Er soll absolut fälschungssicher werden - der Personalausweis kommt ab Dezember aufs Smartphone
Er soll absolut fälschungssicher werden - der Personalausweis kommt ab Dezember aufs Smartphone
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Der Personalausweis kommt aufs Smartphone

11.806 Stunden - so viel Lebenszeit kostet es die Deutschen statistisch berechnet jedes Jahr, den Personalausweis zu zücken. So rechnet es zumindest das Bundesinnenministerium vor. Ab Dezember soll sich das ändern - der Personalausweis kommt aufs Handy. Nachdem das Gesetz ja schon seit September in Kraft ist. Ab Dezember heißt aber auch: Nicht überall und nicht sofort, quasi scheibchenweise...

"Den Personalauweis bitte" - einer der wichtigsten Sätze bei Behörden aber auch Banken oder bei der Polizei. Denn jeder Deutsche muss sich legitimieren können. Eine Tradition, die etwa die Briten überhaupt nicht verstehen können. Dort gilt es als "massiven Eingriff in die Grundrechte" wenn man einen Personalausweis bei sich führen muss. Ausschließlich bei Auslandsurlauben oder ähnlichem steckt der Brite daher überhaupt mal seinen Ausweis ein. Ein Stück Freiheit, dass jeder "unerkannt" auch gegenüber Polizei und Behörden agieren darf, so dort die Einstellung. In Deutschland ist das bekanntlich ganz anders. Keine Kontoeröffnung ohne Personalausweis. 

So ist die Pflicht zum Personalausweis in Deutschland geregelt 

Die Ausweispflicht in Deutschland schreibt vor, dass jeder Staatsbürger mit Vollendung des 16. Lebensjahres ein gültiges Ausweisdokument besitzen muss. Gültig sind der Personalausweis oder ein Reisepass. Diese Ausweisplicht ist in § 1 Personalausweisgesetz (PAuswG) festgelegt. Wer nun kein gültiges Ausweisdokument besitzt begeht eine Ordnungswidrigkeit, was entsprechend mit einer Geldbuße bis zu 3000,- Euro geahndet werden kann.

Das Gesetz schreibt aber lediglich vor, dass man im Besitz eines Ausweisdokumentes sein muss – nicht aber, dass man dieses ständig bei sich führe muss. In bestimmten Situationen gibt es aber dann doch eine Mitführungspflicht. Etwa bei Grenzüberschritten oder auch bei bestimmten Berufsgruppen, etwa zur Bekämpfung der Schwarzarbeit. Das gilt für Mitarbeiter in Branchen wie der Fleischwirtschaft, im Gebäudereinigungsgewerbe oder auch im Hotel- und Gaststättenbereich. 

Anders als oft vermutet, müssen Sie aber etwa bei einer Verkehrskontrolle keinen Personalausweis vorzeigen. Hier genügt der Führerschein. Jedoch haben Sie die Pflicht zur Angabe ihrer Personalien. Nach den Polizeigesetzen der Länder und der StPO kann die Polizei aber berechtigt sein, Identitätsfeststellungen durchzuführen, das gilt vor allem auf Bahnhöfen, Flughäfen oder an Regierungsgebäuden. 

Wie der neue elektronische Personalausweis aussieht 

Seit September ist nun das Gesetz zur Einführung eines elektronischen Identitätsnachweises mit einem mobilen Endgerät in Kraft. Die technische Umsetzung erfolgt ab Dezember. Dann soll es laut Innenministerium nur noch drei Minuten dauern, um auf dem eigenen Smartphone den Ausweis zu speichern und dann mit der "Ausweis App 2" zu verwenden. Dafür braucht das Handy aber einen speziellen Sicherheitschip, der vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik zertifiziert sein muss. Bisher bietet ein einziger Anbieter (Samsung Galaxy S20) das an. Bis Mitte nächsten Jahres soll für Smartphones anderer Hersteller eine zweite Variante der Smart-eID verfügbar sein. Die speichert die Ausweisinformationen dann nicht auf einem separaten Chip, sondern verschlüsselt im Hauptspeicher des Gerätes. Die Sicherheit gilt hier aber als nicht ganz so hoch, einzelne Anwendungen könnten also ausgeschlossen werden. Banken etwa könnten das als zu unsicher empfinden. Daher ist noch eine dritte Variante in Arbeit.

Blockchain für den Personalausweis 

Das ID-Wallet soll auf einer dezentral verwalteten Blockchain künftig Dokumente wie Führerschein, Geburtsurkunde oder eben den Personalausweis speichern können. Sie war bereits im September gestartet, dann aber nach vielen Fehlern wieder aus den App Stores entfernt worden. Im Unterschied zur Smart eID gilt sie Basis-ID aber noch nicht als offizielles Ausweisdokument, auch hier kann es also sein, dass einige Stellen sie nicht akzeptieren werden. 

Beste Lösung bleibt also die Smart-eID, so sie denn auf dem Smartphone dann überall verfügbar ist. Wenn das bei weiteren Anbietern (IPhone ist angeblich in Arbeit) installiert ist, müssen Sie nur noch die Onlinefunktion des Ausweises aktivieren und den Brief mit der Online-Pin parat haben. Beides stellen die Kommunen ab kommender Woche auch online erneut zur Beantragung zur Verfügung. Egal ob Sie erstmals eine PIN wünschen oder die bisherige vergessen haben. Der Schnittstelle lässt sich der Ausweis dann vom Smartphone in die AusweisApp2 auslesen, wird per PIN bestätigt und somit gespeichert.