Digitale Verwaltung
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Digitale Verwaltung: Zwischen lokal und digital

Do, 11.04.2019

Wie können Bürger und Verwaltung besser miteinander kommunizieren? Wir zeigen Praxisbeispiele – vor Ort verankert, aber clever verknüpft mit Internet und Smartphone.

Text: Ronald Ziepke

 

Der Bürger kommt ins Amt. Doch wie kommt das Amt zum Bürger? Mit moderner Technik. Sie macht es komfortabel – für beide Seiten. Gut eingesetzt, ermöglicht sie schnellere Reaktionen, effizientere Prozesse und transparentere Resultate. Und das in vielen Bereichen wie Verwaltung, Bildung oder Soziales. Webbasierte Technologien sammeln und übermitteln wertvolle Daten. Richtig ausgewertet, erfährt jede Kommune, was ihre Einwohner denken und bewegt. Etabliert hat das „liquidfriesland.de“. Der Name ist Programm: durchsichtig und im Fluss wie Wasser verbinden sich hier Amt und Mensch. Auf der Online-Plattform können Bürger – außerhalb knapper Öffnungszeiten – jederzeit Vorschläge aller Art unterbreiten. Digitale Verwaltung in der Praxis.

Digitale Verwaltung vereinfacht Bürgerbeteiligung

Als erste Kommune bundesweit schob Friesland 2012 diese umfassende Form der Bürgerbeteiligung im Internet an. Was als „stark beobachtetes Experiment“ begann, ist heute, angepasst an die  Resonanz der Nutzer, in der 2.0-Version nutzbar. Seit 2016 wurden 50 Vorschläge gemacht, beraten und beantwortet. Landrat Sven Ambrosy erklärt: „Wichtig ist, Kanäle wie Liquid Friesland sind ein Zusatz. Kommunen müssen auch andere Kommunikationswege anbieten. Gestärkt und gefördert wird die Bürgerbeteiligung auch durch Telefon, E-Mail, Post, aber auch Veranstaltungen und persönlichen Kontakten zur Verwaltung.“

Digitale Verwaltung mit dem Transparenzportal Hamburg

Fest im Namen verankert ist auch hier das Anliegen - auf dem „Transparenzportal Hamburg“ öffnet die Hansestadt ihre Aktenschränke. Interessierte können mit Hilfe von Sucheingaben amtliche Statistiken, Senatsmitteilungen, Gutachten oder Geodaten herausfiltern. Über 8 Millionen Seitenansichten im Jahr 2018 zeigen, wie hoch das Interesse an den mittlerweile 100.000 Einträgen ist. Dabei handelt es sich um offene Daten), die jeder nutzen, verbreiten und verwenden kann. „Damit spielt die Hansestadt bundesweit eine Vorreiterrolle, was die Transparenz der Verwaltung angeht“, sagt Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien. „Dieser offene Zugang zu Informationen ist eine Grundlage für Vertrauen in staatliches Handeln und für demokratische Teilhabe.“ Die Annahme, mehr Transparenz führt zu mehr Zusammenarbeit und größeren Wissensansammlungen, ist gleichzeitig auch das Ziel. Darum rufen neben Bürgern auch Maschinen diese Seiten auf. Die Programmierschnittstelle „Application Programming Interface“, kurz API, transportiert beispielsweise Datensätze von dort in das Datenportal „Open Government“ für ganz Deutschland (www.govdata.de). Hier lassen sich bundesweit Infos durch Filtermöglichkeiten wie Stadt und Region oder die Bereiche Sport, Bildung, Umwelt, Gesundheit, Wirtschaft und Finanzen abrufen. 

Digitale Verwaltung

Mängelmelder, Waldecho und mobile Menschen

Dass sich der Bürger vor Ort am besten auskennt, macht den Web-Service „maengelmelder.de“ aus. Wo befinden sich gerade gefährliche Schlaglöcher, illegale Müllhaufen oder kaputte Laternen? All das, was für Bürger und Kommunen gleichermaßen relevant ist, lässt sich mit dem Mängel-Melder im Internet oder per Smartphone-App benennen und lokalisieren – ganz einfach mit Hilfe einer digitalen Landkarte. Die App kann bundesweit genutzt werden, auch wenn die Kommune kein Kunde des Betreibers ist. Die App wurde bisher rund 31.500 Mal installiert. Und so funktioniert´ s: Jede Mängelmeldung wird direkt an die betroffene Stadt oder Gemeindeverwaltung weitergeleitet. Anschließend kann dann die zuständige Behörde den sich verändernden Bearbeitungsstatus anzeigen oder Rückmeldungen zum jeweiligen Mangel geben.

Zusätzlich hat die Wer denkt was GmbH für die Landesforstverwaltung Rheinland Pfalz das „waldecho.wald-rlp.de“ realisiert. „Auch für andere Forstämter könnte die Anwendung künftig interessant sein. Denn darüber können zum Beispiel Wanderer, Mountainbiker und Jäger Mängel im Wald melden.“ Ein weiteres Einsatzgebiet: Auf der Plattform „mobilemenschen.de“ werden barrierefreie Orte für Menschen mit Seh-, Geh- und Hör-Behinderungen angezeigt. Modern, hilfreich und vielseitig: All diese Beispiele stehen für den Einsatz von Apps, Webs und IT in der Verwaltung ist eine Symbiose von Digitalem und Mensch, bei dem die Bürger mitmachen, wenn die technischen Mittel gut sind. Im Internet können sie sich mit der Stadt verbinden, obwohl sie nicht zuhause sind. Das macht vieles leichter, ersetzt aber am Ende nicht das Aufarbeiten von Datenmengen, das Umwandeln von Informationen in konkrete Handlungen. Und auch nicht den persönlichen Kontakt von Politikern und Verwaltungsangestellten zum Bürger.

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