Immobilienmarkt
Kaufen Sie Ihr eigenes Dorf – vom Schnäppchen bis zum Millionenprojekt
Wollten Sie schon immer Ihr eigener Bürgermeister sein? Dann hätten wir da ein Immobilienangebot der etwas anderen Art. Im kleinen Ort Swett im US-Bundesstaat South Dakota stand tatsächlich ein komplettes Dorf zum Verkauf – für gerade einmal 250.000 Dollar. Frei erhältlich auf dem Immobilienmarkt. Und das Dorf hat sogar einiges zu bieten: eine Tankstelle, eine Bar, ein kleines Museum und einen Laden. Der einzige kleine Haken: Einwohner sucht man dort vergeblich. Dafür können Sie sich Ihre künftigen Mitbürger gleich selbst aussuchen. Die Wiederwahl dürfte damit praktisch Formsache sein.
Um sich für den Verkauf herauszuputzen, investierte der Bundesstaat sogar noch in neue Ortsschilder. Die alten waren von Schusslöchern übersät – ein Detail, das zumindest den Wildwest-Charme des Ortes unterstreicht. Zum Angebot gehörten außerdem ein leerstehendes Wohnhaus und eine Garage. Vor dem Preissturz hatten die Makler noch rund 400.000 Dollar verlangt. Offenbar gilt selbst auf dem Dorfmarkt das alte Börsensprichwort von André Kostolany: Greifen Sie niemals in ein fallendes Messer.
Doch Swett ist längst kein Einzelfall. Immer wieder landen ganze Dörfer, ehemalige Werkssiedlungen oder verlassene Ortsteile auf dem Immobilienmarkt. Hinter den kuriosen Angeboten stecken meist handfeste Gründe: Strukturwandel, Abwanderung, der Niedergang von Bergbau oder Industrie oder schlicht fehlende wirtschaftliche Perspektiven.
Ganze Orte wechseln den Besitzer
International gibt es zahlreiche weitere Beispiele. In Spanien werden seit Jahren verlassene Dörfer angeboten, teilweise für den Preis eines Einfamilienhauses. Viele dieser Orte litten unter der Landflucht des 20. Jahrhunderts. In Italien versuchen zahlreiche Gemeinden sogar, ihre historischen Ortskerne durch symbolische Kaufpreise von einem Euro wiederzubeleben – verbunden mit der Verpflichtung, die Gebäude umfassend zu sanieren.
In den USA wechseln immer wieder ehemalige Goldgräberorte oder Bergbausiedlungen den Besitzer. Manche entwickeln sich anschließend zu Touristenattraktionen, andere dienen als Filmkulissen oder außergewöhnliche Veranstaltungsorte. Was zunächst wie eine verrückte Idee klingt, kann sich mit einem überzeugenden Nutzungskonzept durchaus rechnen.
Eine Chance für kreative Kommunen
Auch für deutsche Städte und Gemeinden lohnt sich der Blick auf solche Projekte. Der demografische Wandel hinterlässt vielerorts Leerstand. Gleichzeitig suchen Familien bezahlbaren Wohnraum, Unternehmen neue Standorte und Investoren außergewöhnliche Immobilien. Wo früher der Abriss drohte, entstehen heute manchmal Hotels, Kulturzentren oder moderne Wohnquartiere.
Natürlich ersetzt ein neuer Eigentümer keine funktionierende Dorfgemeinschaft. Infrastruktur, Arbeitsplätze und ehrenamtliches Engagement lassen sich nicht einfach mitkaufen. Dennoch zeigen die Beispiele eindrucksvoll, dass selbst aufgegebene Orte eine zweite Chance erhalten können – vorausgesetzt, Idee, Kapital und ein langer Atem kommen zusammen.
Und wer weiß: Vielleicht steht das nächste Dorf schon bald wieder im Internet zum Verkauf. Die wichtigste Frage lautet dann nicht, wie viele Häuser dazugehören. Sondern wer den Mut hat, daraus wieder einen lebendigen Ort zu machen.