Zugegeben: Nicht alle Toilettenräume sehen so eklig ist. Dennoch verschlingen die Toiletten vielerorts Geld.

Schultoiletten in katastrophalem Zustand!

An keinem anderen Ort spürt man die Finanznot der Kommunen stärker als auf den Schultoiletten. Häufig sind sie sie verdreckt, veraltet und in schlechtem Zustand. Doch einige Schulen probieren es mit neuen Konzepten – und haben großen Erfolg.

Beschmierte Toiletten, verkrustete Wasserhähne und Urin, der sich in Pfützen am Boden sammelt – an vielen deutschen Schulen sind die Toiletten in schlechtem Zustand. An keinem anderen Ort spürt man die Finanznot der Kommunen so stark wie hier. Und das hat unangenehme Folgen: In einer Umfrage von Stern TV gaben 12,3 Prozent der Eltern an, dass ihr Kind nie auf die Schultoilette gehe; 51 Prozent sagten, dass ihr Kind den Gang zur Toilette nach Möglichkeit vermeide. Das hat psychische und physische Konsequenzen. Denn Kinder, die den Stuhlgang immer wieder unterdrücken, können chronische Verstopfung bekommen, die in ernsthaften Darm-Erkrankungen enden kann.Die Toiletten führen nicht nur bei den Schülern, sondern auch bei den Lehrern zu Ekel. Viele wollen nicht an einer Schule unterrichten, an der die Toiletten in so einem schlechten Zustand sind.

Schultoilette: Führt eine Schul-Klofrau zu einer Zwei-Klassen Gesellschaft?

Einige Schulen versuchen das Problem mit eigenen Konzepten zu bekämpfen. So sitzt jetzt an der Alfred-Wegener-Gesamtschule im hessischen Kirchhain eine Schul-Klofrau. Von 8:15 Uhr bis 13 Uhr putzt sie die Schultoiletten, füllt die Seifenspender auf und legt Papierhandtücher aus. Für ihren Service bekommt die Klofrau ein Gehalt von 900Euro brutto, das der Landkreis zu einem Teil übernimmt. Den Rest verdient sie durch eine Gebühr von 10 Cent, die ihr die Schüler pro Klobesuch bezahlen. Doch während einige Eltern begeistert von dem Konzept sind, kritisieren andere, dass die Klogebühr den Anschein einer Zwei-Klassen-Gesellschaft erweckt. Der Schulleiter Matthias Bosse kann dieser Kritik allerdings nicht viel abgewinnen:„Erstens tun 10 Cent niemandem weh. Und zweitens bieten wir den Schülern auch weiterhin kostenlose, unbetreute Toiletten an, auf die sie gehen können.“ Insgesamt scheint das Konzept jedoch mehr Befürworter als Kritiker zu haben. So zeigte sich auch der Landkreis begeistert von dem Bezahlsystem und will es an drei weiteren Schulen einführen. Doch nicht überall funktioniert die Umsetzung. Die Schüler der Marie-Sibylla-Merian-Gesamtschule in Bochum ebenfalls eine Gebühr von 10 Cent für saubere Schultoiletten zahlen. Doch die Schulaufsichtsbehörde entschied sich dafür, das Zwei-Klassen-System zu stoppen. Andere Schulen haben das Bezahlmodell für sich entdeckt, versuchen regelmäßig Geld für die Schultoiletten zu sammeln – häufig ohne damit diejenigen zu Kasse zu bitten, die kaum Geld haben. So können diejenigen, die nichts spenden, das frisch renovierte Klo trotzdem benutzen. Andere Schulen hingegen befreien die Eltern von der Klogebühr, die Hartz 4 erhalten oder nur knapp über dem Existenzminimum leben.

Einfach mal ein Konzept ausprobieren? Aber klar doch!

Gänzlich andere Konzepte verfolgen drei Schulenin Neuss. Die Pestalozzi-Grundschule zum Beispiel führte vor einem Jahr ein Belohnungssystem ein: Wenn die Schüler es geschafft haben, die Schultoiletten für zwanzig Unterrichtstage gut zu behandeln, gab es am darauffolgenden Freitag „Hausaufgabenfrei“.

