Homeschooling - auf dem Land und in der Stadt unterschiedlich betreut.
Homeschooling: Auf dem Land und in der Stadt läuft es laut einer Studie unterschiedlich ab.
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Studie zu 1. Lockdown:

Ein Drittel der Schüler ohne Kontakt zur Schule

Eine jetzt veröffentlichte Studie offenbart, dass nach Einschätzungen der Schulleitungen nur etwa drei von fünf Schulkindern in ländlichen Regionen im ersten Lockdown regelmäßigen Kontakt mit ihrer Schule hatten - deutlich weniger als in den Städten. Bundesweit beklagten Schulleitungen über alle Regionen hinweg die mangelnde digitale Ausstattung in Schulen und Elternhäusern.

Kommunen, Schulleitungen, Lehrer und Eltern wurden vom ersten Lockdown in der Corona-Pandemie im März 2020 überrascht. Es fehlte die Erfahrung, was passiert, wenn die Schultüren geschlossen bleiben müssen. Auf Basis einer Forsa-Umfrage haben Wissenschaftler eine  Studie erstellt, die jetzt veröffentlicht wurde. Die Befragung von zufällig ausgewählten Schulleitungen allgemeinbildender Schulen ergab einen alarmierendes Bild: So hatten rund 30 Prozent aller Schülerinnen und Schüler während der ersten Corona-bedingten Schulschließungen im Frühjahr 2020 keinen regelmäßigen Kontakt zu ihren Schulen.

In nur 60 Prozent auf dem Land regelmäßig Konakt zur Schule

Wie die Schulleiter berichteten, hatten bundesweit nur etwa drei von vier Schulkindern (71 Prozent) in Deutschland während der Schulschließungen im Frühjahr 2020 regelmäßigen Kontakt mit ihrer Schule, also mindestens einmal pro Woche. In ländlichen Regionen (Schulstandorte mit weniger als 3.000 Einwohnerinnen und Einwohnern) waren es nur drei von fünf Schülerinnen und Schülern (60 Prozent).

Insbesondere in ländlichen Regionen gelang es der Studie zufolge nicht, den Kontakt zu halten. Nur etwa 25 Prozent der Schülerinnen und Schüler in den ländlichen Regionen Deutschlands erhielten während der Schulschließung Lernmaterialien im Rahmen von Onlineunterricht – in Städten waren es etwa 60 Prozent. Als ländlicher Raum wurden Schulstandorte mit weniger als 3000 Einwohner zusammengefasst. Als städtisch wurden Schulstandorte zwischen 3000 und 100.000 Einwohnern bezeichnet, Standorte mit mehr als 100.000 Einwohnern werden in der Studie Metropolen zugeordnet.

Corona-Pandemie trifft Schulen unvorbereitet

"Die Corona-Krise traf Schulen in Deutschland unvorbereitet und stellte diese vor neue Herausforderungen. Vor allem wiederholte Schließungen und die Aufhebung des Präsenzunterrichts führten dazu, dass viele Schülerinnen und Schüler den Kontakt zu Ihren Lehrkräften verloren", stellen die Verfasser der Studie fest.  "Zudem mussten kurzfristig neue Formen des Lernens und Unterrichtens eingeführt werden, die sich von den traditionellen Formen des Unterrichts unterscheiden."

Die  repräsentative Schulleitungs-Studie „Leadership in German Schools (LineS)“ wurde gemeinsam von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universitäten Tübingen, Lüneburg und der Pädagogischen Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz durchgeführt.



Auf dem Land mehr Telefonate zwischen Schülern und Lehrern

Kommuniziert haben Schülerinnen und Schülern mit den Lehrern meist im direkten Austausch (89 Prozent), beispielsweise über das Telefon oder über einen Messenger-Dienst. Auf dem Land war dies mit 92 Prozent häufiger als in der Stadt (88 Prozent und in Metropolen (87 Prozent) der Fall. In insgesamt 74 Prozent der Fälle stellten Lehrer Material und Lernplattformen bereit - auf dem Land  lag der Anteil bei  50 Prozent, in der Stadt bei 79 Prozent und in der Metropole bei 78 Prozent. Auffallend: In ländlichen Regionen versorgten die Schulen die Schülerinnen und Schüler vor allem dadurch, dass sie ihnen Lernmaterial bereits vor der Schulschließung und während der Schulschließung bereit stellten.

Gemeinsam in Kleingruppen zum Beispiel  bei einer Videokonferenz wurde an 41 Prozent der Schulen gelernt, im Klassenverband boten dies nur 33 Prozent der Schulen an. Hier  zeigen sich ebenfalls deutliche Unterschiede zwischen Schulen in ländlichen und städtischen Gebieten: So fand in ländlichen Regionen ein gemeinsames Lernen in Kleingruppen in nur einem Fünftel aller Schulen statt, ein gemeinsames Lernen online im Klassenverband wurde nur an 16 Prozent aller Schulen praktiziert. In den Städten hingegen waren es 47 beziehungsweise 40 Prozent..

Schulleiter beklagen mangelnde digitale Ausstattung

Bundesweit  beklagten Schulleitungen über alle Regionen hinweg die mangelnde digitale Ausstattung in Schulen und Elternhäusern. Dies habe den Fernunterricht sehr stark beeinträchtigt. „Inwieweit es den Schulen zwischenzeitlich gelungen ist, aus der Situation im letzten Jahr für die jüngsten Schulschließungen 2021 zu lernen, muss sich in einer Folgestudie zeigen“, sagte Professor Colin Cramer, der die Studie an der Universität Tübingen betreut. Sie soll im Sommer oder Herbst 2021 durchgeführt werden.

Digitalpakt soll Situation an den Schulen verbessern

Die Corona-Pandemie hat die Digitalisierung beschleunigt. Daher dürfte sich die Situation im weiteren Verlauf der Corona-Pandemie n verbessert haben. Schon vor der Krise hatten der Bund und die Länder verabredet, die Digitalisierung in den Schulen voranbringen. Dafür stellt der Bund über einen Zeitraum von fünf Jahren 6,5 Milliarden Euro zur Verfügung. Die kommunalen und privaten Schulträger und Länder bringen zusätzlich einen finanziellen Eigenanteil ein. "Zusammengenommen stehen dann insgesamt mindestens 7 Milliarden Euro bereit", erläutert eine Sprecherin des Bundesbildungsministeriums. Rein rechnerisch bedeute dies für jede der etwa 40.000 Schulen in Deutschland im Durchschnitt  137.000 Euro oder umgerechnet auf die derzeit etwa 11 Millionen Schülerinnen und Schüler eine Summe von 500 Euro pro Schüler.

Die Ministerpräsidenten und Kanzlerin Angela Merkel vereinbarten in der Corona-Krise im vergangenen Jahr, dass der Digitalpakt Schule um 500 Millionen Euro für Endgeräte erweitert wird. Die Beschaffung von Endgeräten sollte als Sofortprogramm umgesetzt werden. Unklar aber ist, wieviel davon schon umgesetzt wurde.

Hier geht es zum Kurzbericht der Studie - und hier zu weiteren Informationen, wieviel in den einzelnen Ländern an Geld aus dem Digitalpakt zur Verfügung steht