Das Aufkommen an Restmüll in Deutschland ist extrem unterschiedlich und liegt zwischen gut 90 Kilo pro Bürger und Jahr und mehr als 240 Kilo pro Jahr - je nach Gemeinde. Woran liegt das und welche Stellschrauben haben die Kommunalen?
Das Aufkommen an Restmüll in Deutschland ist extrem unterschiedlich und liegt zwischen gut 90 Kilo pro Bürger und Jahr und mehr als 240 Kilo pro Jahr - je nach Gemeinde. Woran liegt das und welche Stellschrauben haben die Kommunalen?

Wie Kommunen Restmüll reduzieren

Über die Müllgebühren berichtet der Bund der Steuerzahler alljährlich ausführlich und ihm fällt auf, dass die Kosten extrem zwischen den Kommunen schwanken. Über die Menge an Müll, die in den Kommunen anfallen, sagen diese Zahlen aber sehr wenig aus. Doch auch hier gilt: Es gibt massive Unterschiede und das hat viel mit dem Abfallmanagement der Kommunen und Landkreise zu tun.

158 Kilogramm Restmüll - das ist die Durchschnittsmenge pro Haushalt und Jahr laut Statistik, die in Deutschland produziert wird. Am wenigsten Restmüll produzieren die Menschen in Freiburg, dort sind es "nur" 90 Kilogramm. Andere Städte erreichen Werte von fast 250 Kilogramm je Haushalt. In Nordrhein-Westfalen etwa ist Duisburg mit 241 Kilogramm trauriger Spitzenreiter, die umweltfreundlicheren Münsteraner verbrauchen "nur" halb so viel, nämlich 121 Kilogramm. 

Doch sind es wirklich nur die Bürger, die besser trennen oder welche Rolle spielen die Kommunen und Landkreise bei dem Thema? Der WDR ist der Frage in einer Serie nachgegangen. Auffallend dabei war etwa, dass der Spitzenreiter im Westen, Münster als einzige Großstadt des Landes nicht an einer Müllverbrennungsanlage beteiligt ist. Müllverbrennungsanlagen haben üblicherweise das Problem: "Gibt es zu wenige Müll, drohen Verluste". Münster setzt beispielsweise zudem auf eine Tonnenpflicht bei der braunen Tonne, Städte wie Duisburg tun das nicht. So sammelt der durchschnittliche Haushalt im Ruhrgebiet auch pro Jahr nur rund einen Kilo Biomüll, die Münsteraner kommen auf 50 Kilogramm. Logisch, dass der Restmüll auf diese Weise abnimmt.

Welche Möglichkeiten zur Reduzierung von Restmüll Kommunen noch haben

Wenig bekannt ist, dass - je nach Landesabfallgesetz - in vielen Bundesländern auch Maßnahmen zur Aufklärung über die Müllgebühren gegenfinanziert werden können. Ein Beispiel: Macht eine Kommune eine Aufklärungskampagne in der Schule, wie Müll am besten zu trennen ist, kann dieses Geld aus dem Topf des Müllentsorgers genommen und über die allgemeinen Gebühren wieder "reingeholt" werden. Immer mehr Städte setzen auf Abfallberatungen. Die Stadt Frankfurt/Oder in Brandenburg etwa hat damit Erfolge gefeiert, die Müllmengen sinken seither. Zudem setzt auch Frankfurt, wie auch Potsdam und andere Städte (nicht nur in Brandenburg) auf Grünabfallsammlungen. Meist 2 mal im Jahr finden solche kostenlosen Aktionen statt. 

"Das Wichtigste ist die Staffelung der Gebühren für die Müllentsorgung"

Michael Broglin, Geschäftsführer der Abfallwirtschaftsbetriebe Freiburg

Bereits einen deutlichen Schritt weiter ist die Stadt Kiel. Sie will im Frühjahr kommenden Jahres Mitglied der Organisation "Zero Waste Europe" werden. Dort sind bereits einige europäische Städte organisiert mit dem Ziel, langfristig eine Recyclingquote von 100 Prozent zu erreichen. Kiel bereitet gerade die Unterlagen für die Mitgliedschaft vor. Um Mitglied zu werden, muss man unter anderem ein öffentliches Müllreduzierungsziel nebst Konzept verabschieden. Vor wenigen Wochen hatte auch die Stadt München angekündigt, ein entsprechendes Konzept zu erarbeiten um ebenfalls mittelfristig Mitglied der Organisation zu werden. 

