Hannover testet kostenlosen ÖPNV
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Hannover testet kostenlosen ÖPNV

Di, 19.11.2019

Am 30. November will Hannover den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) beitragsfrei anbieten. Die Stadt will die Aktion wissenschaftlich begleiten und daraus Erfahrungen sammeln. Doch Kritiker bemängeln, dass langfristige Maßnahmen sinnvoller sind als solch einmalige Aktionen.

Vor Weihnachten wird es in den Städten voll: Viele sind noch auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken, wollen durch die Läden schlendern oder die Weihnachtsmärkte besuchen. Deshalb kommt es immer wieder zu Staus.

Um dem zu entgehen, können die Bürger in Hannover am 30. November entweder aufs Fahrrad umsteigen oder kostenlos Bus und Bahn fahren. Denn die Stadt will testen, ob ein kostenloser ÖPNV wirklich mehr Menschen dazu bringt, aufs Auto zu verzichten.

Das Projekt soll wissenschaftlich begleitet werden. Zählungen sollen Klarheit geben darüber, welche Auswirkungen ein kostenloser Öffentlicher Personennahverkehr hat. Und da Hannover an diesem Tag mit einem höheren Passagieraufkommen rechnet, werden am 30. November mehr Busse und Stadtbahnen unterwegs sein. Insgesamt rechnet die Stadt mit einem Einnahmeausfall von 200.000 Euro.

 

Kostenloser ÖPNV - nicht nur in Hannvoer

 

"Wer an diesem Tag zum ersten Mal auf den öffentlichen Nahverkehr umsteigt, wird wohl vor allem unpünktliche und überfüllte Busse erleben", moniert Marco Hörmeyer von den Stadtwerken Osnabrück. Anstatt mehr Menschen für den ÖPNV zu begeistern, würden mit der Aktion viele Vorurteile gegen den ÖPNV bestätigt werden. Zudem seien solche einmaligen Aktionen nicht so wichtig wie langfristige Maßnahmen.

Doch Hannover ist mit den Überlegungen zum kostenlosen ÖPNV längst nicht allein. Auch in anderen deutschen Kommunen wie etwa Tübingen laufen Tests dazu. Bekannt für den beitragsfreien ÖPNV ist auch Luxemburg, das seinen Bürgern ab März 2020 ermöglichen will, auch ohne Ticket Bus und Bahn zu fahren. Auch Pendler sollen von dem Angebot profitieren. Davon erhofft sich das Land weniger Verkehr, niedrigere Kosten für Pendler und bessere Luft. Auch in Tallinn und kleineren polnischen sowie französischen Städten wurde der kostenlose ÖPNV eingeführt.

 

Was macht den ÖPNV attraktiver?

 

54 Prozent der Deutschen würden laut einer Statista-Umfrage im Innenstadtbereich auf das eigene Auto verzichten, wenn sie nichts für den ÖPNV zahlen müssten. Für 41 Prozent sind es vor allem bessere Verbindungen, die ausschlaggebend für einen Umstieg auf die Öffis wären und für 31 Prozent die kürzere Taktung. 17 Prozent der Befragten geben an, dass vor allem die Sitzplätze eine große Rolle spielen. Doch die Umfrage zeigt auch, dass 18 Prozent gar nicht umsteigen würde und 12 Prozent nur bei höheren Treibstoff- und Energiepreisen.

Für die Deutschen spielen also neben dem Preis auch weitere Kriterien wie Schnelligkeit und Flexibilität der Öffentlichen Verkehrsmittel eine große Rolle.

Auch einige Experten sprechen sich dafür aus, nicht nur auf die Beitragsfreiheit zu setzen, um den ÖPNV attraktiver zu machen und plädieren dafür, die Kraftstoffpreise zu erhöhen, noch striktere Tempolimits oder höhere Parkgebühren einzuführen. Denn solche Eingriffe seien "leichter zu implementieren."

Zudem wird in vielen Kommunen auch über ein mögliches 365-Euro-Flatrateticket diskutiert. Dazu meint Hörmeyer von den Stadtwerken Osnabrück: "Wir können nicht erst an der Preisschraube drehen und dann mit den Angeboten nicht hinterherkommen."

 

Wieso führen nicht alle Städte den kostenlosen ÖPNV ein?

 

Wenn auf die Verkehrsbetriebe steigende Fahrgastzahlen zukommen, müssen die Betriebe auch die Taktungen verkürzen und die Infrastruktur ausbauen. Auf der anderen Seite fehlen Einnahmen aus den Ticketverkäufen.

Detlef Hövermann, der Geschäftsführer der Bahnen Monheim versteht die Debatte über die finanziellen Probleme, gibt aber gleichzeitig zu bedenken: „Wenn wir uns über Klimawandel, Luftverschmutzung und verstopfte Städte beschweren, müssen wir eben auch etwas tun. Die Frage ist, wie weitsichtig ist Deutschland in dieser Sache."

 

Wie ein kostenloser ÖPNV am besten umgesetzt werden kann, darüber spricht KOMMUNAL auch in der aktuellen Ausgabe mit dem Luxemburger Politiker François Bausch. Das Land hat die Gebühren für den Nahverkehr abgeschafft.

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