Nachhaltigkeitsziele
Die 17 Nachhaltigkeitsziele können ohne die Kommunen nicht erreicht werden.
© Adobe Stock/mit KI

Studie

Jede vierte Kommune setzt auf Nachhaltigkeit

Von Einzelprojekten bis zur Strategie: Für eine Studie haben Forscher die Webseiten aller Kommunen ausgewertet. Dabei zeigt sich, wie weit Kommunen beim Thema Nachhaltigkeit sind – und welche Strukturen den nächsten Entwicklungsschritt unterstützen können.

Nachhaltigkeit ist längst kein exotisches Nischenthema mehr. Das zeigt eine neue Studie sehr deutlich – und erstmals auch belastbar mit Zahlen. Rund jede vierte Kommune in Deutschland beschäftigt sich aktiv mit dem Thema. Das ist die gute Nachricht. Die weniger gute: Ein integriertes, strategisch gesteuertes Nachhaltigkeitsmanagement bleibt bislang die Ausnahme.

Nachhaltigkeitsthemen auf Webseiten der Kommunen

Erarbeitet wurde die Studie vom Deutsches Institut für Urbanistik (Difu) im Auftrag der Bertelsmann Stiftung.  Analysiert wurden die Webseiten aller 11.275 deutschen Städte, Gemeinden und Landkreise – mithilfe eines innovativen Webscrapings, einer automatisierten Analyse öffentlich zugänglicher Online-Inhalte.

Damit liegt laut der Auftraggeber der Untersuchung erstmals ein empirisch belastbares Bild vor, wie weit Kommunen beim Thema Nachhaltigkeit tatsächlich sind. Keine Umfrage mit Rücklaufproblemen, sondern eine digitale Bestandsaufnahme des Status quo.

Ein Viertel der Kommunen ist aktiv – und erreicht viele Menschen

Konkret fanden die Forscher bei 2.859 Kommunen, also bei 25 Prozent, Hinweise auf Nachhaltigkeit oder entsprechende Themen auf den offiziellen Webseiten. Diese Kommunen repräsentieren rund 52 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner. Das zeigt: Ein erheblicher Teil der Bevölkerung lebt bereits in Kommunen, die sich sichtbar mit nachhaltiger Entwicklung befassen.

Auffällig ist zudem, dass 1.217 Kommunen eine eigene Unterseite zur Nachhaltigkeit eingerichtet haben. Das entspricht elf Prozent aller Kommunen und gilt als Indikator dafür, dass das Thema organisatorisch und politisch bewusster verankert ist – und nicht nur nebenbei mitläuft.

Unterm Strich zeigt die Studie: Nachhaltigkeit ist in den Kommunen angekommen. Der nächste Schritt besteht darin, sie vom engagierten Einzelthema zum strategischen Leitprinzip kommunalen Handelns weiterzuentwickeln.

Große Unterschiede zwischen den Ländern

Ein Blick auf die regionale Verteilung zeigt deutliche Unterschiede. Besonders viele aktive Kommunen finden sich in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Niedersachsen und Hessen. In diesen Ländern gibt es seit Jahren Förderprogramme, Netzwerke und Unterstützungsangebote für kommunales Nachhaltigkeitsmanagement.

Andere Bundesländer tauchen prozentual deutlich seltener auf. Das liegt weniger an fehlendem Problembewusstsein, sondern häufig an knappen personellen und finanziellen Ressourcen – vor allem in kleinen und sehr kleinen Gemeinden.

Größe der Kommunen und Geld spielen eine entscheidende Rolle

Die Studie zeigt einen klaren Zusammenhang zwischen verfügbaren Ressourcen und Nachhaltigkeitsaktivitäten. Kommunen, die Nachhaltigkeitsthemen kommunizieren, sind im Durchschnitt größer und finanziell besser ausgestattet. Sie verfügen über höhere Einnahmen aus Gewerbe- und Einkommensteuer und investieren mehr pro Einwohnerin und Einwohner.

Nachhaltigkeit ist damit kein Selbstläufer. Sie braucht Zeit, Fachwissen und Zuständigkeiten – und damit genau die Ressourcen, die in finanzstärkeren Kommunen eher vorhanden sind. Der eigentliche Engpass liegt in der strategischen Steuerung. In vielen Kommunen ist Nachhaltigkeit als Querschnittsthema präsent, insbesondere über Klimaschutz und integrierte Stadtentwicklung.

Doch nur 139 Kommunen verfügen laut Studie über ein wirklich integriertes Nachhaltigkeitsmanagement mit Instrumenten wie Nachhaltigkeitsstrategien, -berichten oder -haushalten. Es gibt viele Einzelmaßnahmen, Konzepte und Projekte. Was häufig fehlt, ist der verbindende Rahmen, der Ziele, Maßnahmen und Ressourcen systematisch zusammenführt.

Was die Studie als Erfolgsfaktoren beschreibt

Entscheidend ist die Verzahnung mit klassischen Steuerungsinstrumenten der Verwaltung, etwa der Haushaltsplanung oder dem Berichtswesen. Nachhaltigkeit entfaltet erst dann Wirkung, wenn sie im Verwaltungsalltag gelebt wird. Dazu gehören klare Zuständigkeiten, etwa durch eine Stabsstelle Nachhaltigkeit, und eine institutionelle Verankerung, die auch politische Wechsel überdauert.

Beteiligungsformate, Bildung für nachhaltige Entwicklung und ein kontinuierliches Monitoring auf Basis kommunaler Nachhaltigkeitsindikatoren gelten ebenfalls als zentrale Bausteine, um Fortschritte messbar zu machen und dauerhaft abzusichern.

Die 17 Nachhaltigkeitsziele wurden von der UN-Vollversammlung bereits im Jahr 2015 verabschiedet. Die Agenda 2030 ist eine politische Selbstverpflichtung, jedoch kein völkerrechtlich bindender Vertrag.

Was sind die 17 Nachhaltigkeitsziele?

  1. Keine Armut
  2. Kein Hunger
  3. Gesundheit und Wohlergehen
  4. Hochwertige Bildung
  5. Geschlechtergleichstellung
  6. Sauberes Wasser und Sanitäreinrichtungen
  7. Bezahlbare und saubere Energie
  8. Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum
  9. Industrie, Innovation und Infrastruktur
  10. Weniger Ungleichheiten
  11. Nachhaltige Städte und Gemeinden
  12. Nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster
  13. Maßnahmen zum Klimaschutz
  14. Leben unter Wasser
  15. Leben an Land
  16. Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen
  17. Partnerschaften zur Erreichung der Ziele

Die Ergebnisse der Studie können Sie als PDF herunterladen: 

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