Mobilität
Brüssel bremst künftig mit
Ganz neu ist die Idee nicht. Seit Juli 2024 müssen Neuwagen in der EU bereits über eine intelligente Geschwindigkeitsassistenz, kurz ISA, verfügen. Sie erkennt Tempolimits und warnt den Fahrer. Der entscheidende Unterschied: Der Fahrer kann das System derzeit übersteuern oder abschalten; beim nächsten Fahrzeugstart wird es wieder aktiviert. Die diskutierte nächste Stufe würde erheblich weiter gehen. Wer etwa mit 85 Stundenkilometern in einen Ort mit Tempo 50 fährt, könnte künftig automatisch heruntergebremst werden. Nur kurzfristig, etwa für ein Überholmanöver oder zur Gefahrenabwehr, soll ein Überschreiten möglich bleiben.
Ein Auto kann nur so korrekt reagieren wie die hinterlegten Informationen
Für Städte und Gemeinden steckt der Sprengstoff allerdings weniger unter der Motorhaube als in den Datenbanken. Denn ein Auto kann nur so korrekt reagieren wie die hinterlegten Informationen. Dauerhafte Tempolimits, Tempo-30-Zonen, Baustellen, Schulwege oder kurzfristig geänderte Verkehrsführungen müssten digital zuverlässig, aktuell und eindeutig verfügbar sein. Ein falsch eingetragenes Limit wäre dann nicht mehr bloß eine falsche Anzeige im Cockpit, sondern könnte unmittelbar in die Fahrzeugsteuerung eingreifen.
Dass die Technik davon noch ein gutes Stück entfernt ist, zeigen Tests des britischen Forschungsinstituts Thatcham Research. Beim schlechtesten getesteten Fahrzeug lag die Trefferquote bei einzelnen Geschwindigkeitsentscheidungen nur bei 74 Prozent. Anders gesagt: In etwa jedem vierten Fall wurde das Tempolimit falsch erkannt.
Mehr Verkehrssicherheit klingt gut, auch wenn man sich über die Bevormundungsmethoden streiten kann. Für Kommunen jedoch viel entscheidender: Doch bevor Brüssel den Fuß des Fahrers elektronisch ersetzt, muss die Technik fehlerfrei funktionieren. Die Digitalisierung der Verkehrsordnung wird somit endgültig zur Pflichtaufgabe. Und die Frage, wer für falsche Daten und falsches Bremsen haftet, dürfte noch für einigen Gesprächsstoff sorgen.


