Auch der regionale ÖPNV muss auf Corona reagieren.
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Verkehrsbetriebe müssen reagieren

ÖPNV und Corona - Welche Maßnahmen sind sinnvoll?

Abgesperrte Fahrerbereiche, kostenlose Busfahrten, zusätzliche Desinfektion oder Hygienerichtlinien für Fahrgäste - Die kommunalen Verkehrsbetriebe reagieren auf Corona. Doch wo gelten nun welche Regeln und welche Maßnahmen sind wirklich sinnvoll?

In Deutschland nutzen etwa 30 Millionen Menschen täglich den öffentlichen Personennahverkehr. Sie betätigen Knöpfe zum Türöffnen und für den Haltewunsch, sie kaufen beim Fahrer mit Bargeld Tickets und halten sich während der Fahrt an Haltestangen fest. Im Berufsverkehr drängen sich die Fahrgäste vielerorts eng in Bussen und Bahnen. All das sorgt für ein deutlich erhöhtes Ansteckungsrisiko im ÖPNV. Möchte man die Ansteckungsrate des Corona-Virus möglichst gering halten, müssen also Maßnahmen ergriffen werden, um die Ansteckungsrisiken im ÖPNV zu verringern. Die Verkehrsbetriebe der meisten Städte und Kreise haben bereits Maßnahmen ergriffen.

Verkehrsbetriebe schützen ihr Personal

Die Verkehrsbetriebe sind nicht zuletzt für ihre eigenen Mitarbeiter verantwortlich. Daher haben viele mittlerweile Schutzmaßnahmen für ihre Bus- und Bahnfahrer eingerichtet. In vielen Städten - wie etwa Berlin, Dresden oder auch Würzburg - öffnen die Busfahrer die vordere Tür des Fahrzeugs nicht mehr. Bei ihnen können Fahrgäste auch keine Tickets mehr lösen. In Berlin ist der Bereich des Busfahrers sogar mit Flatterband abgesperrt, damit Fahrgäste Abstand halten. Die Stadtwerke Schweinfurt statten ihre Busfahrer zudem mit Desinfektionsmittel aus, da sie während des Dienstes kaum Möglichkeiten haben ihre Hände zu waschen. Die Deutsche Bahn verzichtet zum Schutz von Personal und Fahrgästen darauf Tickets zu kontrollieren.

Wie können Fahrgäste Tickets erwerben?

Viele Fahrgäste von Bussen sind daran gewöhnt ihr Tickets beim Busfahrer zu kaufen. In großen Städten wird es kein Problem darstellen, auch anderweitig an einen gültigen Fahrschein zu gelangen. Fahrscheinautomaten gibt es an einer Vielzahl von Haltestellen. Anders ist das im ländlichen Raum. Die Oberhavel Verkehrsgesellschaft etwa hat sich auch dazu entschieden, dass ihre Busfahrer keine Fahrscheine mehr verkaufen. Im Gebiet der OVG gibt es jedoch nicht flächendeckend Ticketautomaten. Der Ticketkauf ist zwar Online möglich, das wird aber nicht für alle Fahrgäste eine umsetzbare Lösung sein. 

Kostenfreier ÖPNV wegen Corona

Der Landkreis Minden-Lübbecke stand vor dem gleichen Problem wie Oberhavel. Auch hier können Fahrgäste nicht über Automaten Tickets ziehen. Deshalb hat der Landkreis entschieden, dass Fahrgäste vorerst bis zum 1. April kostenlos mit den Bussen der Mindenherforder Verkehrsgesellschaft fahren können, wenn es ihnen nicht möglich ist, ein Ticket zu kaufen. 

Verkehrsbetriebe schützen ihre Fahrgäste

Darüber welche Art der Reinigung zum Schutz der Fahrgäste sinnvoll ist, gibt es viele Unsicherheiten. Generell setzen die Deutsche Bahn und die kommunalen Verkehrsbetrieben auf eine besonders gründliche Reinigung ihrer Fahrzeuge - besonders der Haltestangen. Diese Maßnahme ist jedoch bereits Teil des Influenza-Pandemieplans von 2009 und wird von den meisten Verkehrsbetrieben jederzeit umgesetzt. Darüber hinaus öffnen die Türen von Bussen und Bahnen nun in vielen Städten automatisch, damit Fahrgäste dafür nicht mehr auf Knöpfe drücken müssen. So etwa auch in den Bussen der Stadt Würzburg. Doch: Für den Haltewunsch müssen Fahrgäste hier weiterhin drücken. 

