Kita oeffnen Betreuung
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Reguläre Öffnungszeiten

Kitas öffnen für alle Kinder - die Herausforderung im Überblick

Immer mehr Kitas in Deutschland bieten wieder eine Betreuung für alle Kinder an. Doch schätzungsweise fehlt bis zu ein Drittel der Erzieherinnen und Erzieher. Was das für den Kita-Betrieb bedeutet. Ein Bundesländer-Überblick.

Hinter den Eltern liegen schwierige Wochen in der Corona-Krise. Viele mussten die Mega-Herausforderung bewältigen, im Homeoffice Kind und Beruf gleichzeitig gerecht zu werden. In Brandenburg läuft der Kita-Betrieb bereits seit Mitte Juni wieder regulär, in anderen Bundesländern warten Eltern und Kinder aber teilweise immer noch sehnsüchtig darauf, dass ihre Einrichtung wieder komplett aufmacht.

Der Neustart klappt nicht überall so problemlos wie in der  brandenburgischen Stadt Teltow: Als die elf kommunalen Kitas nach den Einschränkungen in der Corona-Hochphase wieder  öffneten, fehlte es nicht an Personal, um rasch zur Normalität zurückzukehren. "Von unseren Erzieherinnen gehört nur eine Mitarbeiterin der Risikogruppe an", zeigt sich Katrin Lippisch, Werkleiterin des Kita-Eigenbetriebs "MenschensKinderTeltow" erleichtert. Der Neustart nach 13 Wochen Zwangspause gelang: "Alle freuten sich, dass wir wieder starten können", sagte Lippisch  zu KOMMUNAL. Die Stimmung sei gut, auch wenn weiterhin besondere Regelungen gelten. Zum Beispiel werden keine Ausflüge gemacht, bei denen die Kinder in den Bus oder die Bahn steigen müssten und die Eltern müssen beim Bringen und Abholen der Kinder Mundschutz tragen.

In Bayern öffnen Kitas jetzt wieder

In Bayern bieten die Kitas seit 1. Juli die Betreuung wieder für alle Kinder an.  „Eine Maximalgruppengröße wird seitens des Bayerischen Familienministeriums nicht vorgegeben, teilte eine Sprecherin KOMMUNAL auf Anfrage mit. Sie verwies darauf, dass dies die jeweilige Kita selbst entscheiden könne – je nach personeller und räumlicher Ausstattung. Sie fügte hinzu: „Wir empfehlen aber, feste Gruppen zu bilden, um eventuelle Infektionsketten schnell nachvollziehen zu können.“ Kinder mit Krankheitssymptomen müssen zuhause bleiben.

Berlin: Tests für alle Erzieher

In Berlin dürfen alle Kinder seit 22. Juni wieder in die Kitas. "In der Zeit bis 31. Juli soll sich der Betrieb weiter stabilisieren", sagte ein Sprecher. Da die Pandemie nicht beendet ist, gelten weiterhin besondere Bedingungen: So sollen - soweit wie möglich - die Kinder in stabilen Gruppen betreut werden. Wenn die Kinder gebracht und abgeholt werden, sollen Eltern und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter möglichst wenig Kontakt haben. Gespräche sollten lieber telefonisch geführt werden. In der Hauptstadt dürfen sich nun auch symptomfreie Erzieher auf das Corona-Virus testen lassen.

Baden-Württemberg: Notbetreuung entfällt

In Baden-Württemberg startete der Kita-Regelbetrieb  am 29. Juni. Die Entscheidung fiel, nachdem eine Studie des Univeristitätsklinikums Heidelberg im Auftrag der Landesregierung bestätigt hat: Kinder unter zehn Jahren haben einen sehr viel geringeren Anteil am Pandemiegeschehen als ursprünglich angenommen. Sie erkranken deutlich seltener und haben dann meist mildere Verläufe mit wenigen oder gar keinen Symptomen.

Somit entfällt von jetzt an die Notbetreuung. Im Regelfall besuchen die Kinder die Gruppe, die sie vor Schließung der Kita besucht haben. Neuaufnahmen von Kindern könnten wieder erfolgen, teilte das zuständige Kultusministerium mit. Die Kita-Träger in Baden-Württemberg haben dem Ministerium gemeldet, dass nicht in allen Einrichtungen das Personal vollumfänglich zur Verfügung steht, da etliche Beschäftige zu einer Risikogruppe zählen.

