Die ungewöhnlichste Fraktionsgemeinschaft Deutschlands - die Podcast-Serie - warum sie unfreiwillig in eine Pause geht...
Die ungewöhnlichste Fraktionsgemeinschaft Deutschlands - die Podcast-Serie - warum sie unfreiwillig in eine Pause geht...
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KOMMUNAL.Perspektive

Innenstadt retten: Was diese Stadt besser macht als andere

Nur 4,5 Prozent Leerstand in der Innenstadt, während andernorts immer mehr Geschäfte verschwinden. Wie schafft Langenfeld das? Und warum scheitern andere Städte trotz teurer Förderprogramme? In der neuen Folge des KOMMUNAL-Podcasts sprechen drei Experten Klartext über die Zukunft unserer Ortskerne. Dabei geht es um erstaunliche Erfolge, gescheiterte Experimente und eine unbequeme Wahrheit für Bürgermeister.

Erst schließt das Schuhgeschäft. Dann der Bäcker. Schließlich klebt auch am Schaufenster des ehemaligen Modegeschäfts ein Schild: „Zu vermieten“. Was bleibt, sind leere Straßen, verwaiste Marktplätze und Bürgermeister, die verzweifelt überlegen, wie sie ihre Innenstadt wiederbeleben können.

Doch es geht auch anders.

Im nordrhein-westfälischen Langenfeld liegt die Leerstandsquote im Hauptzentrum bei gerade einmal 4,5 Prozent. Seit fast 25 Jahren setzt die Stadt auf ein aktives Citymanagement. Und offenbar macht sie dabei einiges richtig.

Aber was genau? Ist es das Geld? Sind es besonders gute Ideen? Oder liegt das Erfolgsgeheimnis ausgerechnet in der Verwaltung?

Darüber diskutieren Rebecca Piron und Christian Erhardt-Maciejewski in der dritten und letzten Folge ihrer Podcast-Reihe „Das Loch in der Mitte“ im Rahmen der "Ungewöhnlichsten Fraktionsgemeinschaft Deutschlands" mit drei Praktikern, die wissen, was in deutschen Innenstädten tatsächlich funktioniert.

Hier können Sie die vollständige Diskussion hören:

Innenstadt beleben: Warum manche Kommunen an sich selbst scheitern

Jürgen Block kennt die Probleme deutscher Innenstädte aus Hunderten Kommunen. Er ist Geschäftsführer der Bundesvereinigung City- und Stadtmarketing Deutschland (bcsd), in der 575 Organisationen zusammengeschlossen sind.

Seine Diagnose dürfte in einigen Rathäusern für Unbehagen sorgen. Denn schuld am Niedergang der Innenstädte ist keineswegs nur der Onlinehandel.

Es gebe durchaus Städte, die an sich selbst scheiterten, sagt Block. Etwa weil Probleme zu kleinteilig angegangen werden, eine gemeinsame Strategie fehlt und die verschiedenen Bereiche der Verwaltung nicht zusammenspielen.

Während sich das Ordnungsamt um Vorschriften kümmert, die Wirtschaftsförderung neue Unternehmen sucht und das Bauamt seine eigenen Ziele verfolgt, bleibt die entscheidende Frage manchmal auf der Strecke: Was braucht eigentlich die Innenstadt als Ganzes?

Hinzu kommt ein Problem, das Kommunalpolitiker nur zu gut kennen. Am Stadtrand möchte ein Investor einen neuen Einzelhandelsstandort entwickeln. Die Aussicht auf Arbeitsplätze und Gewerbesteuer ist verlockend. Doch jeder neue Einkaufsmagnet außerhalb des Zentrums kann die bestehenden Geschäfte zusätzlich unter Druck setzen.

Die Stadt kann damit selbst zum Konkurrenten ihrer eigenen Innenstadt werden.

Nur 4,5 Prozent Leerstand: Das Geheimnis von Langenfeld

Wie es anders geht, erklärt Jan-Christoph Zimmermann. Der Citymanager aus Langenfeld beschäftigt sich seit rund 18 Jahren mit der Entwicklung seiner Innenstadt.

