HEIMVORTEIL - So beenden wir die Landflucht!

Fr, 16.02.2018

Landflucht – das muss nicht sein. Immer mehr Kommunen versuchen, junge Menschen aus den Städten in die Heimat zurückzuholen. In Südwestfalen läuft dazu ein vom Bund unterstütztes Projekt. Mit Erfolg und zum Nachahmen empfohlen. KOMMUNAL-Report aus dem Sauerland.

Text: Annette Lübbers Michael und Christiane Eikemper genießen den Sommer. Gemeinsam mit der siebenjährigen Hannah und dem dreijährigen Noah spielt das Ehepaar im großen Garten ihres Eigenheims im 230-Seelen-Dorf Küstelberg bei Medebach. Seit Juni 2014 lebt die Familie in einem 200-Quadratmeter-Haus. Zum Grundstück gehören 600 m² Garten und 3.500 m² Wald. Reich im eigentlichen Sinne ist Ehepaar trotz des beeindruckenden Domizils nicht. Michael Eikemper lacht: „Das ist der Vorteil des Lebens auf dem Land. In Münster würden wir für eine Dreizimmerwohnung ohne Garten ungefähr dasselbe bezahlen.“ In Münster haben die beiden von 2007 bis 2014 gelebt. Gerne und durchaus gut. Michael Eikemper hat dort als Vertriebler gearbeitet. Bei seiner Firma ist er noch immer beschäftigt. Nur nicht mehr in Münster, sondern in Meschede. Eine Stunde – staufreie – Fahrzeit. „Mit 20 Jahren war immer nur Schützenfest irgendwann langweilig. Ich musste raus. Meine Frau auch. Münster hatte alles, was eine Stadt braucht: Flair, Kultur, Abwechslung. Aber irgendwann kam das Heimweh.“ Christiane Eikemper: „Ende 2013 erklärte mir meine Schwägerin, die auch in Münster lebte: Ich gehe zurück. Meine erste Reaktion: Was willst du denn da? Und dann gestand ich mir ein: Ich will auch nach Hause.“ Und ihr Mann ergänzt: „Spätestens als Noah zur Welt kam, war unsere Dreizimmerwohnung ohnehin zu klein. Dazu die ständige Parkplatzsuche und die langen Autofahrten zu unseren Eltern.“ Die beiden begannen ein Haus zu suchen und wurden schnell fündig. Nur mit der Versetzung von Michael Eikemper ging es nicht so schnell. Ein ganzes Jahr musste der Vertriebler pendeln.

Das Projekt "Heimvorteil HSK"

Heute engagiert sich Michael Eikemper dafür, dass potentielle Rückkehrer es beruflich einfacher haben als seine Familie. Heimvorteil HSK nennt sich das Projekt, für das er die Ärmel hochkrempelt. Das Projekt wurde von der Wirtschaftsförderung des Hochsauerlandkreises mit Unterstützung der Südwestfalen-Agentur ins Leben gerufen, um möglichst viele Exil-Sauerländer zurück in die Heimat zu bringen. Ziel ist es, dem bereits jetzt erkennbaren Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Gefördert wird das Projekt im Rahmen des Modellvorhabens „Land(auf)Schwung“ des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Nicht ohne Grund: Das Sauerland ist – entgegen seines eher verschlafenen Images – die drittgrößte Industrieregion Deutschlands und Heimat vieler sogenannter „Hidden Champions“. Mehr als 150 Weltmarktführer haben hier ihren Sitz.

Welche Erfolge das Projekt "Heimvorteil!" bisher macht und wo es ähnliche Ideen gibt, lesen Sie in der nächsten Ausgabe von KOMMUNAL, die am 28. Februar erscheint.

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