Heute hat sich die Schule allerdings von dem Konzept verabschiedet. „Wir halten diese Methode nicht für pädagogisch sinnvoll“, erklärt die Schulleiterin Maria Meyen gegenüber KOMMUNAL. „Wir wollen, dass sich die Schüler auch ohne Belohnung benehmen und führen dieses Konzept deshalb nicht mehr fort. Außerdem war die Überprüfung viel zu aufwendig, sodass wir die damit zusammenhängenden Aufgaben garnicht auf Dauer leisten konnten“, schildert Meyen. Anstatt des Belohnungssystems erstellt ihre Schule heute Listen, in die sich jeder Schüler vor seinem Klobesuch einträgt. Sollten die Schüler die Toiletten wider Erwarten zerstören, können die Lehrer anhand ihrer Listen Zeitraum und Verantwortliche enger einkreisen. Die Schüler wissen, dass das Risiko erwischt zu werden, damit ansteigt und benehmen sich besser. An der St. Peter-Grundschule wurden die Toiletten nicht nur renoviert, sondern in „Erlebniswelten“ umgestaltet. Dazu bemalten die Schüler die Toilettenräume zu den Themen Fußball, Dschungel, Unterwasserwelt und Weltall. Dadurch sollte die Identifikation mit den Klos erhöht werden. Solche Toiletten dürften bei Kindern gut ankommen. Dennoch stellt sich die Frage, wie Jugendliche auf solche „Erlebniswelten“reagieren. Hat das Konzept auch bei ihnen Erfolg? Oder sind sie schon zu alt dafür? An der Gesamtschule in Erft, die ebenfalls in Neuss ist, schließen die Lehrer die Toiletten auf. Jede Klasse hat eine eigene Toilette. Findet Unterricht statt, können sich die Schüler die Schlüssel für die Toilette im Sekretariat abholen. Dadurch konnte die Anzahl der Verschmutzungen ebenfalls reduziert werden.

Schultoiletten verschlingen MILLIONEN!

Das Toilettenthema ist gewiss kein neues Thema. Dennoch stinkt es vielen Kommunen zum Himmel. Denn die Sanierung der Schultoiletten verschlingt viel Geld. So hatte die Stadt Neuss im letzten Jahr 2,1 Millionen Euro in die Sanierung der Toiletten gesteckt, Berlin rund 12 Millionen Euro und die Stadt Essen sogar 6,5 Millionen Euro. Doch häufig ist es mit einer einfachen Renovierung nicht getan. Denn während die 50 Jahre alten Toiletten in manchen Schulen überhaupt nicht riechen, sehen die Toiletten anderer Schulen schon nach zehn Jahren wieder katastrophal aus. Doch der schlechte Zustand hat häufig mehrere Gründe. Angela Kool, offizielle Reinigungsberaterin der Stadt Köln, ist in Schulklassen unterwegs und bringt den Kindern bei, wie man auf Toilette geht. Dazu zeigt sie den Kindern zehn Bilder, auf denen die einzelnen Schritte abgebildet sind. Also das Öffnen der Toilette, das Hinsetzen, das Abwischen usw. Was sie dabei herausfand, ist erschreckend: Die Hälfte der Kinder macht mehr als zwei Fehler. Viele Kinder wissen also gar nicht, wie sie eine Toilette richtig benutzen sollen. Zudem sind die Schultoiletten aber auch viel zu hoch oder tief angebracht, sodass die Schüler ihr Geschäft gar nicht erledigen können, ohne dass sie daneben urinieren.

Keine Fliesen mehr in der Schultoilette verlegen!

Das Problem dabei: In den Toilettenräumen sind häufig Fliesen verlegt. Doch sobald der Schüler daneben pinkelt, setzt sich der Urin in den Fugen fest, die nur schwer zu reinigen sind. Die Folge: Die Toilettenräume beginnen zu stinken. Viele Eltern und Schüler wollen diese Situation aber nicht mehr hinnehmen. In Frankfurt haben Eltern und Schüler nun eine Online-Petition gestartet, mit der sie Druck auf die Verantwortlichen des Bauamts ausüben wollen. Und tatsächlich reagiert die Stadt und verspricht, schnell zu handeln. Die Eltern der Online-Petition kritisieren nicht nur, sondern liefern den Verantwortlichen auch Gründe für die Probleme und Lösungsvorschläge an die Hand: Immer mehr Schüler werden auf engerem Raum unterrichtet und bleiben nicht mehr nur noch von 8 bis 13 Uhr, sondern bis 17 Uhr in der Schule. Verträge mit den Reinigungsfirmen, die die Toiletten säubern, wurden jedoch nicht an die neuen Unterrichtszeiten angepasst. In Köln wollte die SPD deshalb, dass die Reinigungsfirmen anstatt einmal pro Tag auch ein zweites Mal die Schultoiletten reinigen. Doch das hätte die Stadt eine Million Euro mehr im Jahr gekostet. Der Vorschlag wurde abgelehnt. Aufgeben? Will man mancherortsaber trotzdem nicht. So sammelten die Schüler einer nordrhein-westfälischen Schule selber Geld, suchten sich Sponsoren und renovierten ihre Toiletten mit der Unterstützung eines Architekten auf eigene Faust. Ganz nach dem Motto: geht nicht, gibt’s nicht.

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