Barrierefreier Spielplatz Schwelm
© Stadtverwaltung Schwelm / Heike Rudolph

barrierearmer Spielplatz

Ein Platz für Jung und Alt

Im Ruhrgebiet ist ein Spielplatz entstanden, den auch Kinder mit Behinderungen nutzen können. Das Erstaunliche: Solche Spielplätze müssen nicht teurer sein als konventionelle. Ein kurzer Überblick darüber, was Kommunen beim Bau solcher Spielplätze beachten sollten.

Spielplätze sind Begegnungsorte. Hier treffen sich Jung und Alt, die verschiedensten Menschen aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten spielen miteinander und Kinder mit Migrationshintergrund teilen ihre Spielsachen mit Einheimischen. Und auch Eltern lernen sich hier kennen und können kleine Hilfsnetzwerke gründen. Doch häufig können nicht alle Familienmitglieder wie die Großeltern, die Eltern oder die Kinder auf dem Spielplatz rumtoben. Denn in Deutschland sind 30 bis 35 Prozent der Menschen eingeschränkt in ihrer Mobilität. Fast zehn Prozent sind sogar schwerbehindert.

Damit auch sie teilhaben können, hat die nordrhein-westfälische Stadt Schwelm einen barrierearmen Spielplatz gebaut. „Unser alter Spielplatz ist in die Jahre gekommen und wir haben uns gefragt, wie wir ihn für Menschen mit Behinderung anpassen können“, erklärt Gabriele Grollmann-Mock, die Bürgermeisterin der 30.000-Einwohner-Stadt.

In die Planungen für den barrierearmen Spielplatz bezog die Stadt auch den Behindertenbeirat ein. „Uns war es wichtig, ihn mit an Bord zu haben. Denn wer könnte besser wissen, was Menschen mit Handicaps brauchen, als diejenigen, die selbst betroffen sind?“, so Bürgermeisterin Grollmann-Mock. Nachdem die Planung des barrierearmen Spielplatzes abgeschlossen war, konnte jedoch nicht sofort mit dem Bau begonnen werden. „Denn zunächst mussten geeignete Firmen zur Erstellung des Platzes gefunden werden“,  erklärt Grollmann-Mock die zeitliche Verzögerung. „Besondere Spielgeräte gibt es nicht von der Stange; das Hauptspielgerät musste als Einzelanfertigung beauftragt werden“.

Der barrierearme Spielplatz: Von der Planung zur Eröffnung


Im Juni 2019 war es dann aber soweit: Der barrierearme Spielplatz öffnete seine Pforten. Seither gibt es eine Holzlandschaft mit Rampe und sogar einen Sand- und Matschbereich, den Rollstuhlfahrer auch sandfrei erreichen. Außerdem gibt es Schaukeln und ein Seil, an dem sich Kinder durch die Luft hangeln können sowie zwei behindertengerechte Parkplätze. „Das absolute Highlight im heißen Sommer war aber der Matschbereich. Und es sind sogar Kinder aus den umliegenden Gemeinden gekommen, um auf unserem barrierearmen Spielplatz zu spielen“, berichtet die Bürgermeisterin stolz. Auch Eltern mit Behinderung oder Großeltern, die sich auf einen Rollator stützen müssen, können auf dem barrierefreien Spielplatz Zeit mit den Kleinen verbringen. Der Landschaftsarchitekt Lothar Köppel geht sogar davon aus, dass auch Kinder ohne Behinderung von solchen Spielplätzen profitieren können: Denn Kinder mit Behinderung spielen oft besonders kreativ und entwickeln spezielle Fähigkeiten, von denen auch Kinder ohne Behinderung profitieren können.

"Es sind sogar Kinder aus den umliegenden Gemeinden gekommen, um auf unserem barrierearmen Spielplatz zu spielen“ - Gabriele Grollmann-Mock
Bürgermeisterin von Schwelm

Barrierearmer Spielplatz Schwelm

Wie teuer sind solche Spielplätze?

Insgesamt hat Schwelm 210.000 Euro bezahlt. „Aber barrierefreie Spielplätze sind nicht teurer als nicht barrierefreie. Man muss das Projekt nur von Anfang an richtig anpacken und mit Fachleuten kooperieren“, erklärt Köppel gegenüber der gemeinnützigen Organisation Myhandicap. Zudem macht er Kommunen darauf aufmerksam, dass es auch Fördermöglichkeiten für solche Projekte gibt, zum Beispiel das LEADER-Programm. In Kommunen gewinnt das Thema Barrierefreiheit allgemein an Fahrt. Inklusion und Integration sind mittlerweile zu festen Werten geworden. Und auch in Städten wie Hamburg oder Berlin wurden barrierearme Spielplätze gebaut. In der Hauptstadt beispielsweise wurden am Spielplatz Stützmauern errichtet mit mehreren Sitzmöglichkeiten in verschiedenen Höhen und für alle Bedürfnisse. Auch die Spielgeräte können mit dem Rollstuhl oder über Rampen erreicht werden.

Wie sollten die Spielplätze gestaltet werden?

Die Möglichkeiten von barrierearmen Spielplätzen sind vielfältig und reichen von Rutschen, Karussellen, Sand- und Wasserbereichen bis hin zu Heckenlabyrinthen und Sinnesparcours.

Aber neben all den Dingen, die einen Spielplatz ausmachen, sollte auch das gesamte Umfeld miteinbezogen werden. So sollten die Bordsteine abgesenkt sein, der Eingang des Spielplatzes stufenlos sein und der Weg dorthin nicht an einem Bahnhof ohne Aufzug scheitern. Zudem profitieren blinde Menschen von Orientierungshilfen.

Grollmann-Mock rät Kommunen, die selbst einen barrierearmen Spielplatz bauen wollen dazu, sich immer die Hilfe von Menschen mit Behinderungen zu suchen, da sie besser beurteilen können, welche Lösungen sinnvoll sind und welche nicht.  


In Schwelm wurden schon vor vielen Jahren Bordsteine abgesenkt. Nun soll es weitergehen: „Der Umbau an Schwelmer Bushaltestellen kommt gut voran und wir entwickeln ein neues barrierefreies Rathaus und Kulturzentrum“, freut sich Grollmann-Mock. Für die Zukunft wünscht sich die Bürgermeisterin vor allem, dass der Spielplatz, den sie liebevoll „Mein Spielplatz“ nennt, nicht durch Vandalismus zerstört wird.