Aktion: Saubere Schultoilette - in den wenigsten Schulen gelingt es..

Schultoiletten: So werden sie sauber!

Es stinkt wie in der Biotonne - und es sieht auch ganz ähnlich aus: Wenn das sauberste am Boden noch der Straßenschmutz ist, dann befinden wir uns vermutlich in einer Schultoilette. Eine erste Kommune nimmt daher nun Geld fürs Pipi-machen in der Schule - ganz ähnlich wie auf Raststätten.

Über den Zustand von Schulgebäuden - oft die Baracken der Bildung - haben wir leider schon mehrfach sprechen müssen. Zu groß ist der Investitionsstau in vielen Regionen. Es fehlt das Geld. Ganz besonders schlimm ist es jedoch landauf, landab auf den öffentlichen Schultoiletten. Selbst wenn diese frisch saniert sind, sieht es hier nicht selten aus wie auf einer Müllhalde - Geruch inklusive. Nun muss fast jedes Kind - auch und gerade im Grundschulalter - im Laufe eines Schultages wohl zwangsläufig mindestens einmal zur Toilette. Immer häufiger berichten Eltern jedoch, wie sich ihre Kinder den Gang zur Toilette verkneifen. Und das, obwohl mehrfach täglich geputzt wird.

Schultoilette wird von Klo-Frau dauerhaft gereinigt

Eine Gesamtschule in Hessen hat nun eine sehr eigene Lösung gefunden. In der Alfred-Wegener Gesamtschule in Kirchhain arbeitet seit kurzem eine Schul-Klofrau. Ganz nach dem Vorbild von Autobahnraststätten. Und sie verlangt 10 Cent je Toilettengang. Damit ist sie zwar noch nicht finanziert, aber zumindest kommt ein Teil der Kosten, den die Kommune hat, so wieder rein. Im Januar lag der Schnitt bei immerhin 80 Kindern, die zahlten. Dafür werden Toilettenpapier, Seife und Handtücher mehrfach täglich frisch aufgefüllt und natürlich wird regelmässig gewischt. Schulleiter Matthias Bosse zeigte sich in Interviews in der Lokalzeitung in den vergangenen Tagen zufrieden mit den ersten Zwischenergebnissen: "Es fallen weniger Handwerker-Kosten an", sagt er. Denn immerhin ist die Toilette auf diese Weise auch dauerhaft bewacht. Übrigens: Wer sich auf das Geschäft mit den 10 Cent nicht einlassen will, dem stehen in der Gesamtschule auch weiterhin kostenfreie Toiletten zur Verfügung - natürlich ohne Aufsicht und dauerhafte Säuberung. Kirchhain ist nicht die erste Kommune, die eine Toiletten-Frau einsetzt.

Die Kostenrechnung: Die Klo-Frau kostet 900 Euro brutto im Monat, die Einnahmen betrugen im Januar knapp 200 Euro - den Rest zahlt der Landkreis als Schulträger.

Auch anderswo sorgt die Schultoilette für Diskussionen

Das Thema ist alles andere als neu. Selbst die German Toilet Organization (GTO) beschäftigt sich regelmässig mit dem Thema. Eigentlich wurde die gemeinnützige Organisation mal gegründet, um in  dritte Welt Ländern zu helfen, dass arme Menschen saubere Toiletten haben. DIE GTO hat bereits im Jahr 2013 einen Preis "Toiletten machen Schule" ausgerufen, denkt aktuell über eine Neuauflage der Aktion nach, wie eine Sprecherin gegenüber KOMMUNAL erklärte. Es geht um Ideen, um Schultoiletten sauberer und gepflegter zu machen. Denn immer wieder werden Toiletten mutwillig zerstört. Auch die Initiative Schulklo.de macht immer wieder ähnliche Erfahrungen und gibt praktische Tipps vor Ort.

Neuss mit gleich drei ausgezeichneten Projekten für die Schultoilette

Schon vor Jahren haben sich die Schulen in Neuss in Nordrhein-Westfalen bemüht, das Thema anzugehen. In der Pestalozzi-Grundschule etwa gibt es seither ein Belohnungssystem. Für 20 Tage ohne Beanstandungen gibt es am darauffolgenden Freitag "Hausaufgabenfrei". In der St-Peter Grundschule wurden die Toiletten von den Kindern in "Erlebniswelten" umgestaltet. So gibt es eine Toilette zum Thema "Fußball", die Jungs davon abhalten soll, die Toilette dreckig zu hinterlassen. Die Gesamtschule an der Erft hingegen gibt den Schlüssel zur Toilette nur noch über das Sekretariat heraus. Und so kommt es wohl, dass immer mehr Eltern bei der Wahl der Schule nicht mehr nur nach außerschulischen Angeboten fragen oder nach besonderen Aktionen, sondern zunächst einen Gang zur Toilette unternehmen um den Zustand zu begutachten.

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