Das sagt Deutschlands Kommunen mit dem geringsten Restmüll zu seinem Konzept 

In Interview äusserte sich in dieser Woche auch der Geschäftsführer der Abfallwirtschaftsbetriebe in Freiburg, Michael Broglin, zum Erfolg in seiner Stadt, dass dort statistisch "Nur" 90 Kilo Restmüll pro Haushalt und Jahr anfallen. Wörtlich sagte er als Erklärung: "Wir haben bei uns in Freiburg schon ganz früh angefangen, das Thema Abfalltrennung bei der Bevölkerung zu verankern. 1986 wurde in Freiburg eine sogenannte Wertstofftonne eingeführt, wo unterschiedliche Wertstoffe wie Metall, Glas, Textilien und Holz und solche Dinge in einer Tonne gesammelt wurden. Und dann gab’s parallel dazu die Restmülltonne. Das war glaube ich schon ein sehr, sehr früher Schritt, um die Leute Richtung Abfalltrennung zu bewegen."

Doch auch er sagt, dass das Wichtigste die Staffelung der Gebühren für den Restmüll und für die gesamte Müllabfuhr sind. Broglin wörtlich: "Wir haben die Möglichkeit, dass jeder Haushalt eine eigene Restmülltonne beantragen kann. Somit kann er genau sein Abfallverhalten bestimmen und damit auch einen Teil seiner Gebührenhöhe. Und das ist ein großer Anreiz für die Bürger möglichst wenig Restmüll zu produzieren und sauber den Abfall zu trennen."

Achtung: Die Kosten können bei einer Umstellung auch explodieren

Einig sind sich alle Experten, dass es ein Abrechnungssystem braucht, wonach derjenige möglichst wenig zahlt, der wenig Müll produziert. In einigen Landkreisen wird daher der Müll gewogen, andere haben einen Chip in der Restmülltonne und es fallen Kosten pro abgeholter Tonne an. Diese Maßnahmen finden ihre Grenzen jedoch an genau einer Stelle: Wenn nicht mehr Müll vermieden, sondern aufgrund hoher Kosten lieber illegal entsorgt wird. Denn wilder Müll ist nicht nur ein Ärgernis, die Entsorgung ist auch doppelt teuer und lässt somit die Müllgebühren weiter anschwellen.

Ohnehin heißt gute Mülltrennung leider häufig nicht automatisch, dass es für die Bürger günstiger wird. Wieder am Beispiel von Münster hatte der Bund der Steuerzahler erst vor kurzem kritisiert, dass hier die Müllgebühren pro Durchschnittshaushalt besonders hoch liegen - nämlich bei 564 Euro im Jahr. Zum Vergleich: Im rheinischen Kreis Euskirchen zahlt der gleiche Durchschnittsbürger für seine Abfallentsorgung im Jahr nur 129 Euro, Münster ist also mehr als vier mal so teuer, wie eine Kommune im gleichen Bundesland - bei sonst gleicher landespolitischer Rahmengesetzgebung. 

Gut heißt in diesem Fall also definitiv nicht automatisch günstig! Trotzdem gibt es Möglichkeiten, auch bei den Kosten auf die Bremse zu drücken. So moniert der Bund der Steuerzahler immer wieder, dass Kommunen, die besonders hohe Müllgebühren haben, im Gegensatz zu günstigeren Kommunen meist eine wöchentliche Leerung vollziehen. In Zeiten von Klimaschutz sei das nicht nur unnötig, sondern eine 14-tägige Abholung auch unter Kostengesichtspunkten angebracht. Nicht zuletzt lasse sich so die Restmüllmenge durchaus stärker regulieren. Freiburg macht zudem vor, wie ein gutes Angebot an Recyclinghöfen und anderen abfallwirtschaftlichen Leistungen erfolgreich sein kann, ohne zu sehr ins Geld zu gehen. Und je mehr Tonnen die Kommune anbietet, desto wichtiger ist die Aufklärung, was in welche Tonne gehört. In Freiburg etwa gibt es eine Mitarbeiterin, die ausschließlich in Kindergräten, Grundschulen und weiterführenden Schulen zur Abfalltrennung "unterrichtet".