MVZ Schwarzenborn
Das erste Medizinische Versorgungszentrum Hessens in der Kleinstadt Schwarzenborn.
© Stadt Schwarzenborn

Versorgungszentren

MVZ - Eine Arztpraxis in der Hand der Kommune

Die Kleinstadt Schwarzenborn hat sich als erste Kommune in Hessen für ein MVZ-Modell entschlossen, um die Versorgung der Patienten sicher zu stellen. Bürgermeister Jürgen Liebermann erläutert im KOMMUNAL- Gastbeitrag, warum sich der Aufwand gelohnt hat.

Noch führen kommunal betriebene Medizinische Versorgungszentren ein Nischendasein. Ich bin allerdings überzeugt davon, dass die „kleinste Stadt Hessens“ mit ihrem MVZ die passende Lösung gefunden hat.  Die ärztliche Versorgung in ländlichen Regionen stellt eine große Herausforderung dar. Nicht nur hier in Schwarzenborn, sondern in vielen ländlichen Regionen haben niedergelassene Ärztinnen und Ärzte Probleme, Nachfolger zu finden.

Ein Praxisnachfolger konnte nicht gefunden werden

So ging es auch der langjährig bei uns in Schwarzenborn tätigen Ärztin. Im Jahr 2015 gab sie ihre Tätigkeit als niedergelassene Ärztin altersbedingt auf, ein Praxisnachfolger konnte trotz einer intensiven Suche nicht gefunden werden. Der Sicherstellungsauftrag der medizinischen Versorgung liegt bei den Kassenärztlichen Vereinigungen (KV), dennoch haben die Länder eine Mitverantwortung.

Mit der Aufgabe der Daseinsvorsorge stehen auch wir Kommunen in der Verantwortung. Daher hat sich die Stadt Schwarzenborn dazu entschieden, für die Bürgerinnen und Bürger ein kommunal geführtes MVZ zu gründen und damit die ärztliche Versorgung in der Region auch zukünftig zu sichern.

Das kommunale MVZ war erstmal Neuland

Mit dem Entwurf des GKV-Versorgungsstärkungsgesetzes 2014 wurden zwar die gesetzlichen Rahmenbedingungen geschaffen, ein Leitfaden für die Umsetzung eines solchen Projektes existierte jedoch nicht. Uns fehlte eine "Blaupause" dazu. Ein kommunales MVZ war nicht nur für uns Neuland, sondern auch für die KVen und die kommunalen Aufsichtsgremien.

Der Aufwand für die Kommune war also nicht unerheblich. Das MVZ Schwarzenborn wurde als Neubau am Ortsrand von Schwarzenborn in der Zeit von Juni 2016 bis Mai 2017 errichtet. Die Baukosten haben 1,2 Millionen Euro betragen. Dabei hat die Stadt als Bauherr einen EU-Zuschuss in Höhe von 200.000 Euro erhalten. Die Restmittel wurden zum Teil durch ein Darlehen finanziert. Der Rest mit Eigenmitteln der Stadt Schwarzenborn. An Ausstattungen und medizinischen Gerätschaften wurden nochmals rund 150.000 Euro aufgewandt.

Bis sich das MVZ selbst trägt, wird es bezuschusst

Wir gehen davon aus, dass sich das MVZ ab 2022 selbst trägt und die Scheinzahlen ausreichen, um den laufenden Betrieb sowie die Personalkosten abdecken zu können. Bis dahin werden jährliche Zuschüsse der Stadt Schwarzenborn an das MVZ zur Aufrechterhaltung des laufenden Betriebes gezahlt. In dem Gebäude befindet sich heute neben dem MVZ ein ambulanter Pflegedienst, eine Physiotherapeutische Praxis, eine Zahnarztstation der Bundeswehr sowie EC-Geldautomaten verschiedener Banken.

Am 1. Oktober 2018 nahm das MVZ als „Anstalt öffentlichen Rechts“ AöR seinen Betrieb auf. Der Allgemeinmediziner und die Gynäkologin (halbe Stelle), die vorübergehend selbstständig arbeiteten, wurden nun Angestellte – ebenso wie vier medizinische Fachkräfte. Die Gynäkologin hat die Funktion der ärztlichen Leitung des MVZ übernommen und eine Weiterbildung zur Allgemeinmedizinerin erfolgreich abgeschlossen. Seit 1. April 2020 ist sie auch im Bereich der Allgemeinmedizin tätig und ergänzt das Angebot des angestellten hausärztlichen Internisten. Ziel ist es, noch einen dritten Mediziner oder eine Ärztin zu beschäftigen, um auch Vertretungen organisieren zu können und das Angebot auszuweiten.

Um das Betriebswirtschaftliche kümmert sich die Verwaltung

Die Ärzte können sich ganz auf die Medizin konzentrieren. Denn um die betriebswirtschaftlichen Belange kümmert sich ein dreiköpfiger Vorstand, den der Kämmerer der Stadt, der Betreiber eines Pflegedienstes und die Gesundheitsmanagerin Christina Eisenhut bilden. Bürgermeister Liebermann stellt zusammen mit dem ersten Stadtrat und drei weiteren Vertreten den Verwaltungsrat für das MVZ.

Unser Projekt schlägt mittlerweile deutschlandweit auf ein breites Interesse, wir erhalten viele Anfragen von interessierten Bürgermeistern oder Städtevertretern. Wir wünschen uns, dass das erste kommunal geführte MVZ in Hessen als Vorzeigeprojekt weitere Nachahmer findet, damit die ärztliche Versorgung auf dem Land auch zukünftig sichergestellt werden kann.

MVZ, Kindergarten, Grundschule, Nahversorgermarkt, Glasfaserkabel, Wohnen im „Rotkäppchenland“ – mit solchen Argumenten schafft es unserStädtchen am Knüll, dass Bürger dort neue Häuser errichten und sich wohlfühlen.