Reinigung oder Desinfektion?

In New York werden etwa alle Busse und Bahnen derzeit zwei Mal pro Tag vollständig desinfiziert. In Deutschland setzen die meisten Verkehrsbetriebe dagegen auf eine gründliche Reinigung nach Betriebsschluss. Nur wenige ÖPNV-Anbieter, wie etwa infrafürth - gaben bekannt, dass sie neben einer gründlichen Reinigung nun auch auf zusätzliche Desinfektion setzen. Die Münchner Verkehrsbetriebe haben sich deutlich von dieser Maßnahme distanziert. Bei der Geschwindigkeit mit der sich die Fahrgäste in den Bussen und Bahnen austauschten, könne eine Desinfektion keine sinnvolle Maßnahme sein. So äußert sich auch der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen. Nur dann, wenn man wisse, dass ein Fahrgast mit Corona infiziert war, werde eine Desinfektion sinnvoll und somit auch zwingend nötig. Zudem wird die Wirksamkeit von Desinfektionsmitteln gegen den Corona-Virus häufig überschätzt. Es gibt keine Desinfektionsmittel, die speziell gegen Grippeviren wirken, ausschließlich solche, die begrenzt viruzid wirken. Und schon eine gründliche Reinigung ohne Desinfektionsmittel sorgt dafür, dass das Infektionsrisiko stark verringert wird. 

Erklärfilme für die Fahrgäste

Die Münchner Verkehrsgesellschaft setzt auf die Information der Fahrgäste. In allen Fahrzeugen finden sich Aushänge mit Hygienehinweisen. Besonders wichtig: Das regelmäßige Händewaschen und das Niesen und Husten in die Armbeuge. Auf den Fahrgast-Monitoren und den Infoscreens an Haltestellen laufen zudem Erklärfilme zu den wichtigsten Hygienemaßnahmen. In verschiedenen Städten werden Fahrgäste zudem darauf aufmerksam gemacht, dass es sicherer ist, Haltestangen mit Handschuhen anzufassen. 

Regensburg ist bestens vorbereitet

Die Stadt Regensburg hat über die letzten zwei Jahre bereits insgesamt 100 seiner Linienbusse mit Hygienespendern ausgestattet. Hier können sich Fahrgäste, aber auch Fahrer, jederzeit die Hände desinfizieren. 

Geringere Taktung kommt in immer mehr Regionen

Die Deutsche Bahn hat schon am Freitag eine geringere Taktung im Regionalverkehr angekündigt. Die Bahn reagiert damit auf eine deutlich geringere Auslastung des Nahverkehrs. Virologen ermahnen die Bürger schon länger zum sogenannten "social distancing", also zur Vermeidung sozialer Kontakte. Bars und Clubs sind vielerorts geschlossen, Schulen und Kitas machen zu und immer mehr Unternehmen stellen, soweit sie können, auf Home-Office um. Dementsprechend hat sich auch der Bedarf im öffentlichen Personennahverkehr verändert. In Berlin und München wurde der Nahverkehr schon am Freitag runtergefahren. Im ganzen Saarland wurden Nachtbusfahrten gestrichen. Viele Verkehrsbetrieben haben zudem den Schulbusbetrieb eingestellt, da Schulen geschlossen werden. Die Taktung ist vielerorts auf den Ferienfahrplan umgestellt worden. Hier herrscht jedoch bei einigen Kommunen noch Unsicherheit. Während die Stadt Würzburg ihren Schulbusbetrieb bereits eingestellt hat, fahren die Schulbusse im Landkreis Würzburg vorerst weiter. Der Landkreis könne noch nicht abschätzen in welchem Umfang Schüler der 1. bis 6. Klasse weiterhin in ihren Schulen betreut werden. In vielen Grenzregionen wurde zudem der Verkehr über die Grenzen eingeschränkt. Im Saarland etwa fahren keine Busse mehr nach Frankreich, jedoch weiterhin nach Luxemburg. Auch die ÖPNV-Verbindungen zwischen dem Raum Dresden und Polen sind eingestellt worden. 

Wie lange eine Ansteckung mit Covid-19 über Flächen wie etwa Haltegriffe möglich ist, ist nicht klar. Das Robert-Koch-Institut macht dazu keine Angaben, da die einzurechnenden Faktoren zu vielfältig sind. Die US-Gesundheitsbehörde CDC geht dagegen davon aus, dass die Infektion noch bis zu 24 Stunden später über solche Flächen möglich ist. 

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