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Rechtsstreit statt Badespaß

Der Trend geht zu immer größeren und außergewöhnlicheren Spassbädern - es scheint, als habe das klassische Freibad in den Kommunen ausgedient. Was müssen Kommunen bei der Vergabe an potentielle Investoren beachten?

Wenn Berliner einen Ausflug machen, fahren sie nach Werder. Die Inselstadt ist berühmt für ihre malerische Lage an der Potsdamer Havel, in Mitten eines der größten Obstanbaugebiete Deutschlands. Ein jährliches Baumblütenfest und hochprozentige Fruchtweine locken tausende Tagestouristen an. Und geht es nach den Stadtvätern von Werder, könnte irgendwann einmal eine weitere Attraktion dazukommen. Die „Blütentherme“, ein Spassbad, dass die Stadt im Rahmen einer öffentlich-privaten Partnerschaft mit der „Kristall Bäder AG“ errichten will. Die Website des Projekts klingt verheißungsvoll. „Entstehen wird ein großzügiger Thermenbereich mit zwei Innen- und einem Außenbecken mit unterschiedlichen Solekonzentrationen und Wassertemperaturen“, heißt es dort. Geplant seien Whirlliegen, Luftsprudelsitzbänken, Massagedüsen und Erlebnisduschen. Dazu soll es eine Saunawelt geben, „mit fünf Außen- und vier Innensaunen mit unterschiedlichen Temperaturen und unterschiedlichen Aufgüssen.“ Weniger verheißungsvoll gestaltet sich ein Blick auf die Baustelle: Gebaut wird derzeit nämlich nichts. Eigentlich hätte der Bau schon 2012 fertig gestellt sein sollen, doch immer wieder gab es Verzögerungen. Und nun zerstreiten sich einstigen Partner vor Gericht, selbst ein Gütetermin scheiterte im März. Im Zentrum steht eine Zahlung von mehreren hunderttausend Euro, die der Bäderbetreiber von der Stadt fordert – während das Bauprojekt an sich schon viel teurer geworden ist, als ursprünglich geplant: Statt einst 18 Millionen Euro, von denen die Stadt Werder bereits 17 Millionen Euro gezahlt hat, soll nun 24 Millionen Euro kosten.  Der Aufsichtsratschef der Bädergesellschaft, Heinz Steinhart, begründete das im Rundfunk Berlin-Brandenburg mit gestiegenen Kosten und der Konkurrenz, die durch ein neues Schwimmbad in Potsdam entstehe - das Bad in Werder müsse deshalb opulenter ausgebaut werden. Überhaupt gibt es in der Region an Spassbädern keinen Mangel. Die Kristall Bäder AG betreibt ein weiteres Bad im gerade einmal 40 Kilometer entfernten Ludwigsfelde. Andere Betreiber sind im noch näher gelegenen Bad Belzig sowie in Luckenwalde tätig, das ebenfalls in kurzer Zeit mit dem Auto erreicht werden kann. Ob sich das Projekt Blütentherme je rentiert, ist deswegen mehr als fraglich. Werders Bürgermeisterin Manuela Saß zieht es derzeit jedenfalls vor, zu schweigen – unter Verweis auf den laufenden Rechtsstreit wollte sie sich gegenüber „Kommunal“ nicht äußern. Doch ein Beobachter von außen findet deutliche Worte. „Wir haben schon lange kritisch angemerkt, dass wir als Städte und Gemeindebund bei der Bäderplanung nicht beteiligt werden“, sagt der Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes Brandenburg, Karl-Ludwig Böttcher. „Wir können eine gute Gesamteinschätzung geben, wo welche Potentiale sind.“ Hohe Fördermittel hätten in der Vergangenheit dazu geführt, dass „Spassbäder in einer Anzahl entwickelt und gefördert worden sind, die das Maß des Bedarfs deutlich übersteigen.“ Kritisch äußert sich Böttcher auch zum Modell der öffentlich-privaten Partnerschaft beim Schwimmbadbau. „Diese Partnerschaften haben in der Vergangenheit in der ganzen Bundesrepublik nie sehr viel Erfolg gehabt“, so Böttcher. In bestimmten Fällen seien sogar schon zu Beginn hohe Anlaufschwierigkeiten festzustellen gewesen. „Wenn sich die Kommune und der Investor wie in einer schlechten Ehe nicht vertragen, ist das Projekt gescheitert: Dann gibt es nur noch Planungs- und Bauverzögerungen, die teuer werden und vermeidbar wären.“ 

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