Überblick für die Wahlen 2026
Kommunalwahlen in Hessen: alle Infos, Termine, Änderungen
Am 15. März 2026 finden in Hessen die Kommunalwahlen statt. Rund 4,7 Millionen Wahlberechtigte entscheiden über die Zusammensetzung von 421 Gemeindevertretungen, 21 Kreistagen sowie Orts- und Ausländerbeiräten. Dabei stehen die Wahlen unter besonderen Vorzeichen: Eine umstrittene Wahlrechtsreform beschäftigt den Staatsgerichtshof, Kommunen suchen händeringend nach Wahlhelfern und Parteien kämpfen mit der Kandidatenakquise.
Staatsgerichtshof erklärt Wahlrechtsreform für verfassungswidrig
Der Hessische Staatsgerichtshof hat am 28. Januar die von CDU und SPD im März 2025 beschlossene Reform des Kommunalwahlgesetzes für verfassungswidrig erklärt. Die Koalition wollte vom Hare-Niemeyer-Verfahren zum d'Hondt-Verfahren zurückkehren, um einer Zersplitterung in kommunalen Parlamenten entgegenzuwirken. Die Richterinnen und Richter erklärten die neue Regelung eineinhalb Monate vor der Kommunalwahl für nichtig. Bei der Wahl am 15. März bleibt es damit beim bisherigen Hare-Niemeyer-Verfahren.
Staatsgerichtshof-Präsident Wilhelm Wolf begründete das Urteil damit, dass die Reform zu einer "systematischen Verzerrung" zuungunsten kleinerer Parteien führe. Das verstoße gegen die Wahlgleichheit: Alle Parteien müssten gleiche Erfolgschancen haben und jede Stimme müsse gleich viel wert sein. Das Hare-Niemeyer-Verfahren sei gegenüber allen Parteien neutral und bewirke eine mathematisch exaktere Übertragung der Stimmenverhältnisse.
Lokal-O-Mat für Kommunalwahlen Hessen 2026 startet im Februar
Erstmals können Wählerinnen und Wähler bei den Kommunalwahlen Hessen 2026 in vier Städten den Lokal-O-Mat nutzen. Die Hessische Landeszentrale für politische Bildung entwickelt gemeinsam mit der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf Versionen für Frankfurt, Fulda, Marburg und Kassel. Das Tool funktioniert ähnlich wie der Wahl-O-Mat bei Bundestags- und Landtagswahlen. Seit dem 18. Februar ist der Lokal-O-Mat nutzbar.
Bürgerinnen und Bürger können ihre Positionen zu 30 kommunalpolitischen Thesen mit denen der antretenden Parteien und Wählergruppen vergleichen. Jede Version enthält neben allgemeinen Themen städtespezifische Thesen zum lokalen politischen Geschehen.
„Vielen Menschen fällt der Zugang zu Kommunalwahlen schwer, weil sich die Informationsbeschaffung oft schwieriger gestaltet als auf anderen Ebenen“, sagte Projektleiter Stefan Marschall. „Das wollen wir mit unserem Tool ändern.“
Bei den Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen 2025 nutzten rund 420.000 Menschen den Lokal-O-Mat.
Hessische Kommunen suchen Wahlhelfer
Hessens Städte und Gemeinden werben intensiv um ehrenamtliche Wahlhelferinnen und Wahlhelfer. Wiesbaden sucht rund 2.500 Helfer, Rüsselsheim benötigt etwa 500, Oestrich-Winkel zwischen 150 und 180. Selbst kleinere Gemeinden wie Nauheim brauchen 75 Wahlhelfer.
Die Anforderungen sind einheitlich: Wahlhelferinnen und Wahlhelfer müssen am Wahltag 18 Jahre alt sein und die deutsche Staatsangehörigkeit oder die eines anderen EU-Mitgliedstaats besitzen. Als Aufwandsentschädigung zahlen die Kommunen ein Erfrischungsgeld zwischen 35 und 80 Euro, je nach Funktion und Stadt.
