Auf der schönen Insel Föhr arbeiten eine Woche lang Chefredakteure als Lokalreporter. © helmutvogler / Fotolia

Inselbote: Wenn der Chefredakteur zum Lokalreporter wird

Fr, 22.07.2016

Tausche Traumjob gegen Traumort: Fünf Chefredakteure machen eine Woche lang Lokalzeitung auf Föhr. Ein Bericht über ihre Erfahrungen.

Auf den ersten Blick tauschen fünf Chefredakteure einen Traumjob gegen einen Traumort: Eine Woche lang haben die Chefredakteure von fünf großen Tageszeitungen sich auf die Spuren des einfachen Lokalreporters begeben. Und den Lokalteil des „Inselboten“ auf der schönen Insel Föhr übernommen. Sie arbeiten dort, wo andere Urlaub machen. Der Job, den sie dabei übernehmen, hat unter Journalisten nicht den attraktivsten Ruf. Denn angesichts zurückgehender Auflagen von gedruckten Zeitungen und fehlender erfolgreicher Erlösmodelle für Online-Artikel sparen viele Lokalzeitungen Stellen ein. Meist müssen also weniger Redakteure die Seiten der Zeitung füllen. Zeit für tagelange aufwändige Recherchen haben so nur wenige Lokalredakteure. Viele junge Journalisten zieht es deshalb nur noch zu überregionalen Blättern oder sie arbeiten gleich als freie (selbstständige) Journalisten. Nur wenige Lokalzeitungen wie die Böhme-Zeitung aus Soltau suchen und beschäftigen investigative Reporter, die Missstände aufdecken sollen. Doch sogar solche Stellen, ist in der Branche zu hören, seien schwer zu besetzen. Das Problem ist: Lokale Kompetenz in einer neuen Stadt erhält man nicht innerhalb weniger Tage oder Wochen. Und wer seinen Lebensmittelpunkt und Freunde bisher in Medienstädten wie Hamburg oder Köln hat, zieht nicht einfach nach Soltau.

Ein Chefredakteur: „Es ist echt mehr Arbeit als ich gedacht hab“

Doch zurück zur Insel Föhr. Und den fünf Chefredakteuren. Einer von ihnen sagte in einem Interview: „Wir sind nicht die lokalen Profis. Aber es ist doch erfrischend, dass man mal mit einem anderen Blick eine Insel sieht.“ Er und seine Kollegen seien Geschichtenerzähler und würden gerne über die Insel berichten. Sie schreiben über die Sitzung der Stadtvertretung am Abend, befragen die Urlauber auf der Insel zur Parksituation oder recherchieren die teuersten Immobilien auf Föhr. Einer der Journalisten begleitete die einzige Pfarrerin auf der Insel einen Tag lang. Auch der ehrenamtliche Bürgermeister Paul Raffelhüschen (CDU) kam zu Besuch. Ralf Geisenhanslüke, Chefredakteur der Neuen Osnabrücker Zeitung, sagte, man merke, „welch harter Job das zum Teil“ sei, die Seiten des Blatts zu füllen. Jost Lübben, Chef der Westfalenpost, räumte ein: „Es ist echt mehr Arbeit als ich gedacht hab'“. Unbestritten ist die wichtige Rolle von Lokaljournalisten. So heißt es im Gründungsdokument des Deutschen Lokal­journalisten­preises: „In einer von Informationen überfluteten Welt orientiert der Lokalredakteur den Bürger auf seine eigentliche, sein Leben bestimmende Umwelt, macht sich darin zum Anwalt des Bürgers. Er bringt Nähe und bürgerliches Verant­wortungs­bewusstsein in die Städte und Gemeinden.“ Und trage zu einer Sache wesentlich bei: die demokratische Kultur im Land zu pflegen und weiter zu entwickeln.

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