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  3. Fahrverbote? KOMMUNAL lässt Dampf ab
Fahrverbote für Diesel? Eine Glosse von KOMMUNAL-Chefredakteur Christian Erhardt

Fahrverbote? KOMMUNAL lässt Dampf ab

von Christian Erhardt-Maciejewski
Geschäftsführer, Chefredakteur | KOMMUNAL
29. Mai 2018
Ab Donnerstag gilt also das erste Fahrverbot in Deutschland – auf einem gigantischen 580 Meter langem Abschnitt der Max-Brauer Allee in Hamburg. Christian Erhardt fühlt sich von der Politik über die Motorhaube gezogen – ihm fällt zum Thema daher nur noch eine Glosse ein!

Es herrscht echt dicke Luft hier bei mir im Büro – nicht nur wegen der unsinnigen Idee aus Hamburg, zwei Straßen teilweise für Diesel-Autos zu sperren. Nein, der Grund ist ein anderer: Die erlaubte Stickoxid-Belastung in meinem Büro liegt nämlich bei 60 Mikrogramm pro Kubikmeter. Das ist deutlich mehr als auf den beiden Hauptstraßen in Hamburg erlaubt ist. Da liegt der Grenzwert bei nur 40 Mikrogramm. Wie gut, dass ich nicht in einem verarbeitenden Betrieb arbeite, dort beträgt der Grenzwert satte 950 Mikrogramm – das 25 fache der Hauptverkehrsstraße in Hamburg. Die Begründung: Am Arbeitsplatz sind die Menschen ja auch nur zeitlich begrenzt. Das steht tatsächlich so auf der Seite des Bundesunweltamtes. Schon klar: Lungenkranke halten sich ja erfahrungsgemäß täglich stundenlang an Hauptverkehrskreuzungen in deutschen Großstädten auf. Und dann atmen sie in einem Meter Höhe – in genau der Höhe wird nämlich gemessen – stundenlang die Stickoxide ein. Ich mache mir da eher Sorgen um die Muskulatur dieser Lungenkranken – Atmen in einem Meter Höhe – da müssen sich die meisten Deutschen dauerhaft bücken. Das kann nicht gut sein für den Rücken. Dann doch lieber im Wohnzimmer vor den Kamin setzen und das zwanzigfache an Stickoxiden einatmen - aber eben rückenschonend auf dem Sofa.

Schauen wir in die Schweiz - dort gilt ein 150 mal so hoher Grenzwert wie bei uns. Haben Sie bisher geglaubt, die Schweizer hätten nur einen komischen Dialekt? Jetzt kennen Sie den wahren Grund!" 

Fahrverbote? Politik will Gas geben...

Aber einverstanden, sinnfreie Grenzwerte sind schon auch wichtig. Die Politik hat da lange genug gebremst, da mus man dann jetzt endlich mal Gas geben... äh, oder auch nicht... Schauen wir nur mal in unser Nachbarland, in die Schweiz. Dort gilt auf Hauptverkehrsstraßen ein Grenzwert von 6000 Mikrogramm – also 150 mal so hoch, wie bei uns. Hören Sie sich in der Schweiz doch mal die ganzen Asthmatiker an. Oder glauben sie immer noch, das sei nur ein komischer Dialekt? Nix da! Und natürlich stimmt es auch nicht, dass die ganzen Handwerker jetzt durch solche Diesel-Fahrverbote weniger Aufträge bekommen. Das kennen Sie doch selbst: Bis Sie beim Handwerker mal einen Termin haben, gibt’s ohehin keine Diesel-Autos mehr.

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Fahrverbote? Kann vermutlich nur die Bundeswehr durchsetzen...

Ein Problem bleibt aber: Die Polizei sagt selbst, dass sie die Einhaltung der Fahrverbote wohl kaum vernünftig kontrollieren kann. Immerhin winken satte 25 Euro Strafe. Nun muss aber die Polizei die ganzen Ausnahmen erst mal kontrollieren. Denn auf den betroffenen Straßen in Hamburg dürfen die Anwohner und ihre Besucher zum Beispiel weiter mit ihren Stinkefahrzeugen durchfahren. Und Müllautos und Krankenwagen und andere auch. Wenn die Polizei es aber nicht regeln kann, wer dann? Die Bundeswehr vielleicht? Gut, deren Material ist international nicht einsetzbar, aber für nen konsequentes Vorgehen gegen Diesel-Sünder wird es doch wohl hoffentlich reichen, oder? Wäre ja immerhin eine neue Einnahmequelle für die Truppe. Ich halte es also lieber mit dem früheren Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe, der hatte schon 2003 eine gute Erklärung für diverse Ideen aus Brüssel: „In Brüssel wird’s erdacht, in Deutschland wird’s gemacht, in italien wird gelacht“.

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