Moderne Ampelanlagen - Grünes Licht für die Kommune

Mi, 22.11.2017

In modernen Ampelanlagen steckt viel Potential. Umwelt- und Lärmschutz sind nur zwei Aspekte. KOMMUNAL zeigt auf, wie die perfekte grüne Welle vor Ort gelingen kann.

Text: Uwe Roth Viele Signalanlagen in Deutschland sind hoffnungslos veraltet. Zahlreiche Kommunen haben keinen Verkehrsrechner und passen die Schaltung jeder einzelnen Ampel nur in großen Zeitabständen den tatsächlichen Verkehrsflüssen an. Ludwigsburg und Kassel investieren viel Geld, um die täglich verstopften Straßen der Innenstadt mit High-Tech durchlässiger zu machen. Ziel ist die perfekte grüne Welle. Doch die dürfte eine Illusion bleiben. Denn auch die beste Technik mit schnellster Rechnerleistung, darüber sind sich die Experten einig, kann das wachsende Verkehrsaufkommen nicht kleinrechnen. Georg Förster von der Stadt Kassel bringt es auf den Punkt: „Früher waren Ampeln Lampen, die farbig sind. Heute sind es Computernetzwerke, die auch leuchten.“ Der Verkehrsingenieur ist vor einem Jahr vom Fraunhofer-Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme Dresden als Leiter des Straßenverkehrs- und Tiefbauamtes zur Stadt Kassel gewechselt. Dort treibt er seither die Modernisierung der Signaltechnik voran. Ihm steht dafür ein Budget von 1,8 Millionen Euro zur Verfügung. Einen hohen Anteil haben Fördermittel des Bundes und des Landes Hessen.

Kasseler Ampelanlagen auf technisch neustem Stand

Ampeltechnik der neuen Generation bedeutet intelligente Kommunikation. In Kassel kommt alles zum Einsatz, was die Informationstechnologie zu bieten hat: Wlan, Glasfaser und Apps. Damit sollen Busse und Bahnen reibungsloser durch die Innenstadt kommen und gleichzeitig den übrigen Verkehr weniger „stören“. Wie das geht, erläutert Förster so: Der ÖPNV hat bisher schon Vorrang. Wenn ein Bus vorberechtigt über die Kreuzung darf, fällt für die Autos unter Umständen eine Grünphase aus. Um die starren, stauanfälligen Ampelumlaufzeiten aufzubrechen, kommuniziert der Bus oder die Bahn für flexible Schaltungen via App mit der Ampel. Die weiß nun, wann ein Bus oder eine Bahn auf sie zukommt. Das heißt, der Verkehr kommt erst zum Stehen, wenn der Bus oder die Bahn tatsächlich über die Kreuzung fährt. Bislang gibt es einige Sekunden Puffer, der zu Gunsten der anderen Verkehrsteilnehmer minimiert wird. Staus werden im Sekundentakt bekämpft. Die Ampelumlaufzeit beträgt in Kassel 100 Sekunden. Eine Verlängerung der Grünphase von zwei bis drei Sekunden klingt wenig, allenfalls zwei zusätzliche Autos kommen über die Kreuzung. „Auf eine Stunde hoch gerechnet läppert sich das aber“, sagt Förster. Schnell sind so 100 Meter Rückstau „eingespart“. Kassel hat rund 200.000 Einwohner. In der Verwaltung sind 15 Mitarbeiter mit der Signaltechnik und der Pflege der 216 Ampelanlagen beschäftigt. Das Know-how in den eigenen Reihen zu halten, sei eine politische Entscheidung gewesen, erläutert der Amtsleiter. Im Vergleich zu anderen Städten und vor allem zu kleineren Gemeinden sind das Traumverhältnisse. In vielen Kommunen ist die Signaltechnik ein vernachlässigtes Thema. Häufig wissen nicht einmal Gemeinderäte, dass hinter jeder Ampel ein Computer mit entsprechender Hard- und Software steht, für die eigentlich ein regelmäßiges Update notwendig wäre. Als modern gilt, wenn die Ampeln unabhängig voneinander morgens und abends zu festen Uhrzeiten den Berufsverkehr berücksichtigen, oder die Induktionsschleifen – je nach Verkehr – das Programm wechseln. Die Programme sind fest installiert. Soll die Software geändert werden, müssen die meisten Kommunen einen externen Dienstleister damit beauftragen. Das kostet Geld, das oft nur in geringen Mengen im Haushalt für solche Ausgaben zur Verfügung steht.

Ludwigsburg optimiert Verkehrsfluss

In der Stadt Ludwigsburg (93.000 Einwohner) hat man beschlossen, den Einfluss auf die Verkehrssteuerung zu vergrößern. In den Räumen des Tiefbauamts stand bereits ein Rechner. Doch der war über 20 Jahre alt, und es gab keine Ersatzteile mehr. „Nun haben wir den modernsten Verkehrsrechner, den es derzeit auf dem Markt gibt“, sagt Christoph Hubberten, Projektleiter Verkehrstechnik. Rund 790.000 Euro hat der neue Rechner inklusive der neuen Steuergeräte an den Ampeln gekostet, die Hälfte davon wurde aus Fördermitteln des Landes bezahlt. Der Rechner zeichnet den Verkehrsfluss und die Ampelphasen quasi in Echtzeit auf. Die Daten bieten für Christoph Hubberten die Möglichkeit, Wartezeiten zu überprüfen und Optimierungspotenzial zu erkennen. Er kann die Schwachstellen im Verkehrsfluss aufspüren und reagieren, wenn etwa die Einfahrt von einer Neben- in eine Hauptstraße unnötig lange dauert, weil um eine bestimmte Uhrzeit gar nicht mehr so viele Autos unterwegs sind. „Das Ziel ist, mit dem neuen Rechner den Verkehr für alle Teilnehmer optimal fließen zu lassen“, sagt Torsten Conte. Eines ist jedoch auch für den modernsten aller Verkehrsrechner nicht möglich: Die Menge des Verkehrs zu reduzieren.

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