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  3. Pendler - "Umlandkommunen profitieren"
Die vielen Pendler machen sich auch auf den Autobahnen bemerkbar. ©Сергей Тряпицын/123rf

Pendler - "Umlandkommunen profitieren"

von Rebecca Piron
Stellvertretende Chefredakteurin | KOMMUNAL
3. April 2017
Lange Staus, volle Bahnen, stickige Busse - laut einer Auswertung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung pendeln mittlerweile 60 Prozent der deutschen Beschäftigten. Die Umwelt leidet, doch es gibt auch Profiteure.

Lange Wege zur Arbeit, Staus und gedrängte Menschenmassen in öffentlichen Verkehrsmitteln mag wohl niemand gerne. Trotzdem zeigt eine neue Auswertung des BBSR, dass die Menge der Arbeitnehmer, die in einer anderen Kommune arbeiten als sie wohnen, weiterhin zunimmt. Waren es im Jahr 2000 immerhin schon 53 Prozent, sind es nun 60 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten.

Pendler vermeiden hohe Mietpreise

Nicht überraschend ist die Quote in den Städten mit den teuersten Mieten besonders hoch. Mehr als zwei Drittel der in Frankfurt am Main, Düsseldorf und Stuttgart Beschäftigten wohnen in anderen Kommunen. In München sind es sogar noch mehr. 355.000 Arbeitnehmer fahren jeden Morgen in die bayerische Landeshauptstadt und verlassen sie nach Feierabend wieder. Am stärksten zugenommen hat die Zahl der Pendler in Berlin. Die Stadt hat zwar in absoluten Zahlen mit 274.000 Menschen deutlich weniger Pendler als München. Die Menge an Pendlern hat sich jedoch seit dem Jahr 2000 um 53 Prozent erhöht.

Harald Herrmann, BBSR-Direktor, sieht Pendler als Chance für Umlandkommunen. ©Milena Schlösser/BBSR

"Insbesondere die Umlandkommunen profitieren vom Wachstum der wirtschaftsstarken Großstädte", sagt BBSR-Direktor Harald Herrmann. Gut angebundene, kleinere Kommunen in der Nähe der Ballungszentren verzeichnen in den letzten Jahren Bevölkerungsrekorde. Darunter fallen zum Beispiel Erding und Landshut im Umland von München. Auf der anderen Seite gibt Herrmann zu bedenken: "Der Flächenverbrauch und die Verkehrsbelastung steigen." Deshalb sei es besonders wichtig, dass die Infrastruktur mit dem Wachstum der Ballungszentren Schritt halte und das Umland gut angebunden bleibe. Deutlich negativer sieht das der stellvertretende Bundesvorsitzende der IG BAU, Dietmar Schäfers: "Menschen und Umwelt leiden unter einer lange sträflich vernachlässigten Wohnungsbaupolitik. Die Quittung erhalten wir jeden Morgen und jeden Abend auf den Straßen." Die öffentliche Hand müsse deshalb dringend zurück zur Objektförderung für bezahlbaren Wohnraum in den Ballungszentren. Die Bundesregierung reagiert mit einer Förderung für Fahrradschnellwege. In diesem Jahr will sie 25 Millionen Euro für den Ausbau der "Fahrradautobahnen" bereitstellen.

Auch Wege für Pendler werden länger

Neben dem Anstieg an Pendlern, sind auch deren Wege länger geworden. Lag der durchschnittliche Arbeitsweg des Arbeitnehmers 2000 bei 14,6 Kilometern, waren es 2015 bereits 16,8 Kilometer. Die längsten Strecken werden in dünn besiedelten Räumen zurückgelegt. In großen Teilen Mecklenburg-Vorpommerns, Brandenburgs und Sachsen-Anhalts legen Beschäftigte im Schnitt mehr als 30 Kilometer zurück. Die Menge der Fernpendler, deren Arbeitsweg 150 Kilometer übersteigt, lag 2015 bei 1,3 Millionen.

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