Die Hitzewelle sorgt für viele Notfallpläne in Kommunen - von Wassersparen über Grill- und Rauchverbote und Arbeitszeiten ab 5 Uhr morgens bis zum Einsatz von Streusalz
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Die Hitzewelle sorgt für viele Notfallpläne in Kommunen - von Wassersparen über Grill- und Rauchverbote und Arbeitszeiten ab 5 Uhr morgens bis zum Einsatz von Streusalz

Hitzewelle - Wie Kommunen jetzt reagieren

Heiß, Heißer, Hitzerekord. Heute werden in Deutschland bis zu 41 Grad erwartet. Schon gestern gab es offenbar in Geilenkirchen mit 40,2 Grad einen neuen Temperaturrekord. Auch im Saarland wurde die 40 Grad Marke geknackt - zum ersten Mal überhaupt. Deutschlands Kommunen gehen mit der Hitzewelle sehr unterschiedlich um. Und auch international treibt die Hitze so manche kreative Blüte. Ein Überblick!

Einen kühlen Kopf trotz der Hitzewelle bewahren - das ist in diesen Tagen nicht nur für Menschen sondern auch für die Tiere dringend nötig - so bekommt der erst in diesem Jahr geborene kleine Elefantenjunge im Leipziger Zoo zur Zeit tägliche Extrarunden im Aussenpool der Elefantenanlage. Auch andere Zoos versuchen es mit Extra-Abkühlungsrunden. 

Weniger Glück hatten am Mittwoch mal wieder Bahnfahrer. Reihenweise fielen die Klimaanlagen aus, Züge konnten oft gar nicht mehr fahren. Ein Problem, das unsere Nachbarn in Voralberg in Österreich nun mit weißer Farbe lösen wollen. Coole Schienen heißt das Projekt der ÖBB. Die Bahngesellschaft färbt ihre Schienen gegen die Hitze mit weißem Lack ein. Dadurch sollen die Temperaturen in der Schiene um etwa fünf bis acht Grad sinken. Mit einem umgebauten Oberwagen werden mehrere Kilometer Schiene innerhalb weniger Stunden weiß lackiert. Zunächst ist die Teststrecke aber nur fünf Kilometer lang, seit wenigen Tagen ist sie lackiert. Nun wartet sie bei der Hitzewelle auf ihren Lackmustest. 

Den gleichen Test führt seit wenigen Tagen übrigens auch Würzburg durch. Wir sind auf die Ergebnisse gespannt.

Hitzewelle bedroht auch viele Straßenbeläge 

 

In Deutschland melden die ersten Bauhöfe derweil schon wieder Hitzeschäden an Fahrbahnen. Die Sonne sorgt dafür, dass die Straßen aufplatzen. Etwa im Kreis Höxter sind deshalb schon mehrere Straßen gesperrt worden. Die Niederländer haben einen pragmatischen Weg gefunden, das Problem zu lösen. Schon seit fünf Jahren rückt der Bauhof in einigen Kommunen regelmässig aus, wenn es draußen zu heiß wird. Streusalz bei Tropenhitze - das ist kein Witz, in Utrechts Heuvelrug im Osten der Niederlande etwa werden schon seit dem Jahr 2015 Straßen auf diese Weise gekühlt. Über das Projekt hatte KOMMUNAL bereits im Sommer 2015 berichtet (HIER gehts zum Bericht). Die Erfahrungen waren damals sehr gut, weshalb inzwischen auch die Kommune Noordenveld im Nordosten das Streusalz einsetzt. 

Das Salz entzieht der Luft Feuchtigkeit und die kühlt dann den Asphalt. Auch mehrere Kommunen an der Grenze zu Deutschland nutzen das Verfahren. Allerdings "nur" auf Gemeindestraßen, denn die Autobahnen und viele Landstraßen haben eine besondere Struktur, durch die schneller Feuchtigkeit aufgenommen wird. Hier genügt also häufig eine kleine Wassermenge. 

In Belgien ist derweil erstmals in der Geschichte "Alarmstufe rot" ausgerufen worden. Das löst eine Reihe von Ratschlägen für die Bevölkerung aus. So wird nun besonders beworben, dass Bürger viel trinken, sich ruhig verhalten sollen und sich in kühlen Räumen aufhalten sollen. 

 

Zahlreiche Rauch- und Grillverbote, erste Waldbrände 

 

Wegen der Trockenheit haben in Deutschland zahlreiche Kommunen das Grillen und Rauchen auf öffentlichen Plätzen verboten. Hintergrund ist die große Waldbrandgefahr. In Leverkusen etwa darf auf öffenltichen Plätzen seit gestern nicht mehr gegrillt werden. Die Stadt Köln appeliert an die Menschen, sich an die Vorschriften für Wälder und Friedhöfe zu halten. Im gesamten Stadtgebiet ist etwa das Wegwerfen von Zigarettenstummeln verboten. 

