Ein Bild von Hallig Gröde
Auf der Knudtswarft stehen alle Wohnhäuser von Hallig Gröde. © Joachim Müllerchen

Hallig Gröde - Deutschlands kleinste Gemeinde

Eine Kommune, in der alle Entscheidungen von einer Gemeindeversammlung getroffen werden und alle Einwohner sind stimmberechtigt. Das gibt es in Deutschlands kleinster Kommune – der Hallig Gröde! Der sechste und letzte Teil unserer Serie über kuriose Orte in Deutschland!

Nach Mödlareuth, Büsingen und Bremerhaven bildet das winzige Hallig Gröde den letzten kuriosen Ort unserer Reihe. Wenn in Deutschland der Bundestag gewählt wird, ist die Gemeinde von Volker Mommsen schlagartig berühmt. Um drei, spätestens vier Minuten nach der Schließung der Wahllokale flimmert über die Bildschirme im ganzen Land, wie die Einwohner der nordfriesischen Hallig Gröde abgestimmt haben. "Als ich als Bürgermeister angefangen habe, waren wir noch 18", sagt Mommsen. "Heute sind noch neun Menschen auf Gröde gemeldet, von denen acht auf der Hallig leben."

Im Nordwesten von Hallig Gröde liegen die beiden Warften. © Ra Boe

Zwei Warften gibt es auf der Insel, die die Häuser der Bewohner vor den wiederkehrenden Sturmfluten schützen sollen. Eingedeicht ist die kleine Insel mitten im Wattenmeer nicht. „Die Warftverstärkungen sind ein wichtiges Thema hier“, sagt Mommsen. Das Land Schleswig-Holstein will die Halligen mit Hilfe eines Zukunftsprogramms für steigende Meeresspiegel ertüchtigen: Die Warften sollen teilweise höher werden, teilweise soll der Winkel, in dem die Schutzhügel aufgeschüttet sind, verändert werden. „Das sind ganz komplizierte Erwägungen, was in der jeweiligen Situation am Besten ist“, sagt Mommsen. Die konkreten Maßnahmen werden, wie überall in Deutschland, in der Kommune beraten. Doch die kleine Hallig hat keinen Gemeinderat. „Wir haben eine Gemeindeversammlung“, sagt Mommsen. Und da sind dann alle Einwohner stimmberechtigt. Der Haushalt der Gemeinde wird so beschlossen, „und wie jede Kommune unterhalten wir natürlich Straßen und Wege, eine Schule, ein Gemeindehaus.“

Hallig Gröde lebt vom Kompromiss der Einwohner

Und auf einer Insel muss man Kompromisse finden. „Weil man sich ja jeden Tag sieht“, sagt Mommsen. Die meisten Bewohner der Insel sind im täglichen Leben seine Kollegen, als Angestellte beim Landesbetrieb Küstenschutz. „Da braucht man als Bürgermeister vor allem Fingerspitzengefühl und die Fähigkeit, zwischen den Menschen zu vermitteln“, sagt Mommsen. „Manchmal passt es sofort, manchmal ist es schwierig, nicht immer ganz einfach.“ Doch in Notfällen, bei Krankheiten oder Sturmfluten, sind die Halligleute aufeinander angewiesen. „Wenn es Differenzen gibt, muss das am Ende alles so geregelt sein, dass wir wieder gut zusammenarbeiten können und uns aufeinander verlassen können“, sagt Mommsen. „Und das ist auch so.“

Die Kirchwarft verbindet Kirche, Schule und Friedhof in einem Anwesen. © Michael Schuchard

Die täglichen Verwaltungsangelegenheiten hat die Gemeinde dagegen ausgelagert. Mit den Halligen Langeness und Hooge und der Insel Pellworm bildet man das Amt Pellworm. Dessen Angelegenheiten freilich nicht auf der Insel Pellworm, sondern auf dem Festland, im Rahmen einer Verwaltungsgemeinschaft mit der Stadt Husum geregelt werden. „Für uns auf den Halligen ist es einfacher, aufs Festland zu kommen, als uns untereinander zu besuchen“, sagt Mommsen. Denn die Fähren fahren nur selten. Im Sommer kommt fast jeden Tag ein Schiff nach Gröde, im Winter ist die Verbindung eine Linie, die „nach Bedarf“ verkehrt, sagt der Bürgermeister. „Und wir sind hier im Wattenmeer von Ebbe und Flut abhängig – das Schiff kann nicht immer fahren.“ Oft sind Termine auf dem Festland für den ehrenamtlichen Bürgermeister dann mit einer Übernachtung verbunden, erst am nächsten Tag geht es zurück auf die heimische Hallig. Drei, vier Stunden Zeitaufwand kostet es auf jeden Fall, wenn Volker Mommsen für eine Sitzung die Hallig verlässt. Denn nur weil die Gemeinde Gröde nur neun Einwohner hat, heißt das ja nicht, dass sie in Gremien weniger vertreten ist, als andere selbständige Kommunen. Gerade wenn es um die für die Halligleute wichtigen Themen des Küstenschutzes oder der Warftverstärkung geht, muss der Bürgermeister aufs Festland, und dort auch persönlich anwesend sein.

Der Hafen von Hallig Gröde © Michael Gäbler

 

Lohnt sich Hallig Gröde als kleinste Gemeinde Deutschlands?

Aber ist dieser Aufwand nicht zu groß? Lohnt die Selbständigkeit überhaupt für eine Gemeinde, der nur neun Einwohner angehören? Auch auf Gröde macht man sich da so seine Gedanken. „Wir überlegen tatsächlich, uns mit den anderen Halligen zu einer Gemeinde zusammenzuschließen“, sagt Volker Mommsen. „Da gibt es Überlegungen, die in der Planung, aber noch nicht spruchreif sind.“ Zumindest aus Sicht der Verwaltung wäre so ein Zusammenschluss auf jeden Fall einfacher, sagt Mommsen. „Ich bin ein klarer Befürworter davon.“ Auch wenn seine Insel dann nicht mehr die erste Gemeinde wäre, deren Wahlergebnisse bei einer Bundestagswahl um kurz nach 18 Uhr über die Bildschirme in Deutschlands Wohnzimmern flimmern.

 

Was gibt es Neues von Hallig Gröde?

  • Laut statistischem Bundesamt zählte die kleinste Gemeinde Deutschlands Ende 2018 nur mehr sieben Einwohner.
  • In Hallig Gröde lebten Ende 2018 3 Männer und 4 Frauen.
  • Gröde ist gemäß der Fläche (2,52 km²) die drittgrößte Hallig

 

Interesse an einem Urlaub in Hallig Gröde?

Ein Urlaub in der kleinsten Gemeinde Deutschlands ist tatsächlich möglich. Hallig Gröde bietet zwar Gasthaus, aber sehr viel Gastfreundlichkeit und Ruhe. Die Gastgeberinnen von Hallig Gröde stellen sich auf der Webseite der Gemeinde persönlich vor. Derzeit sind Claudia Mommsen und Sabine Kolk die Gastgeber in Hallig Gröde.

Welche Verbindung hat Gröde zu Appelland?

Die Hallig Gröde und die kleine Hallig Appelland wurden zu Beginn den 20. Jahrhunderts vereint. Die Hallig Appelland ist unbewohnt. Die Halle Habel gehört auch zu Gröde. Die Halle Habig hat auch nicht das ganze Jahr über Einwohner.

 

 

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