Die Digitalisierung schreitet nicht überall voran
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Die Digitalisierung schreitet nicht überall voran

Landkreis-Ranking: Da steht Ihre Region bei der Digitalisierung

Das Prognos Institut und die Index Gruppe haben einen Atlas zur Digitalisierung für ganz Deutschland erstellt. Das Ergebnis ist teils sehr erstaunlich. Eines aber ist leider auch deutlich zu sehen: Die Provinz muss kämpfen! Und zwar massiv!

Es ist das wohl größte Landkreis-Ranking zur Digitalisierung, das es je gab. Denn das Prognos Institut hat zusammen mit der Index Gruppe nicht nur die Bandbreite des jeweils vor Ort verfügbaren Internets verglichen, sondern einen ganzen Korb an Kriterien erarbeitet. In das Gesamtranking sind 12 verschiedene Faktoren eingeflossen. Die Wichtigsten im Überblick: Da geht es natürlich um die Zahl der Breitbandanschlüsse, aber eben auch um Gründungen, Beschäftigte und Patentanmeldungen im Digitalbereich und sogar regionale Stellenanzeigen für Digitaljobs wurden ausgewertet. Zu vergeben waren insgesamt sechs Sterne. Ein Stern bedeutet entsprechend, diese Landkreise sind die absoluten Schlusslichter bei der Digitalisierung. 6 Sterne sind das absolute Optimum. Daraus wiederum entstand in den 12 Rubriken ein Index. So erreicht ein Landkreis einen Wert von über 66 Punkten, das Schlusslicht erreichte enttäuschende 5,8 Punkte. Die Spannweite ist also enorm.

 

Digitalisierung: HIER sind die (wenig überraschenden) Sieger daheim

 

Schon Wetten abgeschlossen, welcher Landkreis bei der Digitalsierung mit 66,3 Punkten den Vogel abgeschossen hat? Erinnern wir uns an das Landkreis-Ranking der lebenswertesten Städte in Deutschland (KOMMUNAL berichtete ausführlich) - ist das Ergebnis deckungslgleich. Genau, es traf (natürlich) den Landkreis München, also die reichen Kommunen rund um die bayerische Landeshauptstadt. München selbst folgt dann bereits auf Platz 2 mit einem Wert von 64,5 Punkten aber schon spürbar dahinter. Und auch Platz 3 geht nach Bayern: Erlangen bekam vom Prognos-Institut 62,6 Punkte. Es folgt der Rhein-Neckar Kreis mit 54,9 Punkten vor Karlsruhe auf Platz 5 mit immerhin noch 54,2 Punkten.

 

Auf den Plätzen sechs bis 10 und auch dahinter macht Baden-Württemberg einmal mehr von sich reden. Böblingen und Stuttgart finden sich hier, außerdem Nürnberg, Berlin und Hamburg. Die weiteren Plätze (in der Reihenfolge 11-19): Frankfurt a.Main, der Hochtaunuskreis, Köln, Ulm, der Main-Taunus-Kreis, Mannheim, SK Darmstadt, Fürth und Düsseldorf. 

 

 

Landkreis-Ranking: Das sind die wichtigsten Erkenntnisse der Digitalsierungs-Studie 

 

Die Forscher stellen fest: Die reine Verbreitung von Breitbandanschlüssen spielt eine deutlich geringere Rolle, als bisher angenommen. Es gibt Regionen wie etwa Darmstadt die sehr hohe Digitalisierungschancen haben, aber beim Breitbandausbau nur im Mittelfeld liegen. Auf der anderen Seite haben einige Landkreise, die schnelle Internetleitungen haben, eher mittelmässig abgeschlossen. Hier, so die Forscher, tue sich ansonsten in Sachen Digitalisierung nichts. Oder anders ausgedrückt: Diese Regionen nutzen ihre Chancen, die sie durch den Breitbandausbau haben, einfach nicht.

 

Die zweite Erkenntnis: Digitalisierung ist in Deutschland nach wie vor eine Sache der Metropolien Die Digitalökonomie verbreitet sich vor allem dort, wo auf engem Raum viel Wissen zusammenkommt. Also dort, wo sich Gründer, Kabpitalgeber, Konzerne und Forscher mit ihren Ideen gegenseitig befruchten. Aber auch hier gibt es - wohl politisch bedingt - Ausnahmen. Nicht alle Regionen nutzen dieses Kapital. Insbesondere einige Städte im Ruhrgebiet landen hier erneut weit hinten im Ranking - trotz hervorragender Startbedingungen. 

 

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Die traurige Erkenntnis ist aber auch: Die Provinz muss kämpfen! Rund die Hälfte der deutschen Landkreise weist schlechte oder gar katastrophale Digitalisierungschancen auf. Besonders viele Regionen in Ostdeutschland sind betroffen. Auffällig, so die Forscher ist hier auch das Zusammenspiel von Digitalisierungschancen, schlechter wirtschaftlicher Lage und hohen Stimmanteilen für rechtsradikale Parteien. Andere - durchaus ländliche Regionen - nutzen ihre Chancen trotz tendenziell vorhandener Nachteile aber auch. Flensburg etwa wird von den Forschern ausdrücklich gelobt. In der strukturschwachen Stadt in Schleswig-Holstein sind in den vergangenen Jahren 63 neue Unternehmen in dem Bereich entstanden. Das liege vor allem an der engen Kooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaftsförderung, so die Forscher. 

 

 

Digitalisierung: JEDER kann die Chancen nutzen 

 

Heraus heben die Forscher auch Platz 3 der Studie, Erlangen. Die Stadt hat die höchste Akademikerquote bundesweit, die niedrigste Arbeitslosenquote aller Großstädte und natürlich das Technologieunternehmen Siemens. Vor allem aber sei es die Metropolregion rund um Nürnberg, als die Lage, die Erlangen so weit nach vorne bringt. 

Ganz anders sieht das im Ruhrgebniet aus. Formal ist auch diese Region ein Ballungsraum, hier gibt es viele Unternehmen, zahlreiche Universitäten. Doch das Ruhrgebiet nutzt die Chancen bisher überhaupt nicht, stellt das Institut fest. Lediglich die Stadt Dortmund kommt auf vier Sterne, alle anderen Städte der Region verharren bei teils sogar nur zwei Sternen.

 

Landkreis-Ranking: Und das sind die absoluten Schlusslichter 

 

Weit unten auf der Liste sieht es dann noch trauriger aus als im Ruhrgebiet. Ostdeutschland macht die untersten 10 Plätze (fast) komplett unter sich aus: 

Absolutes Schlusslicht auf Platz 401 ist das Jerichower Land mit einem Index von 5,8 Punkten (wir erinnern uns: Der Spitzenreiter bekam 64,5 Punkte). Der Landkreis Börde (ebenfalls Sachsen-Anhalt) liegt auf Platz 400. Knapp davor die Landkreise Rostock, Ludwigslust-Parchim (beide Mecklenburg-Vorpommern) und der Altmarkkreis Salzwedel. Einige besonders strukturschwache Regionen in den "alten Bundesländern" finden sich ebenfalls ganz weit unten, so etwa Lüchow-Dannenberg (Platz 392) und der Eifelkreis Bitburg-Prüm.

 

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