Warum Diesel-Fahrverbote wenig wirksam sind, erklärt Elke Sähn vom Fraunhofer-Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme IVI in Dresden

Sind Fahrverbote schwachsinn?

Mi, 21.02.2018

Wie können wir schädliche Abgase und Partikel reduzieren? Für Umweltschützer ist die Lösung klar. Nämlich durch Fahrverbote. Doch für Elke Sähn vom Fraunhofer-Instituts für Verkehrs- und Infrastruktursysteme IVI in Dresden macht diese Überlegung keinen Sinn. Auch wenn es beim Urteil des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig heute nicht um das Thema Feinstaub geht, so weisen die Antworten der Expertin dennoch klar aus, dass Fahrverbote wohl wenig bringen würden.

KOMMUNAL: Wodurch entsteht der in Kritik geratene Feinstaub eigentlich? Durch den Verkehr?

Elke Sähn: Als natürliche Quellen gelten Vulkane, die Bodenerosion sowie Waldbrände. Bei sämtlichen Verbrennungsprozessen entsteht Feinstaub, egal ob im Haushalt, in der Industrie oder im Verkehr. Das Umweltbundesamt beziffert den Verkehrsanteil mit 15 Prozent. Davon stammt der größte Teil nicht aus dem Abgas, sondern wird durch Aufwirbelung und Abrieb erzeugt. Es sind vor allem meteorologische Einflüsse, die die Feinstaubkonzentration extrem schwanken lassen. Spitzenwerte in der Feinstaubbelastung entstehen durch Ereignisse wie Silvesterfeuerwerk oder Wetterextreme.

KOMMUNAL: Muss man Ihrer Meinung nach gar nicht die Feinstaubbelastung sinken?

Natürlichen Feinstaub wird es immer geben. Und selbstverständlich sollten schädliche Abgase oder Partikel reduziert werden. Doch ob die Anzahl der zulässigen Grenzwertüberschreitungen zurückgeht, ist unabhängig davon, ob eine Umweltzone eingerichtet wurde oder nicht. Das hat vor allem damit zu tun, dass in den letzten Jahren im Winter kaum langanhaltende Inversionswetterlagen auftraten.  

KOMMUNAL: Also machen Diesel-Fahrverbote aus Ihrer Sicht keinen Sinn?

Der Aufwand stünde in keinem Verhältnis zum Nutzen. Zudem straft man die Fahrzeugbesitzer ab. Ganz vergessen wird bei der Debatte auch, dass Fahrzeuge vorzeitig verschrottet und neue mit hohem energetischem Aufwand produziert werden müssten. Dabei ist die Luft in Deutschland so sauber wie noch nie. Von punktuell erfassten Daten an Messstationen –  oftmals an schlecht belüfteten Stellen oder an Steigungen installiert – sollte man keine flächendeckenden Aussagen treffen und darauf aufbauend unpopuläre Maßnahmen ergreifen.  

KOMMUNAL: Und welche Alternativen schlagen Sie vor?

Den Lkw-Durchgangsverkehr dauerhaft zu verlagern und nur Anlieferfahrzeuge in den Städten zuzulassen. Großes Potential sehen wir in einer Verkehrsverflüssigung durch eine dynamische Verkehrssteuerung. Damit ließen sich Staus vermeiden und die Emissionen deutlich mindern. Für den öffentlichen Personennahverkehr empfehlen wir die Umrüstung von Busflotten auf Elektroantrieb. Selbst im Nutzfahrzeugbereich gibt es erste Anbieter für Lkw.

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