Sein Erfolgsrezept klingt zunächst überraschend unspektakulär.

Nicht unbedingt das Geld entscheide, sondern die Haltung der gesamten Verwaltung.

In Langenfeld sei die Innenstadt eine Gemeinschaftsaufgabe. Ob Ordnungsamt, Bauaufsicht, Tiefbau oder Bauhof: Wenn eine Veranstaltung geplant oder eine neue Idee umgesetzt werde, arbeiteten die Beteiligten gemeinsam an einer Lösung.

„Diese Art von Handeln, das kostet kein Geld“, sagt Zimmermann.

Natürlich leistet sich Langenfeld ein dauerhaftes Citymanagement. Und natürlich profitiert die Stadt von vergleichsweise moderner Bausubstanz und gut nutzbaren Einzelhandelsflächen. Aber das allein erklärt den Erfolg nicht.

Besonders interessant wird es, als die Diskussion auf das bundesweit bekannte Projekt „Future City Langenfeld“ kommt. Dort hat die Stadt jahrelang ausprobiert, wie sich der Einzelhandel mit digitalen Technologien in die Zukunft retten lässt.

Und dabei ging längst nicht alles gut.

Welche vermeintlichen Zukunftsideen in Langenfeld gescheitert sind, warum die Stadt trotzdem weitermacht und was andere Kommunen daraus lernen können, erfahren Sie in der Podcast-Diskussion.

[AUDIO-PLAYER 2 – HIER EINBINDEN]

Leerstand in kleinen Städten: Warum die Vergangenheit nicht zurückkommt

Besonders schwierig ist die Situation vieler kleiner Städte in Ostdeutschland. Dort beobachtet Stadt- und Regionalplanerin Jana Wieduwilt eine Entwicklung, über die in der Debatte um das Ladensterben bislang wenig gesprochen wird.

Nach der Wiedervereinigung kauften viele Menschen Immobilien in den Ortszentren. Im Erdgeschoss betrieben sie Geschäfte, darüber wohnten sie selbst oder vermieteten Wohnungen.

Heute gehen diese Eigentümer in Rente. Manche möchten ihr Geschäft nicht mehr führen, aber weiterhin in ihrem Haus wohnen. Weil Wohn- und Gewerbeflächen häufig baulich miteinander verbunden sind, ist eine neue Nutzung schwierig. Und für einen aufwendigen Umbau fehlt oftmals das Geld.

Die Folge: Der Laden bleibt leer.

Wieduwilt macht im Podcast aber auch deutlich, dass sich nicht jeder Ortskern in seinen früheren Zustand zurückversetzen lässt.

Eine Innenstadt wie 1995 werde es vielerorts nicht mehr geben. Das müsse Kommunalpolitik ihren Bürgern auch offen sagen.

Doch daraus folgt keineswegs, dass diese Orte verloren sind.

Gerade kleinere Städte könnten von ihrer gewachsenen Identität, engagierten Vereinen und lokalen Initiativen profitieren. Manchmal seien gemeinsame Veranstaltungen oder ungewöhnliche Nutzungen leerstehender Geschäfte wirkungsvoller als die nächste große Marketingkampagne.

Ein Beispiel aus ihrer Beratungspraxis: In einer Kleinstadt wurden leerstehende Schaufenster vorübergehend für eine Kunstausstellung genutzt. Die Aktion zog Besucher an. Nach Wieduwilts Schilderung konnten anschließend sogar zwei oder drei zuvor leerstehende Geschäfte vermietet werden.

Eine kleine Idee mit bemerkenswerter Wirkung.

Stadtmarketing: Wenn digitale Schaufenster floppen und eine Bar auf dem Parkhaus funktioniert

Dass nicht jede gute Idee wirklich funktioniert, zeigt auch Langenfeld.

