industrielle Aufwertung eines ländlichen Raums. Die Region knüpft gezielt an ihre industrielle Tradition an und hat diese technologisch weiterentwickelt: Auf klassischen Branchen wie Glas- und Porzellanindustrie entstanden moderne Industrie- und Technologiestandorte mit international tätigen Unternehmen. Charakteristisch ist dabei die enge Verbindung von Produktion, Forschung, Entwicklung und Unternehmenssteuerung vor Ort. Unterstützt wird die Entwicklung durch aktive Wirtschaftspolitik und attraktive Rahmenbedingungen.
Die Schlussfolgerung der Forscher:
- Erfolgreiche Regionalentwicklung entsteht selten durch einen radikalen Neuanfang. Keine der untersuchten Regionen hat ihre Entwicklung auf einem vollständigen Strukturbruch aufgebaut. Stattdessen knüpfen alle gezielt an vorhandene Kompetenzen, wirtschaftliche Traditionen und Standortvorteile an.
- Bestehende Industrie wird modernisiert, wissenschaftliche Infrastruktur ausgebaut oder geografische Lagevorteile strategisch genutzt. Erfolgreiche Entwicklung bedeutet damit vor allem, vorhandene Stärken weiterzuentwickeln und an neue wirtschaftliche und gesellschaftliche Anforderungen anzupassen – nicht, Bewährtes vollständig zu ersetzen.
Fördergeld und guter Standard garantieren noch keinen Erfolg
Ebenso zentral ist das Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Die Beispiele zeigen, so die Experten, dass einzelne Maßnahmen selten ausreichen. Weder Fördergelder allein noch ein guter Standort oder industrielle Tradition garantieren Erfolg. Entscheidend ist vielmehr, ob Regionen ein funktionierendes Ökosystem schaffen: also wirtschaftliche Entwicklung, Forschung, Infrastruktur, Flächenpolitik und politische Steuerung miteinander verzahnen. Förderinstrumente wie die Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW) können dabei wichtige Impulse setzen – entscheidend bleibe jedoch, ob Regionen daraus ein schlüssiges Gesamtmodell entwickeln.
Der Tipp: Wer vorhandene Stärken erkennt, strategisch weiterentwickelt und unterschiedliche Maßnahmen sinnvoll miteinander verbindet, schafft bessere Voraussetzungen für nachhaltigen Erfolg.
Das Dynamik-Ranking: Regionen, die sich in den vergangenen zwei Jahren am stärksten entwickelt haben:
1.Cottbus
2. Neumünster
3. Landkreis Tirschenreuth
4. Koblenz
5. Köln
6. Karlsruhe
7. Kiel
8. Düsseldorf
9. Mülheim an der Ruhr
10. Magdeburg
Die Top 20 der wirtschaftlich erfolgreichsten Regionen
1. Landkreis München
2. München
3. Landkreis Tirschenreuth
4. Frankfurt am Main
5. Landkreis Starnberg
6. Main-Taunus-Kreis
7 Hochtaunuskreis
8 Landkreis Erlangen-Höchstadt
9 Landkreis Miesbach
10 Landkreis Ebersberg
Danach bewerteten die Forscher
In die Bewertung für das Regionalranking flossen zahlreiche Indikatoren im Bereich Wirtschaftsstruktur, Arbeitsmarkt und Lebensqualität ein.
Mehr Informationen finden Sie hier.
Die Ergebnisse des IW-Regionalrankings 2026 als PDF:


