Öko-Kita aus Holz
Die Kita ist aus Massivholz und wurde von der Stadt geplant und umgesetzt.
© Lukas Huneke

Erneuerbare Energien

Eine Vorzeige-Kita ganz aus Holz

18. Dezember 2021
Planungskompetenz im Rathaus: Eine Kleinstadt in Rheinland-Pfalz hat eine Kita aus Holz in Eigenregie gestemmt. Was heute Kita ist, könnte bei Bedarf später als Seniorenheim genutzt werden. Mitgedacht haben die Planer das jedenfalls schon. Ein Projekt in Wittlich in der Eifel.

Marc Wilhelm Lennartz

Während andernorts in Groß- und Millionenstädten finanzkräftige Investoren, private und öffentliche Wohnungsbaugesellschaften das Baugeschehen beherrschen, beschreitet die Kreisstadt Wittlich in der Südeifel alternative Wege. Der Bau der neuen Kita erfolgte von der Finanzierung über die Planung bis zur Umsetzung in Eigenregie. Hier hatte von Anfang an die Stadt den Hut auf – dank holzbaufachlicher Planungskompetenz im eigenen Rathaus. Das knapp 20.000 Einwohner zählende Wittlich liegt in einem Seitental der Mosel und bildet einen südwestlichen Fixpunkt der Eifel. Das Mittelzentrum zwischen Koblenz und Trier gilt als ebenso wirtschafts- wie familienfreundlicher Standort.

Nachfrage an Plätzen für Kita steigt

Viele Landkommunen haben mit Schrumpfungsprozessen zu kämpfen, Wittlich aber kann auch aufgrund von Zuwanderungen, einen leichten Bevölkerungszuwachs vermelden. Dadurch stieg die Nachfrage an Kita- und Kindergartenplätzen, die zum Neubau der integrativen Kindertagesstätte geführt haben. Mit dem Neubau konnte die Betreuung der Nachfrage entsprechend von 50 auf rund 100 Ganztagesplätze vergrößert und die Zahl der Gruppen auf 8 erhöht werden. Insgesamt begleiten nun 28 Erzieherinnen 150 Kinder ab dem Alter von 2 Jahren. Sämtliche Plätze waren bereits zum Zeitpunkt der Eröffnung ausgebucht. Die Finanzierung des Bauvorhabens erfolgte über die stadteigene Stiftung Wittlich, unter Beteiligung des Landes Rheinland-Pfalz und des Kreises Bernkastel-Wittlich. Die Bauweise folgt dabei der Satzung der Stiftung, die den Faktoren ‚Umwelt‘ und ‚Soziales‘ explizit Vorrang gibt, und verknüpfte mithilfe des nachwachsenden Baustoffes Holz in einem Prozess das Gemeinschaftliche mit dem Ökologischen.

Massivholzbau mit weißem Außenputz

Die Kita wurde auf einer Fläche von 6.750 Quadratmeter auf dem Gelände des alten, aus der Zeit gefallenen Sportplatzes errichtet. Dessen alter Oberbau, bestehend aus vulkanischen Aschen und Schlacken, konnte recycelt und unter Hinzufügung von Lavasanden zum Aufbau des Untergrunds wiederverwendet werden. Darauf platzierte man den in Teilen zweigeschossigen Massivholzbau, der mit ökologischen Holzweichfaserplatten gedämmt wurde. Während die Innenräume weitestgehend von sichtoffenen Oberflächen aus Fichtenholz determiniert werden, zeigt sich die zurückhaltende Kubatur der Kita im Außenbereich auf diverse Weise: weißer Außenputz prägt das freundlich-einladend anmutende Erscheinungsbild des durch höhenversetzte Dachebenen aufgelockerten Gebäudeensembles. Von farbenfrohen Quadraten zwischen den Fenstern dezent kontrastiert, gehören die Übergänge, Zwischenräume und Gebäuderücksprünge wiederum dem Holz: eine horizontale Rhombusschalung aus Lärchenholz akzentuiert den stimmigen Gesamtcharakter des Massivholzbaus.

So ist die Kita aufgebaut

Die räumliche Struktur der Kita beruht auf einem zweigeschossigen Kern, der sich aus einem großen Mehrzweckraum und zwei Mensen nebst Empfangsbereich und Büros mit Sozialräumen zusammensetzt. Dazu kommen drei Spielflure, zwei Schlafbereiche, die Verwaltungsbüros, ein Therapieraum für Kinder, sowie eine moderne Großküche, in der täglich 150 Mahlzeiten frisch gekocht werden. Um dieses Zentrum gruppieren sich acht, über Wege und Plätze miteinander verbundene, eingeschossige Einheiten, die den jeweiligen Kita-Gruppen zur Verfügung stehen.

