3.150 Pflegestellen in deutschen Intensivstationen sind derzeit unbesetzt. © Cathy Yeulet/123rf

Intensivstationen fehlt Pflegepersonal

"Es ist Zeit, dass Politik und Kostenträger ihre Verantwortung für die Pflegekräfte übernehmen", sagt Thomas Reumann, Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft. Das in dieser Woche herausgegebene Gutachten "Personalsituation in der Intensivpflege und Intensivmedizin" hatte gezeigt, dass tausende Stellen in der Pflege und hunderte Ärztestellen in den Intensivstationen unbesetzt sind.

"Wir müssen aufhören den Beruf der Pflege schlechtzureden", meint DKG-Präsident Thomas Reumann. Nachdem die repräsentative Studie des Deutschen Krankenhausinstituts zeigte, wie viele Stellen auf Intensivstationen unbesetzt bleiben, definiert Reumann Forderungen an die Politik. "Gesundheitspolitik muss widerspruchsfreier werden", fordert er. "Wer mehr Personal und Personaluntergrenzen fordert, muss auch die Refinanzierung sichern. Wir brauchen die Unterstützung der Politik, um dem sich verschärfenden Fachkräftemangel entgegenwirken zu können." Im Einzelnen stellt Reumann vier Forderungen:

  1. Das Intensivpersonal - ob Ärzte oder Pflegkräfte - entlasten
  2. Die Bürokratie auf den Intensivstationen abbauen
  3. Die Digitalisierung durch Förderprogramme vorantreiben
  4. Die Finanzausstattung der Krankenhäuser verbessern

Auch der Deutsche Verband der Pflegeberufe sieht einen Handlungsbedarf: „An der Fluktuation und einer Vielzahl unbesetzter Pflegestellen lässt sich inzwischen ablesen, dass Pflegefachpersonen nicht länger bereit sind, sich unter Wert zu verkaufen und miserable Bedingungen hinzunehmen“, sagt DBfK-Sprecherin Johanna Knüppel. „Über Jahre hat man ignoriert, dass Patienten in den Kliniken nicht nur Ärzte und Technik, sondern vor allem kompetente und verlässliche Pflege brauchen." Der DBfK sieht jedoch primär die Krankenhäuser in der Pflicht ihrem Pflegepersonal bessere Bedingungen zu schaffen. Er fordert die vom Bundestag verabschiedeten Personaluntergrenzen konsequent auszubauen. Das Gutachten präsentiert jedoch nicht nur negative Ergebnisse: Die Intensivpflege der Krankenhäuser ist nach wie vor als gut zu bezeichnen. Auf eine Pflegekraft kommen in einer Schicht 2,2 Patienten. Die Empfehlung der "Fachgesellschaft Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin" liegt bei zwei Patienten. Eine angemessene Betreuung der Patienten ist auf den Intensivstationen also weiterhin gegeben.

Intensivstationen kriegen ihre Stellen nicht besetzt

Gleichzeitig erfüllen jedoch 25 Prozent der Krankenhäuser die Fachkraftquote in der Intensivpflege nicht. 3.150 Stellen und damit sechs Prozent der Vollzeitstellen sind momentan unbesetzt. 53 Prozent der Krankenhäuser haben 2016 angegeben, sie hätten Probleme ihre Pflegestellen im Intensivbereich zu besetzen. 2009 waren es noch 22 Prozent. Im Bereich der Ärztestellen sehen die Zahlen besser, jedoch ebenfalls besorgniserregend aus. Hier sind derzeit 600 Stellen und damit vier Prozent der Vollzeitstellen unbesetzt. Auch der Hauptgeschäftsführer der DKG, Georg Baum, hofft auf mehr finanzielle Hilfen: "Eine wichtige Voraussetzung, um künftig mehr attraktive Arbeitsplätze in der Pflege anbieten zu können, ist eine gesicherte Refinanzierung der Kosten, beispielsweise in Form eines Tarifausgleichs."