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Mannheim bekommt einen Nachtbürgermeister
Dank Universität hat Mannheim auch viel Nachtleben

Mannheim sucht einen Nachtbürgermeister

von Christian Erhardt-Maciejewski
Chefredakteur | KOMMUNAL
27. Juni 2018
KOMMUNAL hatte die Idee bereits im Jahr 2016 ins Gespräch gebracht - in Köln wurde daraufhin debattiert, ein Nachtbürgermeister dort aber vom Stadtrat mehrheitlich abgelehnt. Nun wird Mannheim wohl Deutschlands erste Großstadt mit einem Nachtbürgermeister.

Diplomatisches Talent, Arbeitszeiten nach Sonnenuntergang und Verbindungen in die Clubszene. Das sind die Ausschreibungskriterien in Mannheim für die Suche nach einem Nachtbürgermeister. Die Idee stammt aus den Niederlanden. Um zu verstehen, worum es geht, lohnt sich ein Blick nach Amsterdam. Dort existiert seit Jahren ein solcher Nachtbürgermeister.

Nachtbürgermeister im Ehrenamt mit viel Erfolg 

2003 hatten die Amsterdamer Stadtväter beschlossen, dass sie jemanden brauchen, der ihnen erzählt, was los ist in der Stadt, während sie längst im Bett liegen. Es war dort lange ein Ehrenamt, inzwischen ist ein ehemaliger Event-Manager hauptberuflich dort tätig. Die Stadt beteiligt sich zur Hälfte an seinem Gehalt - die andere Hälfte wird durch Spenden vor allem von Clubbesitzern finanziert. Gewählt wurde der Nachtbürgermeister in einer offenen Online-Abstimmung, an der sich alle Bürger beteiligen konnten. Seine Aufgabe neben der Erstellung von Partykonzepten: Die Interessen von Anwohnern, Partywilligen und Betreibern zusammenzubringen, zu vermitteln, Bindeglied zu den Behörden zu sein und so vor allem auch für Sicherheit zu sorgen.

Uni Mannheim
Die Universität von Mannheim - dank vieler Studenten hat die Stadt auch ein ausgiebiges Nachtleben

In unserem Leitartikel "Freizeit ist Lebensqualität" im September 2016 hatten wir auch kleineren Kommunen in Deutschland empfohlen, das System mal zu testen. Ein kurzer Auszug: 

 

Ein Modell, das sich problemlos auch auf kleine Orte übertragen lässt. Wobei für die Akzeptanz aus meiner Sicht wichtig ist, dass es sich nicht um einen Mitarbeiter der Verwaltung handelt, sondern um jemanden, der von Anwohnern, Gewerbetreibenden, Verwaltung und Vereinen gemeinsam ausgesucht und getragen wird. Nur so kann er wirklich zur Autorität werden. Das Beispiel des Nachtbürgermeisters zeigt, dass die Kommunen vor Ort sehr viel tun können, damit es wegen des Freizeitlärms gar nicht erst zu Klagen von Anwohnern kommt. Der Kreativität sind dabei kaum Grenzen gesetzt. In Freiburg etwa sorgte das Modell einer „Toleranzsäule“ vor Jahren für Schlagzeilen. Sie zeigt auf einem zentralen Platz an, wenn es zu laut wird und springt von Grün auf Rot. Ähnlich also dem Modell der Smileys in Tempo 30 Zonen, die bei Einhalten der Geschwindigkeiten lächeln und sonst einen traurigen Smiley zeigen.

In Berlin gab es einen Versuch, in einem Kneipenviertel mit Pantomime-Künstlern den Lärmpegel zu senken. Nach dem Motto: Ruhige Pantomimen laden zum leiseren Gespräch ein, der Freizeitlärm wird so geringer.

In Mannheim wird der Nachtbürgermeister auf Honorarbasis eingestellt 

1:1 übernommen haben die Mannheimer die Idee aus Amsterdam - und inzwischen international zahlreichen weiteren Städten, wie etwa in London - allerdings nicht. Anders als beim Original können die Bürger nicht über den Nachtbürgermeister abstimmen. Das war Teil des Erfolgskonzepts in Amsterdam, weil die Autorität des gewählten Nachtbürgermeisters eine andere war. In Mannheim wird die Stelle auf Honorarbasis besetzt. Mit 50 Stunden Aufwand pro Monat rechnet die Verwaltung in der Stellenausschreibung. 

Wer sich bewerben möchte, sollte sich übrigens beeilen: Die Stadt will die Stelle schon zum 1. August besetzen. HIER geht es direkt zum Ausschreibungstext: 

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