Landärzte fehlen in vielen Regionen
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Landärzte sind Mangelware - einige Landkreise tun nun selbst aktiv etwas dagegen

Landärzte: In dieser Region gibts keine Probleme!

Der Hochsauerlandkreis nimmt seit Jahren viel Geld in die Hand, um junge Mediziner in den Landkreis zu bekommen. Angehende Ärzte, die sich verpflichten, anschließend im Landkreis zu arbeiten, bekommen während ihres Studiums monatlich 500 Euro. Christian Erhardt sprach mit dem Leiter des Gesundheitsamtes im Hochsauerlandkreis, Peter Kleeschulte über das Erfolgsprojekt.

KOMMUNAL: Herr Kleeschulte, wie kam es damals zu der Idee?

Wir sind ein großer Flächenkreis, so groß wie das Saarland, mit 275.000 Einwohnern. Wir sind ländlich geprägt und haben damit die klassischen demografischen Herausforderungen. Daher haben wir uns schon frühzeitig Gedanken gemacht, wie es mit der ärztlichen Versorgung weitergehen kann. Für uns war klar, dass sämtliche Landesprogramme nicht garantieren, dass diese auch wirklich hier im Hochsauerlandkreis ankommen. Im Jahr 2012 kam es so zu einem Kreistagsbeschluss zum Thema Medizinstipendium. 

 

KOMMUNAL: Was genau sind die Rahmenbedingungen für dieses Stipendium -  was müssen die Studenten erfüllen, was bekommen Sie? 

Seit dem Jahr 2012 gibt es jeweils fünf Stipendiaten, die wir jährlich mit dazu nehmen. Mit den 500 Euro monatlich sind verschiedene Bedingungen verknüpft. Der erste Teil der ärztlichen Prüfung muss erfolgreich bestanden worden sein. Dann werden die Studenten über den Rest der Regelstudienzeit – üblicherweise sind das vier Jahre – mit den 500 Euro im Monat gefördert. Sie verpflichten sich gleichzeitig, für den gleichen Zeitraum mindestens auch im Kreis tätig zu sein. 

 

Die Landärzte gibt es nicht zum Nulltarif...

 

KOMMUNAL: Wie viel Geld haben Sie inzwischen investiert und was konkret hat es gebracht?

Jeder Student kostet uns auf die Gesamtzeit 24.000 Euro. Aktuell werden 26 Stipendiaten vom Landkreis gefördert. Wir haben 5 Stipendiaten, die fertig sind und 9 Stipendiaten, die noch in diesem Jahr fertig werden. Alle, die bereits fertig sind, haben Arbeitsstellen bei uns im Kreis aufgenommen. Gleiches erwarten wir von denen, die in diesem Jahr fertig werden. Einige von ihnen haben schon Arbeitsverträge unterschrieben, andere machen sich gerade selbstständig. Das verteilt sich sowohl auf Kliniken als auch auf Arztpraxen. Wir stehen mit allen in Kontakt und gehen in allen Fällen davon aus, dass es keine Probleme gibt. 

 

Die richtigen Kandidaten sind der Schlüssel zum Erfolg!"

Peter Kleeschulte, Leiter des Gesundheitsamtes im Hochsauerlandkreis

KOMMUNAL 500 Euro sind ein Anreiz – aber können Sie die angehenden Ärzte auch wirklich langfristig von Ihrer Region überzeugen? Sprich: Wird der Klebe-Effekt funktionieren? 

Das schaffen wir über die Auswahl. Sie brauchen die richtigen Bewerber und müssen die richtigen daraus auswählen. Es ist dabei durchaus schwierig, geeignete Bewerber zu bekommen. Denn die richtigen Kandidaten sind der Schlüssel zum Erfolg. Wenn man da die falschen Weichen stellt, kippt das komplette Programm. 

Das Wesentliche dabei ist, dass es Leute sind, die die Region schon kennen – die also entweder hier aufgewachsen sind, hier vielleicht ihr Abitur gemacht haben oder sonst Verbindungen in unsere Region haben. Die wissen dann genau, was auf sie zukommt. Die kennen die Infrastruktur, sind häufig familiär hier verankert. Das ist der wesentliche Effekt, mit dem Sie sicherstellen, dass die Leute auch langfristig hier bleiben. Das verbindet alle Stipendiaten – wir haben da Leute, die in ganz Europa studieren. Ob in Innsbruck, Riga oder Berlin. 

 

Peter Kleeschulte
Peter Kleeschulte ist Leiter des Gesundheitsamtes im Hochsauerlandkreis

KOMMUNAL: Wie werben Sie dann europaweit um diese Menschen? 

Das machen wir ganz intensiv über die Fakultäten. Darüber hinaus über einen Verein Namens Doktorjob. Die sind über Facebook gut vernetzt. Darüber kommen die Kontakte. Und dadurch, dass das Programm schon einige Jahre läuft, haben wir da Erfahrungen. Wir machen daher auch jedes Jahr eine Veranstaltung mit Ärzten aber auch den Stipendiaten. Dadurch ist inzwischen ein Netzwerk unter den Stipendiaten und Ehemaligen entstanden. Diese Menschen tragen unsere Idee auch weiter. 

 

 

Das Landärzte Konzept macht auch in anderen Kreisen Schule 

 

KOMMUNAL: Sie haben Konzept auch dem LDS empfohlen, der es nun einführt. Wenn weitere Landkreise Interesse haben – welche Empfehlungen hätten sie aus Ihrer Erfahrung parat?

Es sind schon mehrere Landkreise an uns herangetreten. Wir zeigen ihnen unser Programm, erklären unsere Herangehensweise. Für alle, die Interesse haben, gilt: Das Wichtigste ist, dass man die richtigen Mechanismen und auch die Manpower hat, um die passenden Bewerber zu finden. Damit steht und fällt das Projekt. Und man braucht Manpower, um die angehenden Ärzte dann weiter zu betreuen. 

 

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