Graffiti-Kunst an den Haltestellen der Thüringer Waldbahn. Sorgsam konzipiert und mühevoll gemalt, werden sie auch von den schlimmsten Schmierfinken gewürdigt.
Graffiti-Kunst an den Haltestellen der Thüringer Waldbahn. Sorgsam konzipiert und mühevoll gemalt, werden sie auch von den schlimmsten Schmierfinken gewürdigt.
© Thüringerwaldbahn und Straßenbahn Gotha GmbH

Schöne Stadt

Mit Kunst gegen Vandalismus

Nicht nur in Thüringen verursachen Schmierfinken und andere Formen von Vandalismus hohe Kosten. Die Thüringer Waldbahn hat eine charmante Lösung gefunden. Mit Graffiti-Kunst vom Örtlichen Kunstverein gegen den Vandalismus. Dabei spart die Verkehrsgesellschaft seit 10 Jahren massiv Kosten ein.

Viele Städte und Gemeinden haben ihre Stadtmöblierung mit viel Bedacht vorgenommen, doch immer wieder kommt es zu Vandalismus. Die Folge sind weitere Verschmutzungen und Beschädigungen im öffentlichen Raum. Seit den 1980er Jahren ist dieses Phänomen als Broken-Windows-Theorie bekannt und wurde vor allem unter dem New Yorker Bürgermeister Rudy Giuliani gemeinsam mit seinem Polizeichef in die so genannte Nulltoleranzpolitik umgesetzt. Doch wie verhindert man, dass die Fenster überhaupt zerschlagen werden, oder Zweckbauten beschmiert werden?

Mit den Endhaltestellen begann der Kampf gegen Vandalismus

Im thüringischen Kreis Gotha hat die Thüringer Waldbahn, welche die Straßenbahnen in der Umgebung betreibt, eine integrative Lösung gewählt. Gemeinsam mit einem örtlichen Kunstverein haben die kommunal betriebenen Nahverkehrsanbieter sieben gemauerte Haltestellen künstlerisch gestaltet. Genauer handelt es sich um detailreiche Graffiti, die jeweils zu den Haltestellengebäuden passend erstellt wurden. Alles Begann mit den Endhaltestellenhäuschen und den so genannten Unterwerken, die das Straßenbahnnetz mit Strom versorgen. 

Die Gestaltung jedes Häuschens hat ein Budget von 2.000 Euro erhalten und hat sich nach Angaben des Geschäftsführers Karl-Heinz Koch bewährt. Die Schäden durch Schmierereien haben deutlich abgenommen und obendrein haben andere Stellen der Stadt sowie im Landkreis die Wirkung bemerkt und ebenfalls Künstler engagiert. 

Motive die die Gegend aufgreifen

"Wir haben überall Motive gewählt, die auf die jeweilige Region eingehen. So prangt eine Forelle in der Nähe einer Fischzucht und ein Struwwelpeter an der Märchenwiese", berichtet Geschäftsführer Koch stolz gegenüber KOMMUNAL und fährt fort: "Seit wir das machen, haben wir keine keine Kosten und keine Probleme mehr."

Die Thüringer Waldbahn betreibt fünf Linien mit 22 regionaltypischen Fahrzeugen der Marke Tatra, von denen dauerhaft zwölf im Betrieb auf der Strecke sind. Die rund zwei Millionen Fahrgäste pro Jahr können sich über saubere Fahrsteige freuen. Durch die gepflegte Erscheinung entsteht auch ein höheres Sicherheitsgefühl, was die Annahme des öffentlichen Angebots befeuert. Die Deutsche Bahn setzt dieses Konzept bereits seit mehr als zehn Jahren in die Tat um.

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<p>Es kann also durchaus eine gangbare Lösung sein, proaktiv die kaputten Fenster zu vermeiden, statt sie im Nachhinein teuer zu reparieren und die die Täter zu sanktionieren. So ist das Beispiel der Thüringer Waldbahn auch eine Blaupause für eine friedliche Stadt, mit einem harmonischen Stadtbild und Zusammenhalt.<img alt=