Die Feuerwehr ist trotzdem überall in Deutschland im Einsatz - allen voran in Brandenburg. Bei Halbe im Dahme-Spreewald etwa hat es gestern innerhalb kürzester Zeit gleich drei mal gebrannt. Hier besonders dramatisch, weil in einigen Waldgebieten noch immer Munitionsreste aus dem zweiten Weltkrieg vermutet werden. Auch in der Lieberoser Heide brannte es am Mittwoch. 

In Wuppertal ist derweil die Polizei im Einsatz. Sie wässert Bäume und Grünflächen mit einem Wasserwerfer. Die Stadt hatte zuvor 400 Wassersäcke an Bäumen ausgelegt. Die Maßnahme hat gestern begonnen und wird heute fortgesetzt. 

In anderen Regionen hingegen heißt es "Wasser sparen". In einigen Gemeinden rund um Hildesheim etwa wurde die Bevölkerunge zum Wasser sparen aufgerufen, anderswo wie etwa in Oberhavel in Brandenburg gibt es ein Verbot, den heimischen Garten zu sprengen. 

 

 

Badetote wegen der Hitzewelle 

 

Besonders tragisch: Die Hitzewelle forderte bisher schon mindestens vier Badetote. Am Dienstag wurde bei Düsseldorf ein 48 jähriger Mann leblos aus einem See geborgen. Ebenfalls am Dienstag ertrank ein 24 jähriger in einem See im fränkischen Enderndorf. Im Harz starb am Mittwoch ein 26 jähriger, nachdem er beim Schwimmen in einem Teich in Clausthal-Zellerfeld in Niedersachsen plötzlich untergegangen war. In Isenbüttel, ebenfalls in Niedersachsen bargen Polizeitaucher gestern einen toten Asylbewerber. Auf der Donau gibt es derweil bereits große Einschränkungen im Schiffsverkehr, die niedrigen Pegelstände sind Schuld. 

 

Hitzefrei in der Verwaltung? 

 

Auch die städtischen Ämter reagieren natürlich auf die Hitzewelle. Hitzefrei gibt es zwar nicht, wohl aber deutlich angepasste Arbeitszeiten. In Darmstadt etwa waren die Schalter heute schon um 7 Uhr für die Bürger geöffnet (sonst um 8.30 Uhr) - dafür schließen die öffentlichen Einrichtungen aber auch bereits um 13 Uhr (statt um 18 Uhr).  Andere Verwaltungen haben ihre Kernarbeitszeiten teils auf 5 Uhr in der Früh verlegt, damit die Mitarbeiter spätestens zur Mittagssonne nach Hause gehen können. 

 

Hitzewelle - hier die KOMMUNAL-Tipps am Arbeitsplatz

 

1. Hitzeschlag trotz Hitzewelle vermeiden

Schwindel, Übelkeit oder Nackenschmerzen sind erste Anzeichen für einen Hitzeschlag. Die Kühlfunktion des Körpers versagt dann, die Haut ist oft getrocknet oder gerötet. Viel Wasser im Büro trinken beugt vor. Im Notfall die Beine höher legen als den Oberkörper. In jedem Fall sollte der Betriebs- oder Notarzt verständigt werden

 

2. Leichte Kantinen-Kost 

Fettreiche Speisen sind schwer verdaulich und belasten den Kreislauf. Die Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik rät daher: Bei Hitze viel Gemüse, Obst, fettarme Produkte, evtl. leicht verdaulicher Fisch. Um den Salzverlust auszugleichen: Eins bis zwei Mal am Tag eine Prise Salz über Gemüse und Salat geben

 

 

3. Kleidervorschriften beachten

Sich luftig zu kleiden heißt nicht, bauchfrei oder gar halbnackt ins Büro kommen zu dürfen. Auch kurze Hosen sind für Männer fast überall tabu. Bei Berufen mit gesetzlich vorgeschriebener Kleidung (Schutzkleidung oder auch in Banken) darf auch bei Hitze keine Ausnahme gemacht werden.

 

4. Arbeitszeiten und Pausen 

Wenn irgend möglich, verschieben Sie Arbeitszeiten auf die kühlen Morgenstunden. Auch die Pausenzeiten müssen entsprechend angepasst werden. Meiden Sie vor allem die Mittagshitze.

 

5. Räume kühlen 

Wenn keine Klimaanlage vorhanden ist, darf die Lufttemperatur in den Arbeits- und Sozialräumen 26 Grad nicht übersteigen, so der TÜV. Allerdings ergibt sich daraus nicht automatisch das Recht auf klimatisierte Räume oder hitzefrei. Sprechen Sie mit Ihrem Arbeitgeber.

 

Bei allen rechtlichen Vorschriften gilt: Ja, mal muss es dann auch langsamer gehen...das wird in diesen Tagen jeder verstehen...Hören Sie bitte auf Ihren Körper! Wir wünschen Ihnen (aus den ebenfals nicht klimatisierten Räumen in Berlin-Mitte) eine möglichst schweissfreie Zeit! 

 

 

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