Der Einsatz beginnt am 15. März um 7:30 Uhr in den Wahllokalen beziehungsweise um 14.30 Uhr im Rathaus für die Briefwahlbezirke. Aufgrund der Möglichkeit zum Kumulieren und Panaschieren wird ein Großteil der Stimmzettel erst an den Tagen nach dem Wahltag ausgezählt. Für die Auszählungswahlvorstände werden von Montag, 16. März, bis Mittwoch, 18. März, zusätzliche Helferinnen und Helfer benötigt.
Die Kommunalwahlen 2026 in Hessen erfordern einen außergewöhnlich hohen Personaleinsatz. Viele Kommunen appellieren an Freiwillige, sich zu melden. Nur so könne vermieden werden, dass wahlberechtigte Bürger zum Dienst verpflichtet werden müssen.
Kandidatensuche für Kommunalwahl: Parteien kämpfen um Listen
Parallel zur Wahlhelfersuche kämpfen Parteien und Wählergruppen mit der Kandidatenakquise. Viele Ortsverbände haben Schwierigkeiten, ihre Listen zu füllen. Das politische Klima ist rauer geworden. Laut Befragungen berichten 64 Prozent der Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitiker von Beschimpfungen oder Bedrohungen. In Großstädten liegt der Anteil noch höher.
Die Frist zur Einreichung von Wahlvorschlägen endete am 5. Januar 2026 um 18 Uhr – 69 Tage vor der Wahl. Damit bleiben den Parteien und Wählergemeinschaften noch zweieinhalb Wochen. Wobei sich während der Weihnachtszeit vermutlich nur noch wenig auf die Beine stellen lässt.
4,7 Millionen Wahlberechtigte bei Kommunalwahlen in Hessen 2026
Bei den Kommunalwahlen 2026 sind etwa 4,7 Millionen Hessinnen und Hessen wahlberechtigt. Das sind rund 100.000 weniger als bei den letzten Kommunalwahlen 2021. Unter den Wahlberechtigten befinden sich etwa 4,2 Millionen Deutsche und rund 430.000 Bürgerinnen und Bürger aus anderen EU-Mitgliedstaaten.
Knapp 260.000 junge Bundesbürger sind erstmals zur Wahl kommunaler Parlamente aufgerufen. Eine Besonderheit: Es gibt diesmal keine Erstwähler. Da bei der Europawahl 2024 bereits 16-Jährige wählen durften, haben alle Jungwähler zumindest potenziell bereits Wahlerfahrung.
Wahlalter bei Kommunalwahlen in Hessen bleibt bei 18 Jahren
Anders als in vielen anderen Bundesländern hält Hessen bei den Kommunalwahlen am Wahlalter ab 18 Jahren fest. Im Oktober lehnte der Landtag einen Antrag der Grünen ab, das Wahlalter auf 16 Jahre zu senken. Innenminister Poseck begründete dies mit der notwendigen Reife für Wahlentscheidungen. Die Mehrheit der Bundesländer erlaubt bei Kommunalwahlen bereits das Wählen ab 16 Jahren.
87 Kommunen wählen Ausländerbeiräte
In 87 Kommunen werden während der Kommunalwahlen auch Ausländerbeiräte neu gewählt – Gremien, die die Interessen der rund 1,35 Millionen Menschen ohne deutschen Pass vertreten. Wahlberechtigt sind alle ausländischen Einwohnerinnen und Einwohner ab 18 Jahren, kandidieren dürfen auch Eingebürgerte und Doppelstaatler. Die ehrenamtlichen Beiräte haben kein Stimmrecht in den Kommunalparlamenten, wirken aber beratend auf Themen wie Integration, Bildung und Antidiskriminierung ein. Alternativ können Kommunen statt eines gewählten Ausländerbeirats eine Integrationskommission einsetzen – in Hessen haben sich aktuell 100 Kommunen dafür entschieden.