RKI passt Kriterien für Risikogruppen an

In der Zwischenzeit hat das Robert-Koch-Institut (RKI) seine Informationen zu den Risikogruppen an die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse übrigens angepasst. Eine generelle Festlegung zur Einstufung in eine Risikogruppe sei künftig nicht mehr möglich. Vielmehr soll das jeweilige Risiko für das Personal  medizinisch individuell eingeschätzt werden. Wie sie mit den neuen Richtlinie umgehen, sollen die Träger der Einrichtungen selbst entscheiden.

Flexibler Personalschlüssel in Baden-Württemberg

Um mehr Flexibilität zu ermöglichen,  können die Kita-Träger in Baden-Württemberg vom Mindestpersonalschlüssel um bis zu 20 Prozent abweichen. Dies ist befristet bis zum Ende des Kita-Jahres 2020/21. Für das Personal dürfte diese Regelung die Arbeitsbelastung noch weiter erhöhen, da so die Erzieherin oder der Erzieher für mehr Kinder in einer Gruppe zuständig ist.

Nordrhein-Westfalen: Kürzere Kita-Betreuungszeiten

In Nordrhein-Westfalen haben die Kitas schon seit Anfang Juni eingeschränkt wieder geöffnet, allerdings werden die Kinder zehn Stunden weniger betreut als die Eltern gebucht haben: etwa statt 46 Stunden 35 Stunden und statt 35 Stunden die Woche lediglich 25 Stunden. Die Regelung gilt zunächst weiter bis zum 31. August. Kitas, die sich mit ihrer räumlichen und personellen Kapazitäten in der Lage sehen, ein höheres Stundenangebot zu realisieren, können ein längeres Betreuungsangebot in Absprache mit den zuständigen Aufsichtsbehörden aber umsetzen. Als Regeln in den Kitas gelten:

  • Es gibt nur feste Gruppen, keine offenen Konzepte;
  • in jeder Gruppe wird mindestens eine Fachkraft eingesetzt;
  • die Gruppen sind weiterhin räumlich voneinander getrennt;
  • alle Kontakte müssen nachvollziehbar sein, die Hygienekonzepte eingehalten werden. 

Ärger um Masken-Bastel-Set an Kitas

Die Kita- Erzieher in NRW haben sich jüngst ziemlich gewundert - und mächtig geärgert. Das Ministerium hatte neben normalen Masken auch Masken an Kitas verschickt, die noch zusammengebastelt werden müssen. Familienminister Joachim Stampf entschuldigte sich nach negativen Reaktionen in einem Brief bei den Mitarbeitern mit folgenden Worten: "Sie sind keine Basteltanten und Bastelonkel, sondern hochqualifiziertes pädagogisches Personal bzw. Kindertagespflegepersonal. Ich kann nicht oft genug betonen, dass Sie herausragende Arbeit leisten!"

Hamburg:  Eltern von Kita-Beiträgen befreit

In Hamburg dürfen seit dem 18. Juni wieder alle Kinder die Kindertagesstätten besuchen - im eingeschränkten Regelbetrieb mit 20 Stunden pro Woche und Kind an möglichst drei Wochentagen. Bis die komplette Betreuung wieder läuft, sollen Eltern vom Kita-Beitrag befreit sein. Die Stadt erstattet den Trägern die Ausfälle der Elternanteile im Kita-Gutscheinsystem. Wann es wieder zu einen normalen Regelbetrieb geben könne, hänge vom Infektionsgeschehen ab, heißt es.

Wie geht es weiter in Sachsen-Anhalt und Thüringen?

In Sachsen-Anhalt haben seit 2. Juni  wieder alle Kinder die Möglichkeit, Kita und Hort zu besuchen. Allerdings auch eingeschränkt. Der komplette Regelbetrieb steht noch nicht fest.

Seit Mitte Juni sind in Thüringen die Kitas wieder täglich geöffnet. Darüber hinaus soll auch in den Sommerferien ein Betreuungsangebot gemacht werden.  Für das neue Schuljahr, das heißt ab 31. August 2020, ist die weitgehende Rückkehr zum vollen Regelbetrieb in allen Schulen und Kindergärten vorgesehen. Hohe Priorität hat bei allen Maßnahmen weiterhin der Infektionsschutz.

In Hessen Kitas schon geöffnet

In Hessen werden die Kitas ab dem 6. Juli wieder für alle Kinder geöffnet sein. Fachkraftschlüssel und Gruppengrößen können angepasst werden.

Rheinland-Pfalz: Kita-Rechtsanspruch gilt wieder ab 1. August

Rheinland-Pfalz will am 1. August zum vollständigen Kita-Betrieb zurückkehren. Wie aus einem Rundschreiben des Landesamtes für Soziales, Jugend und Versorgung  an die Kita-Träger hervorgeht, sei ab diesem Zeitpunkt der Rechtsanspruch der Kinder und der Betreuungsumfang gemäß den Betreuungsverträgen mit den Eltern wieder gültig.