Im Inneren der Kita verlegte man einen Bodenbelag aus Kautschukbahnen. Dessen dichte, schmutzabweisende Oberfläche ist rutschfest, geräuscharm und elastisch, zudem frei von PVC und Weichmachern, emissionsarm und schwer entflammbar – ideal für Kitas und deren hohe Dauerbeanspruchung. Ferner konnten die Böden der acht Garderobenbereiche in denselben Farben wie die Eingangstüren der jeweiligen Gruppenräume ausgeführt werden.

Dabei dient die Farbgebung an Fenstern und Zugangstüren den Kindern zur Orientierung, und wirkt zugleich identitätsfördernd. Von hier aus gelangen sie direkt auf das frei bespielbare Außengelände, wo sämtliche Gruppen zueinander finden können. Zugleich vermag das Farbsystem auch älteren Semestern und Demenzpatienten Halt und Orientierung zu vermitteln, als die Kita in seiner langfristig ausgelegten Planung dereinst bei Bedarf ohne große Umbauten auch als Seniorenheim genutzt werden könnte. Mit dieser durchdachten Perspektive, die dem demographischen Wandel in barrierefrei gebauter Form Rechnung trägt, haben sich die Baukosten noch einmal ganz anders darstellen lassen.

Kita von aussen Wittlich
Die Holz-Kita erhielt einen weißen Außenputz.

PV-Anlage auf dem Dach

Das energetische Versorgungskonzept basiert auf einer oberflächennahen Geothermie, die mittels acht Bohrungen in etwa 100 Meter Tiefe über Erdsonden die Kita mit Erdwärme versorgt. Hierbei verdichtet eine Sole-Wasser-Wärmepumpe die Wärmeenergie und überträgt diese mit einer Vorlauftemperatur von 35 Grad Celsius in die Fußbodenheizung. Das System wurde dual ausgelegt und übernimmt zugleich die sommerliche Kühlung. Unterstützung erfährt das System von einer kontrollierten Lüftungsanlage via Nachtauskühlung. Sie verfügt zudem über eine Wärmerückgewinnung und komplettiert gemeinsam mit der sparsamen LED-Beleuchtung das Versorgungsmosaik. Da die gesamte Gebäudetechnik strombetrieben wird, hat man zur Minimierung des Netzbezugs auf dem Hauptdach eine PV-Anlage mit einer Leistung von 9,80 kWp installiert. Diese liefert exakt zu Zeiten des größten Verbrauchs am meisten Strom: tagsüber, insbesondere in der Mittagszeit, wenn gekocht wird.

Auszeichnung für Kita-Bau

Der Architekt Christian Gerhardy vom Bauamt der Stadt Wittlich hat das gesamte Bauvorhaben von der Entwurfsplanung über die Bauleitung bis hin zur Eröffnung federführend projektiert. Sein Fazit kommunaler Planungshoheit stellt die Vielfalt in den Mittelpunkt: „Für mich liegen die Vorteile in dem facettenreichen Aufgabengebiet und der planerischen Freiheit unter Einhaltung der wirtschaftlichen Mittel. Bei der Planung solcher Großprojekte mit den hohen ökologischen Details kann eine Stadt wie Wittlich eine Vorbildfunktion in Sachen Umwelt- und Klimaschutz einnehmen. Das machte die Projektbearbeitung sehr abwechslungsreich und vielfältig.

Architekt Christian Gerhardy

Bei der Planung solcher Großprojekte kann eine Stadt wie Wittlich eine Vorbildfunktion in Sachen Umwelt- und Klimaschutz einnehmen.“

Christian Gerhardy, Architekt im Bauamt

In großen Architekturbüros werden durch die Mitarbeiter oft nur Teilbereiche der einzelnen Leistungsphasen bearbeitet oder der Projektleiter übernimmt eher die Koordinierungsaufgaben ohne selbst planerisch tätig zu werden.“ Beim Bau der Kindertagesstätte wurden rund 477 m³ an massivem Holz verarbeitet. Dies entspricht einem Kohlenstoffanteil, aus dem Holz zu 50 Prozent besteht, von umgerechnet 119 Tonnen, woraus eine CO₂Speicherung von über 437 Tonnen resultiert. Kein Wunder, dass die Energieagentur RheinlandPfalz das Bauwerk mit der Klimaschutzplakette „H.ausgezeichnet“ prämiert hat.

Fotocredits: FOTOS / Lukas Huneke/Nadja Gerhard