Im Projekt „Future City“ experimentierte die Stadt unter anderem mit digitalen Schaufenstern, über die Kunden außerhalb der Öffnungszeiten Waren auswählen und reservieren konnten.

Das klang nach Zukunft. Nur wollten die Kunden offenbar lieber ganz normal einkaufen.

Andere Ideen funktionierten dagegen erstaunlich gut. Etwa neue Lösungen für bequemeres Parken oder eine Bar auf einem Parkhausdach, die zusätzliche Besucher in die Innenstadt lockte.

Selbst ein Taubenhaus gehört inzwischen zur Strategie. Nach Angaben des Citymanagers konnten dort mehr als 140 Tauben an einem zentralen Standort gebunden werden. Auch solche Maßnahmen können die Aufenthaltsqualität verbessern.

Das Entscheidende daran: Erfolgreiches Citymanagement besteht nicht aus einem einzigen großen Wurf. Es lebt davon, immer wieder neue Ansätze auszuprobieren und auch scheinbare Nebensächlichkeiten ernst zu nehmen.

Die Zukunft der Innenstadt braucht ein neues Geschäftsmodell

Jürgen Block spricht in der Diskussion einen weiteren Punkt an, der angesichts leerer kommunaler Kassen besonders brisant ist.

Die Innenstadt braucht ein neues Geschäftsmodell.

Jahrzehntelang war der Einzelhandel ihr wirtschaftlicher Motor. Heute sollen Gastronomie, Kultur, Bibliotheken, Dienstleistungen, Begegnungsorte und Veranstaltungen zusätzliche Besucher anziehen.

Das klingt gut. Nur müssen diese Nutzungen am Ende auch bezahlt werden.

Nicht jeder leerstehende Laden kann dauerhaft von der öffentlichen Hand finanziert werden. Und nicht aus jeder früheren Boutique lässt sich ein Begegnungszentrum machen.

Genau hier sieht Block eine der größten Herausforderungen der kommenden Jahre: Wie schaffen Städte eine attraktive Mischung, die Menschen anzieht und sich zugleich wirtschaftlich trägt?

Eine einfache Antwort gibt es nicht. Dafür aber viele Erfahrungen, die anderen Kommunen teure Fehler ersparen können.

Was Bürgermeister jetzt sofort für ihre Innenstadt tun können

Zum Schluss der Diskussion stellen Rebecca Piron und Christian Erhardt-Maciejewski den drei Experten eine ganz konkrete Frage: Was sollte ein Bürgermeister am Montagmorgen tun, wenn er die Zukunft seiner Innenstadt endlich selbst in die Hand nehmen will?

Die Antworten unterscheiden sich. Zimmermann setzt auf eine klare Prioritätensetzung durch die Rathausspitze und die Zusammenarbeit der Verwaltung. Wieduwilt fordert, die Menschen vor Ort stärker einzubeziehen. Block hält es für entscheidend, den Nutzen professionellen Stadtmarketings sichtbar zu machen.

Drei Perspektiven, die eines gemeinsam haben: Wer seine Innenstadt retten will, muss Verantwortung übernehmen.

Die traurige Nachricht kommt zum Schluss... 

Und dann nimmt die Podcast-Folge noch eine überraschende, sehr persönliche Wendung.

Nach 36 gemeinsamen Folgen gibt es in der ungewöhnlichsten Fraktionsgemeinschaft Deutschlands eine Veränderung. Einen Abschied. Und eine Pause, die so nicht geplant war.

Warum das letzte Wort diesmal besonders schwerfällt und wie es mit dem KOMMUNAL-Podcast weitergehen soll, hören Sie am Ende dieser Folge.

Jetzt die komplette Diskussion anhören:

Mehr zum Thema: In Folge 1 unserer Reihe ging es um den Donut-Effekt und die Frage, warum unsere Ortskerne veröden. In Folge 2 erklärte Stadtmarketing-Expertin Bernadette Spinnen, was Kommunen verändern müssen, um ihre Innenstadt wieder attraktiver zu machen.