Digitalpakt: Digitalisierung der Schule
Fotolia: David
Die Lehrkräfte sehen Deutschlands Schulen bei der Digitalisierung im internationalen Vergleich hinterherhinken

Abgehängte Schulen: Digitalisierung dringend notwendig!

Mi, 20.03.2019

Die meisten Schulen sind digital alles andere als gut aufgestellt. Und genau das kritisieren Deutschlands Lehrer. Doch: Wäre ein digitaler Unterricht wirklich besser? Und welche Nachteile gäbe es?

Nun steht es fest: Der Digitalpakt kommt und soll unsere Schulen ins 21. Jahrhundert befördern. In Zukunft werden dafür fünf Milliarden Euro fließen. Doch reicht das?

Die meisten Lehrer glauben das nicht! Denn laut einer Bitkom-Umfrage gehen 93 Prozent der Lehrkräfte davon aus, dass das Geld nicht ausreichen wird. 96 Prozent ist zudem davon überzeugt, dass die Schulen neben Geld auch digitale Konzepte, digitale Inhalte und vor allem kompetente Lehrer brauchen, um für das digitale Zeitalter gewappnet zu sein.

 

Digitalisierung der Schulen? Fehlanzeige!

 

Mehr als die Hälfte der Lehrer würde gerne öfter digitale Medien einsetzen - doch verschiedene Gründe verhindern dies.

  • 58 Prozent der Lehrer sagen, dass es nicht genügend Geräte gibt
  • 36 Prozent hat Angst davor, dass die Technik versagt
  • 13 Prozent bemängeln, dass ein pädagogisches Konzept fehlt
  • 12 Prozent finden, dass unzureichende Technik-Kenntnisse ein Hindernis sind

Und ein Blick in Deutschlands Schulen zeigt, dass tatsächlich digitale Lernmittel fehlen. So sind Beamer, Notebook und PC meist nur in speziellen Fachräumen vorhanden. "Dabei sollten die Geräte in allen Unterrichtsräumen Standard sein", bemängelt Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer der Bitkom.

Jeder zweite Lehrer setzt regelmäßig einen Beamer ein - aber nur jeder vierte an allen Unterrichtstagen. Jeder dritte verwendet ein Notebook regelmäßig - aber nur jeder fünfte Lehrer täglich. Das interaktive Whiteboard wird von jedem dritten Lehrer regelmäßig genutzt und von jedem fünften jeden Tag. Tablet sowie Smartphone werden selten in der Schule eingesetzt: Nur 14 Prozent der Lehrer nutzen das Tablet regelmäßig - und lediglich 3 Prozent täglich. Das Smartphone nutzen 9 von 10 Lehreren nie , 8 Prozent lediglich in Ausnahmefällen. "Anstatt Smartphone-Verbote zu erlassen, sollte man darüber nachdenken, wie diese Geräte aktiv und produktiv in den Unterricht eingebunden werden können", findet Rohleder.

 

Welche Vor- und Nachteile gibt es, wenn wir die Schulen digitalisieren?

 

Die meisten Lehrer gehen davon aus, dass die Schüler motivierter sind, und die Inhalte anschaulicher dargestellt werden  können - sobald Technik zum Einsatz kommt. Zudem glaubt 87 Prozent, dass die neuen Medien die Schüler auf das Leben und Arbeiten in der digitalen Welt vorbereitet. Und ein weiterer Pluspunkt der Digitalisierung: 55 Prozent glaubt, dass sie mit der Technik individueller auf einzelne Schüler eingehen kann.

 

Nachteile hingegen sehen die Lehrer darin, dass die Schreibfertigkeiten der Schüler nachlassen können und dass Schüler dazu verleitet werden, Informationen aus dem Internet zu kopieren. Aber auch die Sorge davor, dass das konzentrierte Arbeiten gestört wird, breitet sich aus.

 

Doch: Wie sieht der Unterricht an einer digitalen Schule eigentlich aus?

 

Genau das wollte sich das Nachrichtenprotal heise einmal ansehen und hat die Oberschule Gehrden besucht, die als erste öffentliche Schule die Auszeichnung "Apple Distinguished School" trägt. Hier arbeiten Schüler und Lehrer fast komplett digital. So steht anstatt einer Tafel ein großer Fernseher mitten im Klassenraum. Und für eine Präsentation werden die Daten einfach an die Mitschüler gesendet oder auf dem Fernseher angezeigt. In einer digitalen Mappe können die Schüler Aufgaben bearbeiten und abgeben. Und damit die Schüler nicht die ganze Zeit im Internet surfen, können die Lehrkräfte die Bildschirme der Geräte jederzeit kontrollieren.

Doch: Wie finden Lehrer und Schüler das digitale Arbeiten eigentlich? Die Schüler sind begeistert! So berichten die Kinder, dass es gut sei, dass sie nicht mehr so viel Schulbücher mit sich herum tragen müssen. Und auch der Schulleiter lobt die neuen Medien: "Aus Einzelkämpfern werden Teamplayer". Und die Schule vermittele mithilfe der modernen Technik Qualifikationen, auf die es im Berufsleben ankommt. Doch die Digitalisierung ist natürlich mit Kosten verbunden. So müssen die Eltern die Geräte der Kinder selbst bezahlen - entweder in einer Summe oder in monatlichen Raten. Für manch eine Familie könnte das eine zusätzliche finanzielle Belastung bedeuten.

Allerdings wird in der Schule nicht alles digital, sondern manches auch noch ganz klassisch gelöst. So werden Klassenarbeiten aufgrund fehlender rechtlicher Grundlagen noch immer mit Papier und Stift geschrieben. Ganz wie in alten guten Zeiten.

Digitalpakt: Digitalisierung der Schulen
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