In Niedersachsen sind Kitas für alle Kinder wieder offen

Seit 22. Juni sind die Kindertageseinrichtungen in Niedersachsen wieder für alle offen. Der feste Betreuungschlüssel ist vorerst aufgehoben. In einer Gruppe können Kinder  von weniger Erzieherinnen als üblicherweise betreut werden.

Städte- und Gemeindebund: In den Sommerferien investieren

Und wie sehen die Kommunen die Entwicklung? „In vielen Bundesländern wird aktuell intensiv daran gearbeitet, den Regelbetrieb in den Kindertageseinrichtungen wieder aufzunehmen. Dies ist verständlich, brauchen doch viele Kinder wieder die Sozialkontakte und das Bildungsangebot der Kitas, sagte Uwe Lübking, Dezernent beim Deutschen Städte- und Gemeindebund (DStGB) KOMMUNAL auf Anfrage. Als Beispiel nannte er die Sprachförderung.

Der Experte macht auch deutlich: "Die Regelöffnung wird jedoch nur bedingt möglich sein: Die Anzahl der Kinder und die verfügbaren Räumlichkeiten in den Kitas machen es sehr schwierig, die Hygiene- und Abstandsregelungen einzuhalten. Die Kitagruppen sollten strikt unter sich bleiben." Klar ist für ihn: "Je mehr jetzt in den Sommerferien in die räumliche Situation investiert werden kann, umso näher können wir den Regelbetrieb kommen."

Bis zu einem Drittel Kita-Personal könnte fehlen

Möglicherweise könne bis zu einem Drittel der Erzieherinnen und Erzieher, die etwa zu den Risikogruppen gehören, in den Einrichtungen nicht zur Verfügung stehen, schätzt der Dezernent ein.  "Von daher wird es schwierig, die Gruppen zu teilen, wenn dies nicht schon an der Raumfrage scheitert.", betonte Lübking. Er fordert: "Die Länder sollten - wo es noch nicht geschehen ist - aus diesem Grund für eine beschränkte Zeit den Personalschlüssel aufheben." Zudem sollten die Kindern - soweit und solange möglich -  im Freien betreut werden. Die Waldkindergärten bieten hier laut Lübking ein gutes Beispiel.

Kitas müssen punktuell schließen

In einigen Kommunen sei es leider notwendig, den angestrebte Regelbetrieb möglicherweise wieder zu unterbrechen oder zeitweise sogar auszusetzen. Das sei dann der Fall, wenn ein akutes Infektionsgeschehen vor Ort entsteht. "Vor diesem Hintergrund ist es erforderlich, auch nach räumlichen Ausweichmöglichkeiten für die Betreuung, wie etwa auch Containerlösungen  in den Blick zu nehmen", schlägt Lübking vor.

Kitaschließung: Klare Absprachen erforderlich

Die Länder müssten mit den Einrichtungsträgern klare Absprachen darüber treffen, wie mögliche punktuelle Kita-Schließungen, wie wir sie aktuell in einigen Städten erleben, ablaufen. So mussten zum Beispiel Kitas im Kreis Gütersloh nach dem schweren Corona-Ausbruch im Tönnies-Schlachthof schließen, um eine weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern. Im fränkischen Fürth hatte vorübergehend eine städtische Kindertagesstätte zugemacht, nachdem sich zwei Kinder mit dem Coronavirus angesteckt hatten.

Klare Linie bei Teststrategie gefordert

"Die Jugend- und Familienminister sollten sich jetzt auf klare Leitlinien und eine nationale Teststrategie an Kitas verständigen", appelliert Lübking. Der DStGB spricht sich zudem dafür aus, dass nicht nur bei vorliegenden bestätigten Fällen getestet wird, sondern darüber hinaus auch stichprobenbasierte Teststrategien in Kindertageseinrichtungen durchgeführt werden.“

Sommer-Schließzeiten für Kita aufgehoben

Viele Eltern sehen sich vor dem Problem, dass sie ihren Urlaub schon während der Corona-Zwangspause aufgebraucht haben, sofern sie keinen Anspruch auf eine Notbetreuung der Kinder hatten. Deshalb verzichten einige Kitas auf die Schließzeiten im Sommer. "Wir setzen in diesem Sommer unsere sonst übliche drei Wochen Schließzeit zum Ende der Sommerferien aus", verspricht auch Katrin Lippisch von den Kita-Eigenbetrieben im brandenburgischen Teltow.